Parlament: Gleichstellung erhält in der Truppe höhere Priorität
Das Parlament hat beschlossen, dass das Thema Gleichstellung in der Bundeswehr nun einen noch höheren Stellenwert bekommt.
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Verteidigungsminister Boris Pistorius hat am 30. September 2026 eine Rede auf der Gesamttagung der zivilen Gleichstellungsbeauftragten der Bundeswehr in Berlin gehalten. Er sprach unter anderem über Gleichstellung angesichts aktueller Bedrohungen: Sie sei keine Aufgabe, die nur im ruhigen Fahrwasser stattfinde.
Die aktuelle Bedrohungslage in Europa, hybride Angriffe, gesellschaftliche Polarisierung: Die Bundeswehr muss Werte wie Gleichstellung und Demokratie auch unter Druck bewahren. In seiner Rede bezeichnete Verteidigungsminister Boris Pistorius Gleichstellung als unverzichtbar für die Resilienz der deutschen Streitkräfte – und der Gesamtgesellschaft.
„Unsere Sicherheit ist in einem Maße bedroht, wie wir das lange nicht mehr kannten“, so Verteidigungsminister Pistorius zu Beginn seiner Rede mit Blick auf die sicherheitspolitische Lage, die unter anderem durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine angespannt ist. Die Refokussierung der Bundeswehr auf die Landes- und Bündnisverteidigung und der erhöhte Handlungsdruck dürften aber nicht dazu führen, dass erreichte Standards bei der Gleichstellung aus dem Blick gerieten, forderte der Minister: „Wir müssen schützen, was uns wichtig ist und wir müssen schützen, was uns ausmacht.“
Mein Ziel ist eine Bundeswehr, in der niemand einen Teil seiner Persönlichkeit verstecken muss, um dazuzugehören. Ich will eine Bundeswehr, in der jeder und jede weiß: Ich werde gebraucht. Ich werde respektiert. Und ich kann meinen Beitrag leisten.
Die Bundeswehr stehe mitten in der Gesellschaft, weshalb auch die Truppe nicht verschont von Polarisierung, diskriminierenden Einstellungen und demokratiefeindlichen Positionen bleibe. Hier müsse man klar Haltung zeigen: „Die Abwertung von Frauen, Frauenfeindlichkeit, überkommene Geschlechterrollen, Ausgrenzung und die Ablehnung demokratischer Grundwerte haben keinen Platz in dieser Bundeswehr“, so Pistorius. Sein Anspruch sei eine von Respekt geprägte Bundeswehr. Respektvoller Umgang müsse professioneller Standard sein.
Für den Verteidigungsminister ist Gleichstellung eine Führungsaufgabe. Führungskräfte trügen eine besondere Verantwortung, Fehlverhalten konsequent entgegenzutreten und ein vertrauensvolles Umfeld zu schaffen, verdeutlichte Pistorius.
Er erwarte von seinen Führungskräften zudem den konsequenten Einsatz der vorhandenen Möglichkeiten, um Familie und Dienst miteinander in Einklang zu bringen. Karrieren dürften nicht an familiärer Verantwortung scheitern – Teilzeit, Elternzeit und Pflegezeiten nicht zu strukturellen Nachteilen führen. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei ein entscheidender Attraktivitätsfaktor, der Personalgewinnung, Personalbindung und Zufriedenheit des Personals stärke, so der Minister: „Wie gut wir unsere Mitarbeitenden dabei fördern und unterstützen, wirkt sich auf unsere Einsatzbereitschaft und Verteidigungsfähigkeit aus.“
Gleiches gelte für die Aufstiegschancen. „Gleichberechtigte Teilhabe von Männern und Frauen in Führungspositionen bleibt mein erklärtes Ziel und Anspruch. Sie ist eine Investition in die Leistungsfähigkeit der Bundeswehr, in den gesellschaftlichen Zusammenhalt und in unsere Demokratie“, so Pistorius. Es gehe um faire Chancen, um den Zugang zu Verantwortung und darum, vorhandenes Potenzial für die Bundeswehr zu nutzen: „Wer auf qualifizierte Frauen in Führungsverantwortung verzichtet, verzichtet auf Fähigkeiten, Erfahrung und Perspektiven. Das können wir uns nicht leisten.“
Gleichstellungsbeauftragte überwachen und fördern die Umsetzung des Gleichstellungsrechts, beraten Beschäftigte, bringen Familien- und Pflegebelange ein und wirken Benachteiligung sowie sexueller Belästigung entgegen. In seiner Rede dankte Verteidigungsminister Pistorius allen Gleichstellungsbeauftragten für ihr Engagement und ihre Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen: „Gleichstellung ist kein Selbstläufer. Sie braucht Ihr Engagement, Ihren Einsatz und Ihre Hartnäckigkeit!“
Zum Schluss unterstrich der Minister: „Ohne Sie wären wir noch nicht da, wo wir heute stehen.“
In einer wachsenden Bundeswehr gewinnt Gleichstellung noch einmal an Bedeutung. Vor allem in Bezug auf den Umgang untereinander. Das überlässt die Bundeswehr nicht dem Zufall. Die laufende Dunkelfeldstudie soll beispielsweise ein wissenschaftlich belastbares Bild sexualisierten Fehlverhaltens in der Truppe vermitteln und Ansatzpunkte für Prävention, Führung und Unterstützung aufzeigen. Die Datenerhebung ist bereits abgeschlossen, die laufende Auswertung wird noch etwas Zeit in Anspruch nehmen. Die Ergebnisse werden ebenfalls in die Weiterentwicklung der Prävention, Ausbildung und Unterstützungsmaßnahmen einfließen. Aber die Bundeswehr wartet nicht einfach ab. An folgenden Vorhaben wird bereits gearbeitet:
von Lara Finke