Regierung billigt Reservestärkungsgesetz
Es soll die nötigen Rahmenbedingungen für eine schnell und verlässlich verfügbare Reserve schaffen. Der Bundestag muss noch zustimmen.
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Minister Boris Pistorius war am 13. Oktober 2026 Gast des Deutschen Arbeitgebertags in Berlin. Unter dem Motto „Wie Staat, Bundeswehr und Wirtschaft gemeinsam verteidigungsfähig werden“ beantwortete Pistorius Fragen und nahm an einer Diskussionsrunde teil. Er betonte: „Wir setzen auf die Industrie.“
Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger sagte zum Start des Deutschen Arbeitgebertages: „Wer im Wettbewerb bestehen will, kann Stillstand nicht als Option haben.“ Bundeskanzler Friedrich Merz umriss die Dimension des Reformkurses der Regierung: Es gehe um nicht mehr und nicht weniger als um die Erneuerung der wirtschaftlichen Ordnung in Deutschland.
Zu Beginn seines Parts bei dieser Veranstaltung im Berlin Congress Center (bcc) stellte sich Boris Pistorius einem Interview mit Moderator Michael Bröcker zum Thema „Sicherheit, Geopolitik und Wirtschaft – Deutschlands Weg zu mehr Verteidigungsfähigkeit und Resilienz“.
Der Minister unterstrich im Hinblick auf den mit Hochdruck laufenden Personalaufbau der deutschen Streitkräfte: „Wir sind die größte Bundeswehr seit Aussetzung der Wehrpflicht.“ Neuer Wehrdienst und die Reserve kämen mit sehr guten Fortschritten voran. Das Reservestärkungsgesetz sei auf den Weg gebracht worden. „Das bringt mir nicht nur Freunde ein“, so der Minister. Aber gerade dieses Gesetz sei sehr wichtig. Mehr zum Gesetz gibt es hier.
Weiter ging es darum, wie es aktuell um Deutschlands Sicherheit bestellt sei und welche Bedrohungsszenarien das Land künftig bewältigen müsse. Welche Konsequenzen sich daraus für Bundeswehr, Reserve und Wirtschaft ergäben, spiele eine wichtige Rolle, so Boris Pistorius.
Er machte deutlich, dass Deutschland und Europa gegenwärtig einen epochalen geopolitischen Umbruch erleben – mit einem fundamentalen Wandel der internationalen Ordnung. Angesichts dieser Lage machte Boris Pistorius deutlich, Abschreckung und Verteidigung hingen davon ab, dass Deutschland und Europa gegenüber einem Aggressor eindeutig ihre Wehrbereitschaft signalisierten. Entscheidend sei, dass der russische Staatspräsident Wladimir Putin Bescheid wisse, woran er mit der NATO sei.
Der Minister betonte in diesem Kontext nachdrücklich, dass die USA ein enger NATO-Partner seien und blieben. Die intensive Rüstungskooperation zwischen Deutschland und den USA bestehe fort, wie Pistorius am Beispiel der Einführung des neuen F35-Kampfjets in die Bundeswehr deutlich machte. Erst jüngst hat Pistorius beim Besuch in Texas die erste F-35A der Luftwaffe übernommen.
Im Verlauf des Gesprächs rückte der Operationsplan Deutschland (OPLAN DEU) in den Fokus, welcher erstmals das Zusammenwirken von Staat, Bundeswehr und Wirtschaft im Krisen- und Verteidigungsfall im Sinne einer Gesamtverteidigung eingehend beschreibt.
Der Minister machte an die Adresse der Unternehmerinnen und Unternehmen deutlich, es müsse darum gehen, dass Bundeswehr und Wirtschaft sich nicht als Konkurrenten verstehen sollten, eher als Ergänzung zueinander.
Pistorius erörterte anschließend beim Deutschen Arbeitgebertag in einer Diskussionsrunde, wie Staat, Bundeswehr und Wirtschaft gemeinsam verteidigungsfähig werden könnten. An diesem Gesprächskreis nahmen teil die Geschäftsführerin von IBM Deutschland, Christine Rupp, Jana Puglierin, Head of Office des „Berlin European Council on Foreign Relations“ (ECFR), und Susanne Wißfeld, Geschäftsführerin von Randstad Deutschland.
Zentrales Thema der Runde war der geplante Aufwuchs der Bundeswehr. Woher sollen die zusätzlichen Frauen und Männer für die Truppe kommen? Pistorius betonte, dass die Bundeswehr im Zuge des Neuen Wehrdienstes jungen Menschen die Möglichkeit biete, völlig neue Perspektiven zu gewinnen. Nach ihrer Dienstzeit seien die ausgeschiedenen Soldatinnen und Soldaten dann Teil der Reserve.
Pistorius hob in diesem Kontext hervor, die Bundeswehr müsse aufgrund der Bedrohungslage personell aufwachsen. Dabei erwähnte er einmal mehr den Neuen Wehrdienst. Der Rücklauf der Fragebögen der jungen Männer, die diese ausfüllen müssten, sei exzellent. Gleichzeitig verzeichne die Bundeswehr eine stark steigende Zahl der Bewerbungen. Auch die Einstellungszahlen stiegen deutlich an.
Bei der Fachkräftegewinnung lege die Bundeswehr deutlich zu, so der Minister. Weiter benötige die Bundeswehr eine funktionierende Reserve. Zur Erfüllung der NATO-Fähigkeitsziele soll die Reserve auf mindestens 200.000 Reservistinnen und Reservisten aufwachsen.
Der Minister erinnerte dran, dass Bundeswehr und Wirtschaft von der gegenseitigen Erfahrung profitieren könnten. Er sei beispielsweise sehr froh, im Zuge der Reserve hoch spezialisierte Fachleute aus der Wirtschaft in den Reihen der Truppe zu wissen.
Auf dem zivilen Arbeitsmarkt ausgebildete Kräfte können bei der Bundeswehr zusätzliche Qualifikationen erwerben und stehen einem potenziellen Arbeitgeber nach ihrer Dienstzeit mit höheren Fähigkeiten zur Verfügung. Die Bundeswehr gewinnt über die bereits in der Wirtschaft eingesetzten Arbeitskräfte Einblicke, die sie nutzen kann.
Pistorius äußerte die Erwartung der Bundesregierung an die Wirtschaft, wie diese zur Verteidigungsfähigkeit beitragen könne. Er forderte von der Wirtschaft einen ressortübergreifenden Schulterschluss, da wirtschaftliche Resilienz und Verteidigungsfähigkeit untrennbar miteinander verknüpft seien. Im Kern gehe es darum, dass alle Beteiligten die richtigen Schnittstellen hätten, so der Minister.
Christine Rupp richtete ihren Blick auf die Bereiche Cyber-Abwehr und Künstliche Intelligenz (KI) in Verbindung mit Bundeswehr und Wirtschaft. Cyber-Abwehr müsse als ein systemisches Element begriffen werden.
Susanne Wißfeld betonte zur Zusammenarbeit von Bundeswehr und Wirtschaft: Entscheidend sei, dass Deutschland verteidigungsfähig werde. An jeden Einzelnen müsse in diesem Kontext die Botschaft gehen: „Du bist Teil der Lösung.“
Jana Puglierin sprach das Thema Einbindung der Wirtschaft in die Streitkräfte an. Hier wies sie auf das hohe Niveau hin, welches die beidseitige Kooperation in den nordischen Staaten erreicht habe. Davon ausgehend sagte sie im Hinblick auf Deutschland: Auch hier müssten die Unternehmen besser eingebunden werden.
Boris Pistorius stimmte Puglierin ausdrücklich zu, was die Leistungen der nordischen Staaten beim Aufwuchs ihrer Verteidigungsfähigkeiten angeht. Sie hätten 2014, als Russland die Krim annektierte, den Weckruf gehört.
Der Minister richtete vor diesem Hintergrund den Blick auf die Gesellschaft in Deutschland. Angesichts der Bedrohungslage müssten die Bürgerinnen und Bürger noch stärker mitgenommen werden. Sie müssten erkennen, dass die Lage ernst sei.
von Jörg Fleischer