Münchner Sicherheitskonferenz
Die Münchner Sicherheitskonferenz gilt als eines der bedeutendsten sicherheitspolitischen Formate der Welt. Sie nimmt den Umbruch der Weltordnung und die Zukunft der transatlantischen Beziehungen in den Fokus.
Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz (MSCMunich Security Conference), Botschafter Wolfgang Ischinger, hat in dieser Woche in Berlin seinen Ausblick auf die diesjährige MSCMunich Security Conference gegeben. Verteidigungsminister Boris Pistorius nimmt an dem Spitzentreffen teil. Die Konferenz gilt als eines der bedeutendsten sicherheitspolitischen Formate der Welt.
Zum Auftakt der Konferenz am 13. Februar 2026 wird sich Verteidigungsminister Boris Pistorius zunächst bei einem Doorstep äußern. Er wird gemeinsam mit rund 30 Verteidigungsministerinnen und -ministern aus aller Welt in München sein.
Das bis zum 15. Februar 2026 dauernde Spitzentreffen ist das vierte seit der völkerrechtswidrigen russischen Invasion der Ukraine. Die Sicherheitskonferenz, eine Zusammenkunft hochrangiger Politiker, Diplomaten und sicherheitspolitischer Experten mit Rekordbeteiligung in diesem Jahr, steht unter dem Motto „Under Destruction“. Es wird in München vor allem um den Umbruch der Weltordnung und um die Zukunft der transatlantischen Beziehungen gehen sowie um Europas Fähigkeiten, sich künftig selbst mit eigenen Kräften durchzusetzen.
Innovative Denker kommen bereits am Vorabend der Sicherheitskonferenz bei der 9. MSCMunich Security Conference Innovation Night zusammen. Diese wird vom Cyber Innovation Hub der Bundeswehr gemeinsam mit der Münchner Sicherheitskonferenz veranstaltet. Die MSCMunich Security Conference Innovation Night diskutiert und analysiert in diesem Jahr unter anderem die strategischen Dimensionen der künstlichen Intelligenz (KIKünstliche Intelligenz).
Am zweiten Konferenztag, dem 14. Februar 2026, wird Minister Pistorius eine programmatische Rede vor der internationalen sicherheitspolitischen Community halten. Anschließend ist eine Paneldiskussion mit dem Minister geplant. Am Abend nimmt Pistorius dann am sogenannten MSCMunich Security Conference-Spotlight zum Thema Arctic Security teil. Im Verlauf der Konferenz wird der Minister zudem bilaterale Gespräche führen sowie bei Veranstaltungen am Rande der Konferenz, sogenannten Side Events, mit dabei sein.
Ebenfalls werden die Parlamentarischen Staatssekretäre im BMVgBundesministerium der Verteidigung Sebastian Hartmann und Dr. Nils Schmid sowie die Staatssekretäre Nils Hilmer, Jan Stöß, und Jens Plötner sowie die Stellvertreterin des Generalinspekteurs, Generaloberstabsarzt Dr. Nicole Schilling, und der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Carsten Breuer, in München sein.
Botschafter Wolfgang Ischinger wies in der Bundespressekonferenz einmal mehr auf die herausragende Funktion der MSCMunich Security Conference als Plattform des Dialogs in krisenhaften Zeiten hin. Er sagte zur weltpolitischen Lage: „Wir haben es mit schwerwiegenden, teilweise systemischen Krisen und Konflikten zu tun.“ Seit er im Jahre 2008 die Konferenz als Vorsitzender übernommen habe, so Ischinger, habe es noch nie so viele gleichzeitige Brennpunkte auf der Welt gegeben.
Zudem setzt die MSCMunich Security Conference in diesem Jahr gegenüber der Ukraine ein neues Symbol der Solidarität. Sie räumt den Gesprächen zur Lage dort erstmals einen eigenen Ort in München ein, das neue Ukraine-Haus. Es soll einen sicheren und angemessenen Rahmen für Treffen und Formate mit Bezug zur Ukraine bieten.
In diesem Kontext wird der Ewald-von-Kleist-Preis in diesem Jahr nicht an eine einzelne Person, sondern an das tapfere ukrainische Volk verliehen.
Anlässlich der MSCMunich Security Conference 2026 werden rund 60 Staats- und Regierungschefs, mehr als 200 Ministerinnen und Minister aus 120 Staaten sowie 40 hochrangige Vertreter internationaler Organisationen wie NATONorth Atlantic Treaty Organization, EUEuropäische Union und UNUnited Nations erwartet. Insgesamt werden bis zu 700 Konferenzteilnehmer zugegen sein. Rund 1.000 Journalistinnen und Journalisten aus 115 Ländern sind akkreditiert.
Für die Bundesregierung werden neben dem Verteidigungsminister Bundeskanzler Friedrich Merz, Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil, Außenminister Johann Wadephul sowie Bundesinnenminister Alexander Dobrindt vor Ort sein. Der Bundeskanzler wird die MSCMunich Security Conference mit einer Rede eröffnen.
Aus Brüssel werden EUEuropäische Union-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, EUEuropäische Union-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola sowie die Vizepräsidentin der EUEuropäische Union-Kommission und Hohe Vertreterin der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik, Kaja Kallas, und der EUEuropäische Union-Kommissar für Verteidigung und Raumfahrt, Andrius Kubilius, teilnehmen. Weiter sind die Staatspräsidenten Polens, Frankreichs und der Ukraine dabei, Karol Nawrocki, Emmanuel Macron und voraussichtlich auch Wolodymyr Selenskyj sowie die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni.
NATONorth Atlantic Treaty Organization-Generalsekretär Mark Rutte vertritt bei der Münchner Sicherheitskonferenz das Bündnis. Aus den USA wird die größte Delegation aller Zeiten in München vertreten sein, darunter für die US-Regierung der Außenminister und Sicherheitsberater des Präsidenten, Marco Rubio, sowie mehr als 50 Senatoren aus dem US-Kongress. Ischinger wertete es ausdrücklich als ein positives Zeichen, dass so viele hochrangige US-Vertreter nach München kommen wie noch nie. Die transatlantischen Beziehungen seien das Rückgrat der Münchner Sicherheitskonferenz.
Offizielle Regierungsvertreter aus Moskau nehmen nicht teil. Dazu sagte der MSCMunich Security Conference-Vorsitzende bei seinem Ausblick: Russland tue zwar so, als ob es verhandlungsbereit sei, bombardiere die Ukraine in Wahrheit aber weiter.
Bei der MSCMunich Security Conference geht es traditionell um die Zukunft der internationalen Ordnung aus transatlantischer Perspektive. Neben dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine sollen Brennpunkte wie die Krise im Iran, in Venezuela und im Nahen Osten Thema sein. Es wird auch um den Indo-Pazifik und die vielschichtigen Beziehungen des Westens zu China gehen sowie um die strategisch wichtige Lage Grönlands. Ischinger sagte, die internationale Ordnung werde derzeit nicht nur in Frage gestellt, sondern gewissermaßen mit der Abrissbirne bearbeitet.
Darüber hinaus dreht es sich bei der Konferenz um Reformen des multinationalen Regierungshandelns (multilaterale Governance-Reformen), regionale Konflikte sowie transnationale Herausforderungen und Aspekte des erweiterten Sicherheitsbegriffs – so etwa um die Folgen des Klimawandels, Ernährungsunsicherheit und die Gefahren durch strukturelle Armut. Aus diesem Anlass sind eine Reihe von Vertretern des globalen Südens in München dabei.
Neben dem Hauptprogramm auf dem Podium im Tagungshotel Bayerischer Hof wird es bis zu 200 offizielle Side-Events rund um die MSCMunich Security Conference geben.
Wolfgang Ischinger verlieh abschließend seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Weltgemeinschaft nach dem Ende der diesjährigen Konferenz endlich ins Handeln komme.
Der Forschungsdirektor der Münchner Sicherheitskonferenz, Prof. Tobias Bunde, und seine Ko-Autorin Sophie Eisentraut, Head of Research & Publications der MSCMunich Security Conference, stellten in der Bundespressekonferenz den Münchner Sicherheitskonferenz-Report 2026 mit dem Titel „Under Destruction“ vor. Das Motto des MSCMunich Security Conference-Reports sei ausdrücklich bewusst dramatisch gewählt, sagte Bunde. Denn die internationale Ordnung werde von Teilen der Staatengemeinschaft bewusst in Frage gestellt und zurückgebaut.
Der Report geht der Frage nach, woher die Lust an der Zerstörung der althergebrachten Strukturen herrühre. Die Autoren gaben bei ihrem Ausblick den Ansatz einer Antwort. Diese Lust hänge mit dem Mangel an Vertrauen in die traditionelle Ordnung zusammen.
Ausdrücklich stellt der Report aber auch positive Ansätze heraus, wie mit der aktuellen Situation umzugehen sei. Es gehe um entschlossenes und stabiles Erneuern, unterstrich Eisentraut. Es gelte, die Chancen der Disruption zu erkennen.
Der Ausblick auf die Münchner Sicherheitskonferenz ist traditionell der Auftakt einer von sicherheitspolitischen Highlights dominierten Woche. Diese ist dieses Jahr geprägt von der Zusammenkunft des Rates für Auswärtige Angelegenheiten im Format der EUEuropäische Union-Verteidigungsministerinnen und -minister, der Ukraine Defense Contact Group (UDCGUkraine Defence Contact Group) und dem NATONorth Atlantic Treaty Organization-Verteidigungsministertreffen in Brüssel und schließt mit der MSCMunich Security Conference ab.
von Jörg Fleischer