Vier Männer und eine Frau stehen nebeneinander. Zwei von ihnen halten Dokumente in den Händen.
© Bundeswehr/Christoph Kassette
KategorieNATO

Frühjahrstreffen 2026 der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Verteidigungsministerinnen und -minister

Verteidigungsminister Boris Pistorius hat am 12. Februar 2026 am Frühjahrstreffen der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Verteidigungsministerinnen und -minister im Hauptquartier der Allianz in Brüssel teilgenommen. Das Treffen war eine wichtige Wegmarke hin zum NATONorth Atlantic Treaty Organization-Gipfel 2026 in Ankara. Anschließend kamen auch die Mitglieder der Ukraine-Kontaktgruppe (UDCGUkraine Defence Contact Group) unter deutsch-britischem Vorsitz zusammen. 

Vor dem Hintergrund der weltpolitisch weiterhin volatilen Sicherheitslage bildeten die Stärkung von Abschreckung und Verteidigung sowie die Übernahme von mehr Verantwortung durch die europäischen Alliierten und Kanada den Schwerpunkt des Treffens. Dominierende Themen waren dabei das Engagement der Allianz im Hohen Norden sowie die Unterstützung der Ukraine in ihrem Verteidigungskampf gegen den russischen Aggressor – aber auch die Fortschritte im Bereich Luftverteidigung sowie Impulse für den anstehenden NATONorth Atlantic Treaty Organization-Gipfel am 7. und 8. Juli 2026 in Ankara wurden besprochen. Am Morgen kamen zunächst die 32 Mitglieder des Nordatlantikrats gemeinsam mit den Strategischen Kommandeuren der Allianz, dem SACEURSupreme Allied Commander Europe und dem SACTSupreme Allied Commander Transformation, zusammen.

„Wächter der Arktis“: NATONorth Atlantic Treaty Organization sorgt für Sicherheit im Hohen Norden

Zum Engagement der Allianz in der Arktis im Sinne des 360-Grad-Ansatzes unterstrich Pistorius in Brüssel: Auch wenn der Schwerpunkt der Allianz die Ostflanke bleibe, müsse klar sein, dass Russland in vielen Teilen der Welt unterwegs und auf Konfrontation aus sei – so beispielsweise auch in der Arktis. Dem Hohen Norden komme dabei eine besondere Bedeutung zu. Als Verbindung zwischen Nordmeer, Nordatlantik und Atlantik sei er unter anderem wesentlich für die Versorgungswege zwischen Nordamerika und Europa, so der Minister.

Bundesminister der Verteidigung Boris Pistorius schaut lächelnd für eine Portraitaufnahme in die Kamera.
Es wird Zeit, dass wir die Radarsysteme der NATONorth Atlantic Treaty Organization in alle Himmelsrichtungen ausrichten.
Verteidigungsminister Boris Pistorius Bundeswehr/Norman Jankowski

Mit Russland als stärkstem maritimem Akteur in der Arktis beschäftige sich die NATONorth Atlantic Treaty Organization schon seit Jahren. „Als Bundeswehr waren wir wie andere NATONorth Atlantic Treaty Organization-Partner immer wieder zum Üben in der Arktis“, stellte Pistorius heraus. Deswegen begrüße er sehr, dass die Allianz mit Arctic Sentry nun den nächsten Schritt gehe. Deutschland werde sich wesentlich an der Mission beteiligen und habe mit dem Seefernaufklärer P-8A Poseidon, Transportflugzeugen A400M, U-Booten, Fregatten, Eurofightern oder seinen Fähigkeiten zur Luftbetankung einiges zu bieten, unterstrich der Minister.

Pistorius verwies weiterhin auf die von Deutschland initiierte Maritime Sicherheitspartnerschaft mit Kanada, Norwegen und Dänemark. Viele andere Nationen interessierten sich ebenfalls für diese Kooperation, unter anderem sei man im Gespräch mit Island.

ELSAEuropean Long-Range Strike Approach geht in Brüssel in die nächste wichtige Phase

In den Beratungen des Nordatlantikrats ging es unter anderem um den Umsetzungsstand der auf dem Gipfel 2025 in Den Haag beschlossenen Steigerung der Verteidigungsausgaben. Dazu verkündete Pistorius, dass Deutschland im Jahr 2026 rund 108 Milliarden Euro für Verteidigung ausgeben werde. Das werde auch Auswirkungen auf eines der wichtigsten multilateralen Kooperationsprojekte, den European Long-Range Strike Approach ELSAEuropean Long-Range Strike Approach, haben, so der Minister.

In Brüssel zeichneten die Verteidigungsministerinnen und -minister von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Polen und Schweden ein Abkommen zur Produktion von Drohnen und Loitering Ammunition mit einer Reichweite von 500 Kilometern. „Die werden interoperabel sein, das heißt: Wir können gemeinsam warten, beschaffen, üben und weiterentwickeln“, verkündete Pistorius. „Das ist wichtig angesichts der Herausforderungen, die vor uns liegen.“ Damit steige man in die nächste wichtige Phase des Projekts ELSAEuropean Long-Range Strike Approach ein und stärke die konventionellen europäischen Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeiten innerhalb der NATONorth Atlantic Treaty Organization
 

Was ist ELSAEuropean Long-Range Strike Approach?
Im Jahr 2024 vereinbarten Frankreich, Deutschland, Italien, Polen, Schweden und Großbritannien den European Long-Range Strike Approach, kurz ELSAEuropean Long-Range Strike Approach. Ziel ist es, die europäischen Militärkapazitäten zu stärken und die Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit der NATONorth Atlantic Treaty Organization zu verbessern, die Entwicklung von Fähigkeiten für Langstreckenangriffe zu beschleunigen und die Zusammenarbeit zwischen europäischer Industrie und Streitkräften zu fördern. 

Deutschland unterstützt Ukraine mit aller Kraft

Im Anschluss an den Nordatlantikrat tagte der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Ukraine-Rat. Das Treffen unterstreicht die engen Beziehungen zwischen der NATONorth Atlantic Treaty Organization und der Ukraine. Pistorius versicherte seinem neuen ukrainischen Amtskollegen Mychajlo Fedorow, Deutschland werde die Ukraine auch weiterhin mit aller Kraft unterstützen.

Im Fokus stünden dabei die dringendsten Bedarfe der Ukraine. So werde Deutschland sich an dem sogenannten City-Dome-Projekt zur Verbesserung der Luftverteidigung über bedrohten ukrainischen Metropolregionen beteiligen sowie die Weiterentwicklung von Regimentern unterstützen, die russische Angreifer an der Front mit hochmodernen unbemannten Systemen stören. Auch an der Finanzierung von Systemen der Prioritized Ukraine Requirements List (PURLPrioritized Ukraine Requirements List) werde Deutschland weiterhin mitwirken. Dabei geht es um Waffensysteme, die nur die USA zur Verfügung stellen können und die für die Ukraine Priorität haben. „Insgesamt haben wir 11,5 Milliarden Euro für die Unterstützung der Ukraine in 2026 eingeplant“, verkündete Pistorius in einer Pressekonferenz am Ende des Tages.

„Nicht reden, sondern handeln“ – Pistorius eröffnet UDCGUkraine Defence Contact Group

Beim Treffen der von Deutschland und Großbritannien geführten Ukraine-Kontaktgruppe (Ukraine Defence Contact Group, UDCGUkraine Defence Contact Group) appellierte Pistorius an die Mitglieder, Kyjiw weiterhin umfassend zu unterstützen. Neben Deutschland müssten auch andere europäische Alliierte ihren Beitrag rasch steigern: „Europa steht in der Verantwortung zu handeln“, so der Minister.

Minister Pistorius zusammen mit dem ukrainischen Verteidigungsminister und dem NATO-Generalsekretär

Deutschland übernimmt Verantwortung: Verteidigungsminister Boris Pistorius, der ukrainische Verteidigungsminister Mykhailo Fedorow (links) und NATONorth Atlantic Treaty Organization-Generalsekretär Mark Rutte (rechts) bei der von Deutschland und Großbritannien geführten UDCGUkraine Defence Contact Group

© Christoph Kassette

In der Ukraine herrscht derzeit der bislang kältesten Kriegswinter seit Beginn der russischen Vollinvasion. Bei Temperaturen von minus 20 Grad und kälter sind Millionen Menschen im Land ohne Strom, Heizung und warmes Wasser. Russland, so Pistorius, greife systematisch die Energieinfrastruktur der Ukraine an: „Putin zeigt: Er will keinen Frieden.“ Die Ukraine habe indes klar formuliert, was und wie viel sie für 2026 brauche und die Bereiche Luftverteidigung, Drohnen und weitreichende Artilleriemunition als Schwerpunkte festgelegt. In diesem Zuge brachte Minister Pistorius eine neue Idee ins Spiel, um die Ukraine schnellstmöglich mit Lenkflugkörpern zu unterstützen. Deutschland sei bereit, sofort fünf PAC-3-Abfangraketen abzugeben, wenn die anderen Staaten es schafften, zusammen insgesamt 30 dieser Lenkflugkörper zur Verfügung zu stellen. „Nun liegt es an uns, die erforderliche Unterstützung der Ukraine sicherzustellen. Nur mit unserer Unterstützung kann die Ukraine den Verteidigungskampf aufrechthalten. Das ist ein Kampf, den die Ukraine nicht nur für ihre Freiheit führt, sondern der auch unsere Sicherheit gewährleistet“, so Pistorius.

In Brüssel wurden schließlich neue Unterstützungsleistungen im Gesamtumfang von mehreren 35 Milliarden Euro zugesagt. An dem Treffen nahmen neben den Verteidigungsministerinnen und -ministern der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Mitgliedstaaten und der Ukraine auch NATONorth Atlantic Treaty Organization-Generalsekretär Mark Rutte, die Hohe Vertreterin der EUEuropäische Union für Außen- und Sicherheitspolitik, Kaja Kallas, der Vorsitzende des Militärausschusses der NATONorth Atlantic Treaty Organization, Admiral Giuseppe Cavo Dragone, sowie die Strategischen Kommandeure der Allianz teil.

von Lara Finke

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