Group of Five: Den NATO-Gipfel im Blick
Deutschland, Polen, Großbritannien, Frankreich und Italien stimmen vor dem NATO-Gipfeltreffen ihre verteidigungspolitischen Positionen ab.
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Verteidigungsminister Boris Pistorius hat sich am 26. Oktober 2026 mit seiner französischen Amtskollegin Catherine Vautrin, den Verteidigungsministern Großbritanniens und Italiens, Wes Streeting und Guido Crosetto, sowie dem polnischen Staatssekretär Paweł Zalewski in Paris getroffen. Neben der Ukraine-Unterstützung ging es auch um eine operativere Ausrichtung dieser Group of Five.
Angesichts des anstehenden Kriegswinters in der Ukraine rief Verteidigungsminister Pistorius in Paris zum Handeln auf. Nichts deute darauf hin, dass Putin auch nur entfernt an einem Frieden mit Kiew interessiert sei. Auf dem Gefechtsfeld könne sich die russische Armee weiterhin nicht durchsetzen, weswegen Putin wieder auf einen kalten Winter setzen werde. Mit Angriffen auf ukrainische Großstädte und die zivile Infrastruktur wolle der russische Präsident möglichst viele Ukrainerinnen und Ukrainer treffen – „Frauen, Kinder, Ältere, Menschen, die nichts mit diesem Krieg zu tun haben“, unterstrich Pistorius: „Das ist nichts anderes als blanker Terror.“
Die Partner der Group of Five versicherten der Ukraine in Paris deshalb einmal mehr ihre ungebrochene Unterstützung – der ukrainische Verteidigungsminister Ievheniy Khmara war per Video zugeschaltet. Die Partner unterstrichen, neben ihrem eigenen Engagement alles dafür tun zu wollen, dass auch die USA die Ukraine weiterhin mit nachrichtendienstlichen Informationen und Satellitendaten unterstützen. Darüber hinaus, so Minister Pistorius, arbeiteten die Mitgliedstaaten gemeinsam mit der Ukraine an der Entwicklung eines Luftverteidigungssystems: Freyja soll das Land zusätzlich zum US-System Patriot und anderen Systemen vor Angriffen aus der Luft schützen solle.
Die Bundeswehr wird sich zudem mit zehn Stabsoffizierinnen und -offizieren, zwei Transportflugzeugen A400M zur Luftbetankung sowie Logistik an der Übung Koalicja 2026 beteiligen. Deutschland gilt als Drehscheibe für Truppenverlegungen nach Osten. Die Übung unter dem Dach der Coalition of the Willing findet im November 2026 in Polen, über Rumänien und im westlichen Schwarzen Meer statt.
Mit der Übung sollen erstmals die Verlegung von Kräften der Mulitnational-Force-Ukraine (MNF-U) im Volltruppenansatz sowie deren Bereitstellung unter gemeinsamer, multinationaler Führung für mögliche Sicherheitsgarantien geübt werden. Die MNF-U ist Bestandteil der multilateralen Sicherheitsgarantien für die Ukraine und soll – nach einem Waffenstillstand – bei der Regeneration der ukrainischen Streitkräfte, der Sicherung des ukrainischen Luftraums und der Gewährleistung sichererer Meere helfen.
Der russische Präsident, darin waren sich die Partner der Group of Five ebenfalls einig, belasse es nicht bei seinen Aggressionen gegen die Ukraine. „Auch die hybriden Angriffe Russlands auf uns Europäer nehmen zu – und zwar massiv“, warnte Pistorius in Paris. Angesichts der kritischen Sicherheitslage in Europa ging es daher auch um die Stärkung der Handlungsfähigkeit Europas innerhalb von NATO und EU. Dazu unterstrich Pistorius: Die Group of Five sei vor rund zwei Jahren gestartet, um sich zu allen wichtigen Themen abzustimmen. Künftig werde man nun noch enger, gezielter und strukturierter vorgehen.
Wir werden die Group of Five noch besser aufstellen. Wir werden sie operationeller ausrichten.
Das Kernformat, das Ministertreffen, werde dafür künftig um „Policy and Planning Talks“ ergänzt – Gespräche auf Ebene der Stellvertretenden Generalstabschefs und Politischen Direktoren. Die Gespräche sollen noch 2026 in Berlin beginnen und ganz konkrete Impulse geben sowie weitere Projekte und Initiativen anstoßen.
Auch einigten sich die Partner in Paris darauf, innovative Rüstungsprojekte künftig noch stärker zu forcieren. Konkret heißt das, nicht mehr darauf zu warten, dass die Industrie Großkampfsysteme in Hochglanzbroschüren anbietet, sondern stattdessen Innovationen und Versuche einzufordern.
Ein positives Beispiel hierfür ist die von den fünf Partnern ins Leben gerufene LEAP-Initiative zur schnellen Entwicklung kostengünstiger und autonomer Drohnenabwehrsysteme. Statt langwieriger Entwicklungszyklen stellt LEAP, inspiriert von den Innovationen der Ukraine auf dem Gefechtsfeld, Geschwindigkeit und Anpassungsfähigkeit in den Vordergrund. Das Innovationszentrum der Bundeswehr in Erding koordiniert dabei den deutschen Anteil.
An dem jüngsten Treffen der Group of Five nahmen in der französischen Hauptstadt auch die Hohe Vertreterin der EU, Kaja Kallas, EU-Verteidigungskommissar Andrius Kubilius und die Stellvertreterin des NATO-Generalsekretärs, Radmila Shekerinska, teil. Das sendet eine eindeutige Botschaft: Die Group of Five steht für ein Europa, das zusammenhält – in der NATO, in der EU, und transatlantisch verbunden mit den USA.
Die regelmäßigen Treffen dienen der engen Abstimmung der großen europäischen Partner Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Polen. Langfristiges Ziel ist es, Europa zum entschlossenen politischen und militärischen Handeln zu befähigen. Zuletzt hatte die Group of Five am 4. Juni 2026 virtuell getagt.
von Lara Finke