Europäische Rüstungskooperation: Die Rolle der OCCAR
Die OCCAR steuert multinationale Beschaffungs- und Entwicklungsprogramme über deren gesamten Lebenszyklus hinweg.
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Verteidigungsminister Boris Pistorius hat seinen portugiesischen Amtskollegen Nuno Melo am 4. November 2026 zu dessen Antrittsbesuch im Berliner Bendlerblock empfangen. In ihrem Arbeitsgespräch ging es vor allem um die Vertiefung von Rüstungskooperationen. „Jetzt werden wir darangehen, weitere konkrete Projekte umzusetzen“, so Minister Pistorius.
Angesichts der veränderten Sicherheitslage in Europa wollen die beiden Nationen ihre Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich substanziell ausbauen. Als politischen Rahmen dafür haben Pistorius und Melo in Berlin eine gemeinsame Absichtserklärung gezeichnet. Das Dokument unterstreicht den Willen beider Länder, noch enger zusammenzuarbeiten – sowohl bilateral als auch multinational, innerhalb der EU, der NATO oder der Vereinten Nationen. Damit tragen Deutschland und Portugal auch zu einem stärkeren Europa in einer stärkeren NATO bei.
Wir werden noch enger bei der Beschaffung und Entwicklung von Rüstgütern zusammenarbeiten. Darüber hinaus werden wir an einem gemeinsamen Lagebild arbeiten für die Marine aber auch für den Weltraum.
Die langjährigen verteidigungspolitischen Beziehungen zwischen Deutschland und Portugal basieren nicht zuletzt auf der vertrauensvollen und produktiven Zusammenarbeit zwischen den Streitkräften beider Länder. So schützen die deutsche und die portugiesische Luftwaffe regelmäßig gemeinsam den baltischen Luftraum, kooperieren bei der Ausbildung ihrer Hubschrauberbesatzungen und Minentaucher.
Bei der Übung REPMUS vor Portugal hat sich die Deutsche Marine im September 2026 mit Kräften des Marinefliegergeschwaders 5, des 3. Minensuchgeschwaders sowie dem Messboot FGS Stollergrund beteiligt und damit das größte nationale Kontingent gestellt.
Diese Basis wollen Deutschland und Portugal nun weiter ausbauen und vertiefen. Gerade der Bereich Weltraum biete viel Potenzial, die Zusammenarbeit operativ zu stärken – beispielsweise durch den von Portugal geplanten Aufbau eines äquatornahen Weltraumbahnhofs auf den Azoren, betonte Pistorius in Berlin: „Wir prüfen, wie wir dort zusammenarbeiten und die europäische Weltrauminfrastruktur gemeinsam stärken können.“ Deutschland habe großes Interesse an dieser Kooperation, gerade auch an dem Standort, unterstrich der Minister. Deutschland will in den kommenden Jahren 35 Milliarden Euro in den Weltraum investieren – in Daten- und Satellitenkommunikation. Dafür braucht es unter anderem Startkapazitäten.
Und auch in Sachen Rüstung gebe es diverse Anknüpfungspunkte. „Viele in den portugiesischen Streitkräften genutzte Waffensysteme stammen aus deutscher Produktion – Kampfpanzer, Fregatten, U-Boote.“ Portugals Beitritt zur Kooperation beim Radpanzer GTK Boxer über die Organisation für Rüstungszusammenarbeit OCCAR oder auch die European Sky Shield Initiative (ESSI) im Bereich Luftverteidigung böten eine gute Basis für eine noch engere Zusammenarbeit.
Wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Abschreckung und Verteidigung in Europa, auch darüber waren sich Pistorius und Melo einig, ist eine freie Ukraine. Die Unterstützung des angegriffenen Landes bleibt daher für beide Länder essenziell. „Wir ziehen zusammen am selben Strang, wenn es um die Ukraine-Unterstützung geht“, betonte Pistorius. Der Minister dankte seinem portugiesischen Amtskollegen an dieser Stelle für das Engagement seines Landes: „Obwohl ihr mitten im Aufwuchs eurer Streitkräfte seid, habt ihr wertvolle Leopard 2-Kampfpanzer und viele andere Systeme abgegeben.“ Deutschland und Portugal arbeiten außerdem bei der Ausbildungsmission EUMAM UA zum Training ukrainischer Soldaten und Soldatinnen sehr erfolgreich und beständig zusammen. „Wenn wir die Ukraine unterstützen, dann bedeutet das, dass wir uns damit jeden Tag auch für Demokratie und Freiheit einsetzen – und für den Schutz unserer Grenzen“, unterstrich Portugals Verteidigungsminister Melo.
Deutschland, betonte Melo zum Ende seines Besuchs, sei ein strategischer Partner für Portugal und ein sehr wichtiger Bündnispartner, mit dem man Werte und Prinzipien teile.
von Lara Finke