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Bundeswehr/Christian VierfußBerlin Peace Dialogue 2025: Hybriden Bedrohungen widerstandsfähig begegnen
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Während Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine bald vier Jahre andauert, sieht sich Europa vermehrt hybriden Angriffen ausgesetzt: Desinformationskampagnen, Sabotageakten, Cyberattacken. Sie untergraben das Vertrauen in Demokratie und Rechtsstaat. Der Berlin Peace Dialogue widmete sich 2025 der Frage, wie dagegen Widerstandsfähigkeit aufgebaut werden kann.
Sie destabilisieren den gesellschaftlichen Zusammenhalt, erschweren internationale Konfliktlösungen und beeinträchtigen die Fähigkeit zur zivilen Krisenprävention. Mehr denn je wird angesichts hybrider Bedrohungen deutlich: Sicherheit geht jeden an. Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Zivilgesellschaft und Militär müssen neue Wege gehen und gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Zwischen Krieg und Frieden: Europa unter hybridem Beschuss
Einmal im Jahr bringt der Beirat der Bundesregierung Zivile Krisenprävention und Friedensförderung beim Berlin Peace Dialogue zentrale Akteure aus dem Bereich der Krisenprävention zusammen. Dieses Jahr lautete der Titel der Konferenz: „Hybride Bedrohungen und Zivile Krisenprävention: Widerstandsfähigkeit aufbauen in einer fragmentierten Welt“ – Darüber diskutierten am 9. Oktober 2025 internationale Expertinnen und Experten aus Politik, Diplomatie, Militär, Wissenschaft und Zivilgesellschaft im Berliner Bendlerblock. Stellvertretend für den Verteidigungsminister begrüßte Staatssekretär Nils Schmid die Teilnehmenden und eröffnete die Konferenz mit einer Rede zum Zusammenhang von ziviler und militärischer Krisenprävention.
Das breite Spektrum hybrider Methoden erfordert die Zusammenarbeit aller Beteiligten sowie den koordinierten und intelligenten Einsatz unseres umfassenden zivil-militärischen Instrumentenkastens.
Der Krieg sei zurück in Europa, sagte Schmid zu Beginn seiner Rede. Polen, Estland, Dänemark, Norwegen, München – für ihn sähen die vermuteten Luftraumverletzungen und Drohnenüberflüge der letzten Zeit aus wie Paradebeispiele der hybriden Kriegsführung. Gleichzeitig mit dem Eindringen russischer Drohnen in den polnischen Luftraum vor einem Monat habe eine Desinformationskampagne auf Social Media begonnen, die diese Attacken der Ukraine zuschreiben wollte. In einem anderen Fall habe Russland durch die vorsätzliche Verletzung des estnischen Luftraums mit drei russischen Kampfjets versucht, den Zusammenhalt und die Entschlossenheit nicht nur der estnischen Regierung und Bevölkerung, sondern der gesamten NATONorth Atlantic Treaty Organization auf die Probe zu stellen, unterstrich Schmid.
Doch nicht nur Russland bedrohe die regelbasierte internationale Ordnung – auch der Iran, Nordkorea und China griffen auf ein vielfältiges Repertoire hybrider Methoden zurück, so Staatssekretär Schmid weiter. „Europa erlebt fast täglich solche systematischen Angriffe in der Grauzone zwischen Krieg und Frieden. Wir erleben Angriffe auf kritische Infrastrukturen, darunter Unterwasserkabel in der Ostsee, Cyberangriffe, geplante Sabotageakte am Eisenbahnnetz und Drohnenspionage.“ Wer solche Übertretungen einfach ignoriere, riskiere eine Spaltung der Gesellschaften, eine Zersplitterung Europas und die Schaffung eines Nährbodens für neue Krisen und Konflikte. Schmid rief deshalb dazu auf, diese Vorfälle ernst zu nehmen: „Wir müssen jeder Provokation widerstehen, die zu einer weiteren Eskalation führen könnte.“
Widerstandsfähig in einer fragmentierten Welt
Auch in anderen Teilen der Welt, beispielsweise im Globalen Süden, provozierten Staaten wie Russland und China Spannungen zwischen dem Westen und einzelnen Staaten, was zu einer Entfremdung der Menschen vor Ort vom Westen führe. Staatssekretär Schmid hob in diesem Kontext hervor: „Enge Bindungen zur lokalen Bevölkerung schaffen Vertrauen und stärken die Widerstandsfähigkeit.“ Zivile Krisenprävention könne dazu beitragen, hybride Bedrohungen frühzeitig zu erkennen und aufzudecken. Um Widerstandsfähigkeit aufzubauen, sei es daher unerlässlich, zivile Krisenprävention von Anfang an konsequent in die außen-, sicherheits- und entwicklungspolitischen Agenden der Bundesregierung zu integrieren und gemeinsam Maßnahmen zur Stärkung der gesellschaftlichen Resilienz auf nationaler und internationaler Ebene sowie im Rahmen der EUEuropäische Union und der NATONorth Atlantic Treaty Organization zu entwickeln, betonte Schmid.
Die Teilnehmenden beschäftigten sich anschließend in verschiedenen Panels und Workshops mit der Frage, wie hybriden Bedrohungen künftig in der zivilen Krisenprävention begegnet werden kann und wie sich militärisches und ziviles Krisenmanagement ergänzen können. Auch ging es um konkrete Maßnahmen zur Resilienzsteigerung und die Rolle von Industrie, Technologieunternehmen oder des zukünftigen Nationalen Sicherheitsrats. Neben Staatssekretär Schmid sprachen unter anderem Levinia Addae-Mensah, Geschäftsführerin beim West Africa Network for Peacebuilding (WANEPWest Africa Network for Peacebuilding) und Peter Neumann, Professor für Security Studies am King‘s College in London.
| Beirat Zivile Krisenprävention und Friedensförderung |
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| Der Beirat der Bundesregierung Zivile Krisenprävention und Friedensförderung bündelt zivilgesellschaftliche und wissenschaftliche Expertise zur Krisenprävention und Friedensförderung und berät die Arbeit der Bundesregierung. Die zwanzig Mitglieder des Beirats kommen aus den Bereichen der internationalen Zusammenarbeit, Wissenschaft, Polizei, Militär, Stiftungen und Nichtregierungsorganisationen und sind auf vier Jahre berufen. Im Jahr 2025 feiert der Beirat sein 20-jähriges Bestehen. |
von Lara Finke