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Bundeswehr/Andrea BienertAus dem „U-Boot“ dringt nichts nach draußen
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Das „U-Boot“ im Berliner Bendlerblock ist ein ganz besonderer Ort. Dort finden nationale und internationale Konferenzen zu sensiblen Themen statt sowie auch Kabinettssitzungen der Bundes- oder Landesregierungen. Die Geschichte des abhörgeschützten Tagungsraums im Verteidigungsministerium reicht bis in die Zeit des Kalten Krieges zurück.
Hinter dieser Tür verbirgt sich der abhörgeschützte Tagungsraum „U-Boot“ im Bundesministerium der Verteidigung in Berlin. Er ist das Pedant zu einem anderen abhörsicheren Raum auf der Bonner Hardthöhe.
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BMVgBundesministerium der Verteidigung/Steve EibeDer abhörgeschützte Tagungsraum heißt „U-Boot“, weil seine Inbetriebnahme Töne verursacht, die an die Geräuschkulisse an Bord eines Unterseebootes erinnern.
Der gesicherte Konferenzraum im Berliner Bendlerblock ist gerade in Krisenzeiten extrem gefragt. Nicht nur die Leitung des Verteidigungsressorts führt im „U-Boot“ besonders sensible Besprechungen durch. Die Auslastung ist konstant hoch. Konferenzen auf nationaler und internationaler Ebene zu wichtigen Themen mit Geheimhaltungsstufe finden regelmäßig statt. Auch die gesicherte Kommunikation per Videochat ist möglich.
Kabinettsitzungen von Bund und Ländern
Während der Corona-Pandemie fanden dort auch Treffen anderer Ministerien der Bundesregierung statt – sofern der im BMVgBundesministerium der Verteidigung stark frequentierte Konferenzraum überhaupt verfügbar war.
Am 27. August 2025 tagte im Berliner Bendlerblock nach fast 20 Jahren wieder das Bundeskabinett unter Bundeskanzler Friedrich Merz. Davor war dort Ende 2006 das Kabinett der damaligen Regierungschefin Angela Merkel zusammengekommen. Neben der Bundesebene traten im „U-Boot“ auch Länderkabinette zusammen, so beispielsweise am 17. März 2026 der Berliner Senat.
Pendant auf der Bonner Hardthöhe
Das Pendant zum „U-Boot“ im Bendlerblock befindet sich auf der Bonner Hardthöhe, dem anderen Dienstsitz des Bundesministeriums der Verteidigung. Vor dem Umzug großer Teile der Bundesregierung Ende der 1990-er-Jahre nach Berlin war der abhörgeschützte Konferenzraum in der alten Bundeshauptstadt ebenfalls ein regelmäßig genutzter Ort für Sitzungen des Bundeskabinetts.
In Bonn war dieser Tagungsort einst 1966 fertiggestellt und seiner Bestimmung übergeben worden. Für die Planung und Umsetzung war das Lagezentrum Bundeswehr verantwortlich, das zuvor anlässlich der Kuba-Krise aufgestellt worden war.
Schutz vor Spionage im Kalten Krieg
In den folgenden Jahrzehnten standen die Beratungen zu verschiedenen Konflikten und Krisen in dem abhörgeschützten Konferenzraum des Verteidigungsministeriums im Mittelpunkt. So etwa in den 1960er-Jahren der Vietnamkrieg oder während des Kalten Krieges die Krise in der damaligen Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik (ČSSR). Auch die Reaktionen der Warschauer Pakt-Staaten auf den NATONorth Atlantic Treaty Organization-Doppelbeschluss, den der frühere Verteidigungsminister und spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt initiiert hatte, wurden im „U-Boot“ abhörgeschützt analysiert und diskutiert.
Nach der Auflösung des Warschauer Pakts fanden Krisensitzungen und Konferenzen zu weiteren sicherheitsrelevanten Ereignissen statt, beispielsweise während des Irak-Krieges, der Operation Desert Storm, oder des Konflikts im Kosovo. Nach der Wiedervereinigung wurde 1990 im Besprechungsraum das Lagezentrum Deutsche Einheit eingerichtet, von dem aus die ersten Schritte zur Bestandsaufnahme und Integration der Nationalen Volksarmee (NVA) zur Armee der Einheit eingeleitet wurden.
Von damals bis heute – das „U-Boot“ im BMVgBundesministerium der Verteidigung hat nichts von seiner hohen Bedeutung für die Sicherheit eingebüßt.
von Ursula Matthes und Jörg Fleischer