©
imago stock&peopleHaushaltsausschuss bewilligt insgesamt fünf Beschaffungsgroßprojekte
- Veröffentlichungsdatum
Ergänzend zu den beiden Rahmenvereinbarungen zur Beschaffung von sogenannten Loitering Munition Systems (LMS) vom 25. Februar 2026 wurde heute eine dritte Rahmenvereinbarung durch den Haushaltsausschuss des Bundestages bewilligt.
Die Bundeswehr erhält damit fest beauftragt weitere LMS eines dritten Herstellers und die Option, bei erfolgreicher Qualifizierung, weitere Systeme abzurufen. Wie bei den anderen beiden Verträgen gibt es klar definierte Qualifizierungsanforderungen, Abbruchmeilensteine sowie Innovationsklauseln.
Damit wird der neue Beschaffungsweg nun auch mit einem dritten Anbieter konsequent fortgeführt: Qualifizierung, Produktanpassungen, erste Truppentests und Ausbildungsmaßnahmen finden parallel bzw. iterativ statt, um Zeit zu sparen und die neue, wichtige Fähigkeit schnell in die Truppe einzuführen.
Alle drei Hersteller unterliegen dabei einer Gleichbehandlung:
Die Verträge teilen sich in einen festbeauftragten Anteil und optionale Abrufleistungen auf. Das heißt, in einem ersten Schritt wird eine feste Anzahl an LMS bestellt. Wenn das Produkt den festgelegten Qualifikationsnachweis und damit den Bedarf der Streitkräfte erfüllt, können über den Rahmenvertrag weitere LMS abgerufen werden. Es besteht jedoch keine Verpflichtung zur Abnahme der optionalen Rahmenvertragsmenge.
Maßstab für alle Hersteller war dabei, dass die erforderliche Reife und Qualität der Produkte in firmeninternen sowie bundeswehreigenen Qualifizierungs- und Testverfahren nachgewiesen wurde (Proof of Concept). Das verbleibende Restrisiko wird durch die vertragliche Vereinbarung von Abbruchmeilensteinen abgesichert. Der Vertrag räumt dem Auftraggeber damit ein einseitiges Rücktrittsrecht ein, falls die erforderlichen Qualifikationsnachweise nicht erreicht werden. Innovationsklauseln stellen zudem eine kontinuierliche technologische Weiterentwicklung bzw. Anpassung des LMS sicher.
Die parallele Beauftragung von drei Herstellern verfolgt mehrere Ziele: Es wird Vorsorge getroffen für den Fall, dass einzelne Hersteller die Serienreife nicht erreichen. Es werden Systeme mit unterschiedlichen Fähigkeiten beschafft, was den Handlungsspielraum unserer Kommandeure erweitert und unsere Flexibilität und Durchsetzungsfähigkeit gegenüber Maßnahmen eines möglichen Gegners erhöhen. Zugleich stärken wir im Sinne der Souveränität auch die nationale industrielle Basis, um im Segment der LMS die Bedarfe der Bundeswehr und der Partnernationen quantitativ, qualitativ, innovativ und damit zukunftsfähig decken zu können.
Die heutige Entscheidung des Haushaltsausschusses ist ein weiterer Schritt, die in Litauen stationierte Panzerbrigade 45 planmäßig im Jahr 2027 mit einem breit aufgestellten Aufklärungs- und Wirkverbund, einschließlich LMS auszustatten. Die zeitgerechte Ausstattung der Panzerbrigade mit ausreichenden Stückzahlen wird dabei über die Gesamtheit aller Verträge sichergestellt.
Neben diesem Vorhaben hat der Haushaltsausschuss zudem die vier folgenden 25-Millionen-Euro-Vorlagen gebilligt:
- Infanterist der Zukunft – Erweitertes System: Herstellung, Lieferung und Hochrüstung weiterer Systeme im Konstruktionsstand VJTF+ sowie Fähigkeitserweiterung (u.a. Helmdisplay, Drohnenwarner).
- Unbemanntes Luftfahrzeugsystem LARUS: Beschaffung weiterer Einheiten für die Aufklärung im optischen, optronischen und elektromagnetischen Spektrum.
- Anpassungen der Fregatten Klasse F124: Anpassungen der Hangars und Landedecks für Bordhubschrauber NH-90 SEA TIGER sowie Softwarepflege und Hardware-Regeneration im Führungs- und Waffeneinsatzsystem (zwei Vorlagen).
Hintergrund Loitering Munition Systems (LMS):
Loitering Munition bedeutet auf Deutsch so viel wie „abwartende Munition“. Sie kann lange in der Luft kreisen, bevor sie ein Ziel bekämpft. Über bordeigene Sensoren und eine KI-gestützte Datenauswertung können die Systeme selbstständig Ziele am Boden erkennen und dem Bedienenden anzeigen. Nach einer entsprechenden Freigabe kann der Flugkörper samt Sprengladung das Ziel mit hoher Präzision bekämpfen. Die Kontrolle über die Bekämpfung behält dabei immer der Mensch. Aufgrund der räumlichen Distanz minimiert der Einsatz von LMS das Risiko für unsere Soldatinnen und Soldaten.