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imago stock&peopleDigitalisierung der Landstreitkräfte schreitet voran
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Beim Rüstungsprojekt D-LBO verzeichnen wir in allen drei großen Handlungssträngen Fortschritte. Das komplexe Gesamtsystem entwickelt sich weiter und entfaltet schrittweise seine Leistungsfähigkeit. Die Anpassungen seit Dezember letzten Jahres zeigen Wirkung, weiterhin sind aber Optimierungen auch im Zusammenspiel der Komponenten notwendig.
Die Integration in die Fahrzeuge schreitet voran, es sind aber Verzögerungen gegenüber dem Einrüst-Fahrplan aufzuholen. Für die Übergangszeit, bis alle Fahrzeuge mit D-LBO ausgerüstet sind, wurden Lösungen für einen digitalen und verschlüsselten Mischbetrieb gefunden. Damit werden wir bis zur flächendeckenden Einführung von D-LBO die Einsatzbereitschaft der Landstreitkräfte sicherstellen. Industrieseitig wird weiterhin die zeitgerechte Ausstattung der Division 2025 bis Ende 2027 zugesagt.
Erfolgreiche Systemtests in Munster
Die letzten Testreihen in Munster zeigen zufriedenstellende Entwicklungen von D-LBO basic zu einem funktionsfähigen Gesamtsystem aus Führungsfunkgerät, Tactical Core und Battle Management System. Die Kriterien des Heeres wurden in den Tests größtenteils erfüllt. Das eigene Lagebild wird zuverlässig dargestellt, die Sprachqualität ist gut, abbruchfrei und störsicher. Auch bei der Reichweite gibt es Fortschritte.
Nichtsdestotrotz sind weitere Optimierungen im Zusammenspiel aller Komponenten zu bewerkstelligen. Diese Herausforderungen - bei einer der komplexesten Umrüstungen in der Geschichte der Bundeswehr - werden von der Industrie gemeinsam mit Truppe, Beschaffungsamt und BMVg eng koordiniert und gemeinsam Schritt für Schritt zu bewältigen sein. Dafür werden über das Jahr hinweg weiter zahlreiche Erprobungen und Evaluierungen stattfinden.
Integration in die Fahrzeuge schreitet voran
Über Musterintegrationen gewinnen wir jeweils pro Fahrzeugtyp die Blaupause für die Serieneinrüstung der komplexen Technik. Die Musterintegrationen liegen größtenteils im Plan, sind aber noch nicht über alle Fahrzeugtypen abgeschlossen. Jetzt geht es darum, die noch fehlenden Musterintegrationen für die anstehenden Serienintegrationen abzuschließen.
Bei der Serienintegration konnten wir bereits über 700 Plattformen erfolgreich auf D-LBO basic umrüsten. Wir haben die Anzahl der Standorte zur Umrüstung von zwei auf mittlerweile sieben erhöht, hinzu kommen Umrüstungen bei Industriepartnern. Wir liegen bei den Serienintegrationen aber noch hinter den selbst gesteckten Zielen. Neben extremer Kälte am Anfang des Jahres liegen die Ursachen sowohl auf der Seite der Industrie, zum Teil aber auch bei der Bundeswehr. Dagegen haben wir Maßnahmen eingeleitet. Unser Anspruch ist, diese Verzögerungen zügig aufzuholen.
Mischbetrieb: voll-digitalisierte Einsatzbereitschaft auch in der Übergangszeit
Der Mischbetrieb hat für die Ausstattung der Landstreitkräfte mit D-LBO eine herausgehobene Bedeutung, da die Umrüstung der mehr als zehntausend Plattformen in einem Schritt nicht möglich ist. Es gibt Fahrzeuge, die bereits umgerüstet sind, Fahrzeuge, deren Umrüstung noch folgt und Fahrzeuge, die nicht mehr umgerüstet werden, z.B. aufgrund geringer Stückzahlen oder wegen baldigem Nutzungsende. Die Landstreitkräfte müssen aber im Verbund führungsfähig und einsatzbereit sein und vernetzt miteinander funken sowie Daten austauschen können.
Mischbetrieb stellt also die digitale und verschlüsselte Anbindung aller betroffenen Plattformen eines Verbandes an D-LBO sicher.
Dafür haben Industrie und Bundeswehr gemeinsam verschiedene Lösungen mit digitalen Handfunkgeräten entwickelt, die sich mit überschaubarem Zeitaufwand und ohne aufwändige Integration durch die Truppe einrüsten lassen. Die Testergebnisse zeigen im Vergleich zur analogen Welt bereits einen deutlichen Fortschritt: geschützte Kommunikation, digitale Sprach- und Datenübertragung, erschwerte Aufklärung durch potentielle Gegner. Die Handfunkgeräte werden nach dem Mischbetrieb als weitere Handfunkgeräte für die aufwachsende Truppe genutzt.
Mit diesem Mischbetrieb können wir auch während der D-LBO-Umrüstung weiter einsatzbereite Großverbände sicherstellen. Die Panzergrenadierbrigade 37 soll der NATO ab Beginn des Jahres 2027 als Forward Land Force Brigade digitalisiert zur Verfügung stehen. Unsere Soldatinnen und Soldaten müssen hierfür unter Einsatzbedingungen sicher fahren, funken und schießen können. Dafür ist der Mischbetrieb die Zwischenlösung, die wir mit Hochdruck umsetzen.
Änderungsvertrag für Ausstattung der Neuplattformen und für den Mischbetrieb
Mit der Gesamtkonzeption Militärische Verteidigung und dem Aufwuchsplan der Bundeswehr wurden im April die Leitlinien für den Aufwuchs der Bundeswehr vorgestellt. In den kommenden Jahren werden wir viele neue Fähigkeiten integrieren bzw. vorhandene Fähigkeiten ausbauen. Dies bedeutet, dass etwa die Fahrzeugflotten der Gefechtsfahrzeuge und auch der Logistik stark anwachsen werden, bei manchen Typen im vierstelligen Bereich. Diese Neuplattformen müssen alle in das neue digitale Funk- und Führungssystem integriert und darüber hinaus auch die anwachsende Truppe mit neuen digitalen Handfunkgeräten ausgerüstet werden.
Vorbehaltlich der parlamentarischen Befassung werden wir für die Ausstattung neuer Plattformen weitere Fahrzeugfunkgeräte und zusätzliche Handfunkgeräte beschaffen.
Der weitere Abruf aus dem Rahmenvertrag wird voraussichtlich im Juni dem Parlament zur Billigung vorgelegt. Die notwendigen Produkte können über den Rahmenvertrag zeitgerecht bezogen werden, da die Beschaffungsprozesse bereits bestehen und eingespielt sind. Dies sind Investitionen in die Zukunft unserer Landstreitkräfte und den Aufwuchs der Bundeswehr. Digitale und geschützte Führungsfähigkeit sind für die Überlegenheit im Gefecht und die Interoperabilität im Bündnis unerlässlich. Daher müssen wir auch die wachsende Truppe und neue Landsysteme nach dem D-LBO-Standard ausstatten.
Der Änderungsvertrag soll außerdem zusätzliche Handfunkgeräte für den digitalen Mischbetrieb beinhalten, welche nach der Nutzung im Mischbetrieb und nach Ausstattung der Fahrzeuge mit dem Gesamtsystem D-LBO als zusätzliche Handfunkgeräte für die aufwachsende Truppe weiter genutzt werden.
Der Änderungsvertrag hat ein geplantes Volumen von rund 2,4 Milliarden Euro, wobei gut zwei Milliarden Euro auf die Ausstattung neuer Plattformen entfallen. Diese Investitionen reflektieren den zukünftigen personellen und materiellen Aufwuchs der Streitkräfte und sind ausdrücklich keine Mehrkosten für das Rüstungsprogramm D-LBO, für welches ein Gesamtvolumen von rund 11,5 Milliarden Euro veranschlagt ist.
Es gilt weiterhin:
Die analoge Welt hat keine Zukunft. Es geht bei D-LBO nicht nur um ein Funkgerät. Es geht um ein durchgängiges, verschlüsseltes, digitales Führungs- und Informationssystem für Landstreitkräfte. Dieses verbindet den einzelnen Soldaten, Fahrzeuge und höhere Führungsebenen in Echtzeit, mit Sprechfunk aber auch mit Führungs-, Lage- und Aufklärungsinformationen. Ziel ist eine sichere, interoperable und robuste IT-Infrastruktur, die die Landstreitkräfte in die Lage versetzt, auch in der Auseinandersetzung mit einem Gegner auf hohem technologischem Niveau erfolgreich bestehen zu können und die mit unseren Partnern im NATO-Rahmen kompatibel ist.
Die Digitalisierung der Landstreitkräfte endet nicht mit der aktuellen Einrüstung D-LBO für die Division 2025 bis Ende 2027. Das System wird entsprechend dem Paradigma „Software Defined Defence“ stetig fortentwickelt werden.