Wie über große Bundeswehr-Projekte entschieden wird
Hinter aufwendigen Beschaffungen steht ein abgestimmter Prozess aus Prüfung, Abstimmung und parlamentarischer Entscheidung plus Kontrolle.
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Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags hat am 4. November 2026 sechs weitere Beschaffungsvorhaben für die Bundeswehr bewilligt – darunter tragbare Troposcatter sowie Flugkörper für die Drohne German Heron TP. Alle sechs Vorhaben werden über den Verteidigungshaushalt finanziert.
Grünes Licht gab es für die Ergänzungsbeschaffung der Bewaffnung des unbemannten Luftfahrzeugsystems German Heron TP. Ursprünglich vor allem für Einsätze im Rahmen internationaler Konfliktverhütung und Krisenbewältigung vorgesehen, ist es inzwischen auf den Kernauftrag der Bundeswehr, die Landes- und Bündnisverteidigung, ausgerichtet. German Heron TP leistet einen wesentlichen Beitrag zum Fähigkeitsprofil der Bundeswehr. Die Drohne hat eine Spannweite von 26 Metern, eine Nutzlast von 1,6 Tonnen und kann bis zu 27 Stunden ununterbrochen in der Luft bleiben. So unterstützt German Heron TP glaubwürdig die Abschreckung und Verteidigung im Bündnis, kann aber auch für Aufgaben beim internationalen Krisenmanagement eingesetzt werden.
Der Haushaltsausschuss des Deutsche Bundestages stimmte zudem der Beschaffung von tragbaren Troposcatter-Systemen zu. Troposcatter – auch Troposphärenfunk genannt – ist eine Form des Überhorizont-Richtfunks, bei der die ausgestrahlten Funkwellen an der Troposphäre zurückgestreut werden. Hierdurch ist – im Gegensatz zum klassischen Richtfunk – eine Datenübertragung auch ohne Sichtverbindung möglich.
Die Beschaffung stärkt die Resilienz des Gesamtsystems Taktisches Wide Area Network (TaWAN) und stellt unter erschwerten Einsatzbedingungen, beispielsweise in schwierigem Gelände, eine durchgängige Führungsfähigkeit sicher, wodurch Einsatzbereitschaft und Kriegstüchtigkeit der Landstreitkräfte insgesamt gestärkt werden. Das Projekt Taktisches Wide Area Network Landbasierte Operationen (TaWAN LBO) stellt die Vernetzung von verlegefähigen und mobilen Einrichtungen sicher und dient gleichzeitig der Anbindung des Netzverbundes Digitalisierung Landbasierte Operationen (D-LBO). Es hat eine herausgehobene Bedeutung für den durchgängigen Informations- und Kommunikationsverbund Land.
Die Bundeswehr darf außerdem die Einrüstung verbesserter Komponenten (Radarprozessor und Stromversorgung) für das deutsch-spanische E-Scan-Radar des Typs Mk1 in die Eurofighter Tranche 4 („Quadriga“) beauftragen. Damit werden die Kampfflugzeuge der Tranche 4 über den dann modernsten hardwareseitigen Bauzustand des gemeinsam mit Spanien entwickelten E-Scan-Radars verfügen. Diese Radarkomponenten liefern eine deutlich verbesserte Rechenleistung, die zusammen mit der Antenne und dem Multikanalempfänger zukünftig die Radarleistung in allen Bereichen deutlich erhöht. Die Änderung des viernationalen Produktionsvertrages betrifft nur die Produktionsprogramme von Deutschland und Spanien, nicht die Programme Italiens und Großbritanniens.
Grünes Licht gab es auch für die Beschaffung von Bildverstärker-Zielfernrohr-Vorsätzen für Handwaffen mittlerer Reichweite. Konkret handelt es sich um ein Restlichtverstärker-Vorsatzgerät als Clip-on in kompakter Bauweise, mit geringem Gewicht und einer Betriebszeit im Batteriebetrieb von 24 Stunden. Bei Dunkelheit oder Dämmerlicht können die Sturmgewehre G36 und G95 sowie das Maschinengewehr MG4 mit diesen Vorsätzen Personen auf mehrere hundert Meter erkennen. Gleichzeitig können Soldatinnen und Soldaten mit ihnen den Feuerkampf bei eingeschränkter Sicht sowie in der Nacht führen.
Aus einer bestehenden Rahmenvereinbarung dürfen zudem weitere geschützte, hochmobile Sanitätseinrichtungen der Behandlungsebene 2 inklusive der medizinischen Geräteausstattung abgerufen werden. Es handelt sich hierbei um eine Ergänzungsbeschaffung zu den bereits im Vorjahr bestellten Systemen.
Die geschützte, hochmobile Sanitätseinrichtung besteht als Gesamtsystem aus elf ballistisch geschützten Fahrzeugen sowie ballistisch geschützten Multifunktionscontainern. Sie dient der lebensrettenden notfallchirurgischen und intensivmedizinischen Versorgung nach NATO-Standards in unmittelbarer Nähe der mechanisierten Landstreitkräfte im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung. Während des Betriebs verbleiben die Container auf den geländegängigen Fahrzeugen, so dass die Forderung nach Hochmobilität erfüllt werden kann. Diese Fähigkeit hat die Bundeswehr bislang nicht, die Auslieferung der ersten Bestellung wird ab 2027 erfolgen.
Zudem stimmten die Haushälter auch der Beschaffung von Übungspatronen mit Leuchtspur zu. Konkret handelt es sich um die Patrone 30 Millimeter mal 173 DM58 TP-T (Training Practice-Tracer) für die Schützenpanzer Puma und Schakal sowie den Schweren Waffenträger Infanterie. Leuchtspurmunition zeichnet sich dadurch aus, dass der Schütze die Flugbahn des Geschosses verfolgen kann. Bei der Schieß- und Gefechtsausbildung sowie bei Gefechtsübungen der Truppe eingesetzt, ist sie für den Erhalt der Einsatzbereitschaft durch Ausbildung der gepanzerten Kräfte des Heeres essenziell.
von Lara Finke