Combined Space Operations Initiative tagt erstmals in Deutschland
Die CSpO Initiative hat erstmals in Deutschland getagt. Italien, Japan und Norwegen erweitern künftig den Teilnehmerkreis auf zehn Staaten.
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Der Weltraum ist mehr als eine Projektionsfläche für Science-Fiction. Satelliten und satellitengestützte Kommunikation beeinflussen heute das Leben aller Menschen massiv, sind aber auch mögliche Angriffsziele. Deshalb setzen sich die Mitgliedstaaten der Combined Space Operations Initiative (CSpO) seit 2014 für einen freien und sicheren Weltraum ein.
Moderne Gesellschaften sind inzwischen in fast allen Lebensbereichen von ständig verfügbaren weltraumgestützten Diensten abhängig. Käme es etwa beim US-amerikanischen Global Positioning System (GPS) oder künftig bei seinem europäischen Gegenstück Galileo zu nachhaltigen Störungen, würde nicht nur das Navigationsgerät im Auto streiken – auch globale Logistikketten wären gefährdet. Denn durch einen Ausfall des hochpräzisen satellitengestützten Zeitsignals könnten Stromnetze und der digitale Zahlungsverkehr ausfallen.
Auch in der Sicherheitsvorsorge sowie der Krisenfrüherkennung und -bewältigung sind Staaten auf die Nutzung des Weltraumes angewiesen: Bei großflächigen Katastrophen sind Satellitenaufnahmen oft die erste Möglichkeit, sich ein umfassendes Lagebild von den Verwüstungen zu verschaffen und erleichtern so eine zielgerichtete humanitäre Hilfe.
Satellitenkommunikation erlaubt zudem, Kommunikationswege wiederherzustellen, wenn die entsprechende Infrastruktur am Boden zerstört wurde. Auch moderne Streitkräfte stützen sich auf die Nutzung des Weltraumes, um über Satellitenaufklärung, Satellitenkommunikation sowie Navigationsdienste Informationsüberlegenheit, Führungsüberlegenheit und schließlich Wirkungsüberlegenheit zu erreichen. Die gesicherte Verfügbarkeit dieser Fähigkeiten wurde lange als gegeben wahrgenommen. Oft werden dagegen die eigene Abhängigkeit vom Weltraum und die Konsequenzen bei entsprechenden Einschränkungen unterschätzt.
Dabei sind Satelliten im Weltraum zahlreichen natürlichen (Weltraumwetter, Strahlung) und künstlichen (Weltraumschrott) Gefahren sowie gezielten Bedrohungen ausgesetzt. Die Abhängigkeit westlicher Streitkräfte von der Weltraumnutzung wurde längst erkannt und immer mehr Staaten entwickeln Möglichkeiten, diese Nutzung zu stören.
Antisatellitenwaffen, die entweder vom Boden oder aus der Luft verschossen oder aber im Weltraum vorstationiert werden, sind dafür nur ein besonders prägnantes Beispiel. Satelliten sind zudem anfällig für das Blenden durch Laserstrahlen, das Stören ihrer Funkverbindungen im elektromagnetischen Spektrum und direkte Angriffe auf die für ihren Betrieb erforderlichen Bodensegmente. Auch Cyberangriffe sind eine ernste Gefahr.
Der erste Schritt, um die eigene Weltraumnutzung auch unter den genannten Bedrohungen aufrechtzuerhalten, ist die Erstellung eines umfassenden Lagebildes der Dimension Weltraum. Vor zehn Jahren, am 17. September 2014, gründeten die USA deshalb zusammen mit Australien, Großbritannien und Kanada die Combined Space Operations Initiative, kurz CSpO.
Neuseeland folgte bereits 2015 – Deutschland trat der Initiative Ende 2019 und Frankreich Anfang 2020 bei. Die grundlegende Idee besteht damals wie heute darin, dass ein Land die Sicherheit im Weltraum und die seiner eigenen Weltraumsysteme allein nicht gewährleisten kann, sondern hierzu die Zusammenarbeit mit gleichgesinnten und befähigten Partnern nötig ist.
Anlässlich des zehnjährigen Bestehens der CSpO haben die teilnehmenden Staaten die Herausgabe abgestimmter Statements beschlossen, in denen sie ihr gemeinsames Engagement für eine sichere und nachhaltige Weltraumnutzung im Einklang mit internationalen Regeln untermauern.
Erklärtes Ziel der CSpO ist die gemeinsame Verbesserung der Weltraumsicherheit. Vor dem Hintergrund wachsender Herausforderungen in dieser Dimension formulierten die CSpO-Nationen ihre strategischen Leitprinzipien in der 2022 veröffentlichten „CSpO Vision 2031“:
Diese vier Leitprinzipien sollen die gemeinsame Mission der CSpO voranbringen – den Ausbau der Kooperation und Interoperabilität, um Handlungsfreiheit im Weltraum zu erhalten. Ferner geht es darum, Ressourcen gemeinsam effizienter zu nutzen und die eigene Auftragserfüllung abzusichern sowie Resilienzen zu steigern und Konflikten vorzubeugen.
Um diese Zielsetzung weiter voranzubringen, erweiterte sich die CSpO Ende 2023 erneut. Italien, Japan und Norwegen traten der Initiative Anfang Dezember 2023 während des Principals’ Board in Berlin bei.
Um die Prinzipien der CSpO und ihre gemeinsame Mission umzusetzen, befassen sich zwei Arbeitsgruppen im Detail mit aktuellen Fragestellungen und gestalten die Kooperation fortlaufend aus: die Policy and Legal Working Group und die Interoperability Working Group.
Die Policy and Legal Working Group unterstützt vornehmlich politische und rechtliche Aspekte der Initiative, um die in der CSpO-Vision 2031 vereinbarten Ziele zu fördern. Zudem werden Aspekte verantwortlichen Handelns im Weltraum sowie die strategische Kommunikation betrachtet. Dabei wird eng mit den anderen Arbeitsgruppen der Initiative zusammengearbeitet. Die Teilnehmenden stimmen sich mit den zuständigen Ministerien und den wichtigsten nationalen Akteuren ab, um einen gesamtstaatlichen Ansatz zu gewährleisten.
Die Interoperability Working Group arbeitet an der Verbesserung des Informationsaustauschs sowie der Zusammenarbeit zwischen den teilnehmenden Staaten und zeigt weitere Kooperationsmöglichkeiten zum Beispiel in der Fähigkeitsentwicklung auf. Vor diesem Hintergrund ist die Schaffung eines gemeinsamen Verständnisses für Interoperabilität in den Handlungsfeldern Personalentwicklung und Ausbildung, Technologie, Information und Verfahren beziehungsweise Prozesse eine wesentliche Zielsetzung. Dies ermöglicht effiziente und aufeinander abgestimmte Reaktionen in besonderen Situationen im Weltraum oder bei Zwischenfällen.
Deutschland wird sich auch weiterhin aktiv in die CSpO einbringen, um die Weltraumsicherheit im Kreise gleichgesinnter und befähigter Partner voranzubringen. Die nächste Gelegenheit bietet das anstehende CSpO Principals’ Board am 4. und 5. Dezember in Italien, auf dem die Partner drängende Fragen zu den aktuellen Herausforderungen für die Weltraumnutzung diskutieren. Die Bundesrepublik Deutschland wird voraussichtlich mit Vertreterinnen und Vertretern aus BMVg, Kommando Luftwaffe, Kommando CIR und dem Weltraumkommando der Bundeswehr vor Ort sein.
von Redaktion der Bundeswehr