Luftaufnahme des Mehrzweckkampfschiffs 180 auf offener See
© Damen Schelde Naval Shipbuilding
KategorieRüstung

Vertrag zum Bau der MKSMehrzweckkampfschiff 180 unterzeichnet

Der Bau von vier Mehrzweckkampfschiffen 180 (MKSMehrzweckkampfschiff 180) ist sowohl für die Deutsche Marine als auch für den Wirtschafts- und Industriestandort Deutschland von herausgehobener Bedeutung. Nach der Zustimmung des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages zur Finanzierung des neuen Typs am 17. Juni 2020 ist nun der Vertrag zwischen dem Beschaffungsamt der Bundeswehr und der Industrie gezeichnet worden.

Mit der Unterzeichnung des Vertrags am 19. Juni 2020 über vier Mehrzweckkampfschiffe 180 wurde nach einem mehrjährigen, wettbewerblichen Vergabeverfahren ein großer Meilenstein erreicht. Das MKSMehrzweckkampfschiff 180 wird in Kooperation zwischen der niederländischen Damen Shipyards Group, der Thales Group und der Lürssen-Werft unter Einbindung der German Naval Yards gebaut. Der Bau der Schiffe wird 2023 nach einer rund dreijährigen Konstruktionsphase beginnen. Nach weiteren vier Jahren erfolgt die Auslieferung des ersten Schiffes. Die drei Folgeschiffe sollen bis Anfang der nächsten Dekade der Marine übergeben werden. Die Bundeswehr hat sich im Vertrag eine Option zur Beschaffung zwei weiterer Schiffe offengehalten.

Deutsche Wertschöpfung gesichert

Das MKSMehrzweckkampfschiff 180 basiert auf dem Design der Damen Schelde Naval Shipbuilding und wird zu großen Teilen in deutschen Werften gebaut. Die Damen-Werft plant, über 70 Prozent der Wertschöpfung des Bauvertrags in Deutschland zu erbringen. So werden Arbeitsplätze nicht nur im Bereich der Werften, sondern auch im Bereich der Zulieferindustrie am Wirtschaftsstandort Deutschland gesichert. Zudem ist vertraglich vereinbart, dass rund 30 Prozent an mittelständische Unternehmen vergeben werden. Das hochmoderne Führungswaffeneinsatzsystem der zukünftigen Einheiten kommt von der Thales Group, der zentrale See- und Luftraumüberwachungssensor von Hensoldt.

Das Schiff verfügt zudem über eine Vielzahl von Sensoren und Waffen aus den USA, Deutschland, Niederlanden und Norwegen. Deutschland hat sich für die Zukunft umfangreiche Rechte an dem Schiff gesichert. Die geplanten Baukosten belaufen sich auf etwa 4,6 Milliarden Euro netto. Insgesamt sind rund 6 Milliarden Euro im Haushalt für die vier Einheiten – inklusive der Landanlagen für die Ausbildung – und die ungefähr zehn Jahre dauernde externe Baubegleitung veranschlagt.

Intensive deutsch-niederländische Kooperation

Die Kooperation der deutsch-niederländischen Streitkräfte gilt als herausragendes Beispiel europäischer Zusammenarbeit im Bereich der Verteidigung. Sie begann mit der Aufstellung des I. Deutsch-Niederländischen Korps im Jahr 1995. Ein weiterer Meilenstein war die Integration der niederländischen 11. Luchtmobielen Brigade (11. Luftbewegliche Brigade) in die deutsche Division Schnelle Kräfte im Jahr 2014. Noch nie war ein Verband des einen in einen Großverband des anderen Landes integriert worden. Mit der Kooperation des Seebataillons mit dem niederländischen Korps Mariniers und der Integration einer niederländischen Brigade in eine deutsche Division wurde 2016 eine weitere Stufe der militärischen Zusammenarbeit zwischen den Streitkräften beider Länder erreicht.

Diese enge Verbundenheit findet aber nicht nur Niederschlag in der Truppe. Auch im Rüstungssektor wird seit Jahren erfolgreich die binationale Kooperation gelebt. Hier sind beispielsweise nicht nur die Zusammenarbeit beim Gepanzerten Transport-Kraftfahrzeug (GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug) Boxer und Panzerspähwagen Fennek, sondern auch die Nutzungskooperationen etwa beim Kampfpanzer Leopard 2 oder der Panzerhaubitze 2000 zu nennen.

In der Marine findet bei den Fregatten der Klassen F124 und De Zeven Provinciën eine enge Kooperation statt. Ein weiterer Schritt der binationalen Zusammenarbeit erfolgt im Rahmen des Projekts Tactical Edge Networking (TEN), mit dem Deutschland und die Niederlande den gemeinsamen Weg hin zur digitalen Vernetzung ihrer Streitkräfte in landgebundenen Operationen gehen.

Gemeinsamer Schiffbau fördert die Schlüsseltechnologie

Der Vertragsschluss für das MKSMehrzweckkampfschiff 180 öffnet die Tür zur Sondierung weiterer Kooperationsmöglichkeiten im maritimen Bereich. Hierzu haben Staatssekretär Benedikt Zimmer und seine niederländische Amtskollegin, Staatssekretärin Barbara Visser, den gemeinsamen Dialog angestoßen.

Der militärische Schiffbau ist sowohl in Deutschland als auch in den Niederlanden als nationale Schlüsseltechnologie definiert. Dies schließt eine Zusammenarbeit jedoch keineswegs aus – im Gegenteil. Gerade durch gemeinsame Schritte kann die Verfügbarkeit sicherheitspolitisch kritischer Technologien gewährleistet werden. Ziel eines jeden Landes ist es, den eigenen Marinen moderne, einsatzbereite Schiffe und Boote zur Verfügung zu stellen. Man möchte aber auch in der Lage sein, auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähige maritime Einheiten anzubieten.

Dem europäischen Gedanken folgend, sind gemeinsame Projekte auch im Bereich der Schlüsseltechnologien nicht nur sinnvoll. Sie sind vielmehr erforderlich, damit der Anschluss an technologische Entwicklungen bei immer komplexer werdenden Waffensystemen gehalten werden kann. Mit den Niederlanden soll darüber ein Dialog geführt werden. Miteinander soll über die gemeinsame Ablösung von Systemen wie beispielsweise der F124 gesprochen werden, wenn sie ins Alter kommen.

„Die intensive Zusammenarbeit zwischen den Niederlanden und Deutschland hat eine lange Geschichte und bietet Chancen für die Zukunft. Deshalb berate ich mich regelmäßig mit meinen deutschen Kollegen, um zu sehen, wie wir diese Möglichkeiten gemeinsam nutzen können„, sagte  Staatssekretärin Visser. Staatssekretär Zimmer freute sich auf diesen Ausblick in die Zukunft: „Gemeinsam können wir unseren Marinen moderne, hochkomplexe Schiffe und Boote zur Verfügung stellen und gleichzeitig unsere nationale industrielle Basis stärken. Unser Ziel ist es, unseren Soldatinnen und Soldaten rechtzeitig moderne Systeme zur Verfügung zu stellen!“

von Sarah Ruschel

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