Mehrere Personen stehen klatschend vor einem Schiff.
© Bundeswehr/Tom Twardy
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Pistorius begrüßt seinen Amtskollegen aus Singapur

Verteidigungsminister Boris Pistorius hat am 1. Oktober 2026 seinen singapurischen Amtskollegen Chan Chun Sing im Berliner Bendlerblock empfangen. Nach sicherheitspolitischen Gesprächen im BMVg reisten die beiden Minister zur Fassmer-Werft ins niedersächsische Berne an der Weser. Dort nahmen sie an der Taufe eines von vier Schiffen für die Marine der Republik Singapur teil.

Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Offshore Patrol Vessel, das für die Marine Singapurs bestimmt ist. Dieses Offshore Patrol Vessel wurde von der Ehefrau des singapurischen Verteidigungsministers auf den Namen „Sentinel“ getauft. Am 29. September fand im Beisein des singapurischen Chief of Navy bereits die traditionelle Steelcutting Ceremony für die U-Boote 5 und 6 der U218/SG bei TKMS in Wismer statt.

Die Exportnation Deutschland verbindet mit Singapur eine strategische Partnerschaft im Indo-Pazifik. Die Republik Singapur ist ein geschätzter strategischer Partner. In den Bereichen Handel und Wirtschaft kooperieren beide Nationen eng. In bedeutenden außen- und sicherheitspolitischen Fragen besteht zwischen beiden Ländern Übereinstimmung, insbesondere bei den Themen Multilateralismus, der Bedeutung einer regelbasierten internationalen Ordnung, freier Welthandel, Klimaschutz, maritime Sicherheit und Terrorismusbekämpfung.

Bei den Gesprächsthemen zwischen Boris Pistorius und Chan Chun Sing ging es um die aktuelle sicherheitspolitische Lage, die maritime Sicherheit sowie die bilaterale Zusammenarbeit und Rüstungskooperation.

Partner der regelbasierten Ordnung

Die beiden Minister erörterten im BMVg unter anderem das Thema hybride Kriegsführung und teilten Ihre Erfahrungen aus Europa und dem Indopazifik. Singapur macht analoge Beobachtungen und Erfahrungen im Indopazifik. Russland stellt die größte Bedrohung für Stabilität und Frieden in Europa dar. Mit der nordkoreanischen Unterstützung für den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg wirkt Russland bis in den Indo-Pazifik und unternimmt Anstrengungen, seinen Einfluss auch dort zu erweitern. Singapur ist ebenso von hybriden Aktivitäten, Schattenflottenaktivitäten sowie Desinformationskampagnen betroffen. 

Angesichts dieser Lage warb Pistorius beim Besuch seines singapurischen Amtskollegen für ein Sanktionspaket gegen Russland. Die regelbasierte internationale Ordnung könne nur gemeinsam verteidigt werden. Die Ukraine müsse weiter unterstützt und die Umgehung von Sanktionen durch Moskau verhindert werden, machte Pistorius deutlich.

Gemeinsame Interessen bei der maritimen Sicherheit

Beim Thema maritime Sicherheit begrüßte Pistorius die Initiative Singapurs zum Schutz kritischer Unterwasserinfrastruktur. Deutschland will dieser Initiative ebenfalls beitreten. Pistorius betonte, Deutschland habe als global vernetzter Akteur ein hohes Interesse an Frieden und Stabilität und werde daher sein Engagement im Indo-Pazifik für die Einhaltung der internationalen regelbasierten Ordnung fortsetzen. In diesem Kontext will Deutschland seinen aktuellen Beobachterstatus in der Expertenarbeitsgruppen Humintarian and Disaster relief (HADR) und Cyber des ASEAN Defence Ministers Meeting Plus (ADMM+)  für weitere zwei Jahre verlängern.

Pistorius hob weiterhin hervor, auf dem Feld der Cyberkooperation sei Singapur ein innovativer und vertrauter Schlüsselpartner mit einem sehr ähnlichen Verständnis für die Herausforderungen im Cyberraum.

Eine enge Rüstungskooperation

Im Bereich der Rüstungskooperation warb der deutsche Verteidigungsminister bei seinem Amtskollegen aus Singapur für die erfolgreiche Zusammenarbeit im Submarine Cooperation Network und Nutzerkreis der 212/214/218 U-Boot Klasse. Pistorius erkundigte sich auch nach der Modernisierung der singapurischen Leopard-2-Flotte und warb für eine Fortsetzung der Kooperation in der LEOBEN-Nutzergruppe, dem Verbund derjenigen Staaten, die den Kampfpanzer Leopard nutzen. Denn auch Singapurs Streitkräfte haben diesen Kampfpanzertyp und üben jährlich seit über zehn Jahren in Deutschland.

Schiffstaufe dokumentiert Partnerschaft auf Augenhöhe

Pistorius nannte die Schiffstaufe in der Fassmer-Werft ein bedeutendes Zeichen der strategischen Partnerschaft beider Länder. Die Rüstungskooperation mit einem Partner wie Singapur sei die Grundlage dafür, dass Deutschland mit kompetentem Know-How ein starker, wettbewerbsfähiger und innovativer Standort für den Bau von Marineschiffen bleibe.

Strategisches Nadelöhr des Welthandels

Pistorius und sein Amtskollege sagten, Deutschland und Singapur teilten eine langanhaltende Partnerschaft. Diese sei geprägt von großem und tiefen Vertrauen und enger Kooperation auf vielen Sektoren. Die Rüstungskooperation sei einer davon.

Dieser Tag stehe im Zeichen eines weiteren Treffens mit seinem Amtskollegen aus Singapur – und zwar in Niedersachsen. „Mein schönes Heimatland“, so Pistorius. Er könne sich keinen besseren Ort vorstellen, um die enge Bande zwischen Singapur und Deutschland zu demonstrieren, so der deutsche Verteidigungsminister.  

Das Meer sei Singapurs wirtschaftliche Lebensader, so Pistorius. Die Straße von Malakka sei eine der vitalsten Schlagadern der Weltwirtschaft. Wenn dort Handelswege blockiert oder bedroht würden, sei es durch Piraterie oder die Missachtung des Völkerrechts, dann spüre dies nicht allein Südostasien. Dann spüre Deutschland das auch direkt – in den deutschen Häfen, in seiner Wirtschaft insgesamt und schließlich im täglichen Leben. Pistorius sagte in Richtung seines Amtskollegen aus Singapur: Die Sicherheit und Stabilität im Indo-Pazifik sei für Deutschland und Europa ebenso wichtig, wie die Sicherheit und Stabilität in Europa für die Partner in der indo-pazifischen Region.

Deutschland setzt sich aktiv ein für offene Seewege  und das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen im Rahmen einer stabilen regelbasierten internationalen Ordnung. Es gelte, die Partnerschaft mit Singapur weiter zu stärken. Die Streitkräfte Deutschlands und Singapurs arbeiten zusammen. Sie üben gemeinsam, tauschen Expertise aus und die Seestreitkräfte beider Länder hätten über Jahre hinweg enge Beziehungen geknüpft.

von Jörg Fleischer

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