Sicherheitspolitik
Die Anforderungen an das sicherheitspolitische Handeln Deutschlands haben sich gewandelt. Auch die Bundeswehr muss Antworten auf neue Herausforderungen bieten.
Verteidigungsminister Boris Pistorius hat am 1. Oktober 2026 seinen singapurischen Amtskollegen Chan Chun Sing im Berliner Bendlerblock empfangen. Nach sicherheitspolitischen Gesprächen im BMVg reisten die beiden Minister zur Fassmer-Werft ins niedersächsische Berne. Dort nahmen sie an der Schiffstaufe des ersten Patrouillenschiffs für Singapur teil.
Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Offshore-Patrol-Vessel, das für die Marine Singapurs bestimmt ist. Dieses Offshore-Patrol-Vessel wurde von der Ehefrau des singapurischen Verteidigungsministers auf den Namen „Sentinel“ getauft.
Die Exportnation Deutschland verbindet mit Singapur eine strategische Partnerschaft im Indo-Pazifik. Die Republik Singapur ist ein geschätzter Wertepartner. In den Bereichen Handel und Wirtschaft kooperieren beide Nationen eng. In bedeutenden außen- und sicherheitspolitischen Fragen besteht zwischen beiden Ländern Übereinstimmung, insbesondere bei den Themen Multilateralismus, freier Welthandel, Klimaschutz, maritime Sicherheit und Terrorismusbekämpfung.
Bei den Gesprächsthemen zwischen Boris Pistorius und Chan Chun Sing ging es um die aktuelle sicherheitspolitische Lage, die maritime Sicherheit sowie die bilaterale Zusammenarbeit und Rüstungskooperation.
Die beiden Minister erörterten im BMVg unter anderem das Thema hybride Kriegsführung. Russland stellt die größte Bedrohung für Stabilität und Frieden in Europa dar. Diese wirkt bis in den Indopazifik.
Angesichts dieser Lage warb Pistorius beim Besuch seines singapurischen Amtskollegen für ein Sanktionspaket gegen Russland. Die regelbasierte, internationale Ordnung könne nur gemeinsam verteidigt werden. Die Ukraine müsse weiter unterstützt und die Umgehung von Sanktionen durch Moskau verhindert werden, machte Pistorius deutlich.
Beim Thema maritime Sicherheit begrüßte Pistorius die Initiative Singapurs zum Schutz kritischer Unterwasserinfrastruktur. Deutschland will dieser Initiative ebenfalls beitreten. Pistorius betonte, Deutschland habe als global vernetzter Akteur ein hohes Interesse an Frieden und Stabilität und werde daher sein Engagement im Indo-Pazifik für die Einhaltung der internationalen regelbasierten Ordnung fortsetzen. In diesem Kontext peilt Deutschland den Beobachterstatus in der Expertenarbeitsgruppe des ASEAN Defence Ministers Meeting Plus (ADMM +) an.
Pistorius hob weiterhin hervor, auf dem Feld der Cyber-Kooperation sei Singapur ein Schlüsselpartner mit einem sehr ähnlichen Verständnis für die Herausforderungen im Cyberraum.
Im Bereich der Rüstungskooperation warb der deutsche Verteidigungsminister bei seinem Amtskollegen aus Singapur für die gemeinsame Modernisierung der Leopard 2-Flotte. Denn auch Singapurs Streitkräfte haben diesen Kampfpanzer-Typ und üben regelmäßig in Deutschland.
Pistorius nannte die am Nachmittag dieses Tages anstehende Schiffstaufe in der Fassmer-Werft ein bedeutendes Zeichen der strategischen Partnerschaft beider Länder. Die Rüstungskooperation mit einem Partner wie Singapur sei die Grundlage dafür, dass Deutschland ein starker, wettbewerbsfähiger und innovativer Standort für den Bau von Marineschiffen bleibe.
Pistorius sagte, Deutschland und Singapur teilten eine langanhaltende Partnerschaft. Diese sei geprägt von großem Vertrauen und enger Kooperation auf vielen Sektoren. Die Rüstungskooperation sei einer davon.
Dieser Tag stehe im Zeichen eines weiteren Treffens mit seinem Amtskollegen aus Singapur, und zwar in Norddeutschland, in Niedersachsen. „Mein schönes Heimatland“, so Pistorius. Er könne sich keinen besseren Ort vorstellen, um die enge Bande zwischen Singapur und Deutschland zu demonstrieren, so der deutsche Verteidigungsminister.
Das Meer sei Singapurs wirtschaftliche Lebensader, so Pistorius. Die Straße von Malakka sei eine der vitalsten Schlagadern der Weltwirtschaft. Wenn dort Handelswege blockiert oder bedroht würden, sei es durch Piraterie oder die Missachtung des Völkerrechts, dann spüre dies nicht allein Südostasien. Dann spüre Deutschland das auch direkt – in den deutschen Häfen, in seiner Wirtschaft insgesamt und schließlich im täglichen Leben. Pistorius sagte in Richtung seiner Freunde aus Singapur: Die Sicherheit und Stabilität im Indopazifik sei für Deutschland und Europa ebenso wichtig, wie die Sicherheit und Stabilität in Europa für die Partner in der indopazifischen Region.
Deutschland habe ein starkes Interesse an offenen Seewegen und an einer stabilen wertebasierten internationalen Ordnung. Es gelte, die Partnerschaft mit Singapur weiter zu stärken. Die Streitkräfte Deutschlands und Singapurs arbeiteten zusammen. Sie übten gemeinsam, tauschten Expertise aus und die Seestreitkräfte beider Länder hätten über Jahre hinweg enge Beziehungen geknüpft.
von Jörg Fleischer