Pistorius unterzeichnet Absichtserklärung für Logistik-Hub
Der Überseehafen Bremerhaven und sein Hinterland sollen bis 2031 für die Landes- und Bündnisverteidigung weiter ertüchtigt werden.
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Die Bundeswehr plant die Errichtung eines Marinehafens in Emden. Verteidigungsminister Boris Pistorius hat die mögliche Ansiedlungsfläche am 5. Oktober 2026 besichtigt und sich für die Unterstützung des Landes Niedersachsen und der Stadt Emden bedankt. Es folgen die Schritte für den Erwerb und die Entwicklung des Geländes.
Die Bundeswehr braucht zusätzliche Standorte, weil sie personell und materiell wachsen soll. Mehr Personal benötigt jedoch Unterkünfte, Ausbildungsräume, Übungsflächen und Versorgungseinrichtungen – die Beschaffung neuer hochmoderner Waffensysteme braucht Infrastruktur. Die Bundeswehr prüft deshalb neben dem Ausbau bestehender Liegenschaften auch den Kauf von Flächen für neue Standorte.
Das Gelände „Knock/Rysumer Nacken“ in Emden kommt als neuer Standort für die Seestreitkräfte infrage. „Die Marine hat intensiv geprüft, Emden bietet ideale Voraussetzungen“, erklärte Pistorius bei der Besichtigung der Fläche mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Olaf Lies und dem neuen Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Wilhelm Tobias Abry.
„Fast 30 Jahre lang war die Marine nicht in Emden, jetzt kommt sie zurück“, so Pistorius. Emden werde wieder Standort der Deutschen Marine sein. Das Verteidigungsministerium, das Land Niedersachsen, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) und die Stadt Emden haben sich grundlegend auf den möglichen Bau eines Marinehafens geeinigt. Jetzt geht es an die Umsetzung.
Die Marine wächst auf. Neue Schiffe und Boote brauchen Liegeplätze. Unsere Soldatinnen und Soldaten Unterkünfte und Ausbildungsgebäude. Daher brauchen wir einen neuen Marinehafen. Und den wollen wir in Emden bauen.
Da das Areal an der Emsmündung nicht im Bundeseigentum ist, werden nun die entsprechenden formellen Schritte zum Kauf der Fläche durch die BImA eingeleitet. „Ich danke dem Land Niedersachsen, der Stadt Emden und allen Beteiligten, dass wir gemeinsam an einem Strang ziehen“, sagte der Verteidigungsminister. „Wir haben gezeigt, dass wir schnell entscheiden, zügig genehmigen und verlässlich bauen können“, so Ministerpräsident Olaf Lies. Niedersachsen sei bereit, einen weiteren Beitrag für die Sicherheit Deutschlands zu leisten, und verfüge über eine nachgewiesene Stärke bei der Planung und Umsetzung großer Infrastrukturvorhaben.
Die Marine hat vor allem Bedarf an Hafeninfrastruktur. So hat zum Beispiel der Haushaltsausschuss des Bundestags vier neue Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU für die U-Boot-Jagd gebilligt. Vier weitere Schiffe des Typs könnten zusätzlich als Option abgerufen werden. Deutschland und Norwegen haben zudem jeweils sechs U-Boote der Klasse U212 CD bestellt. Beschaffungen dieser Größenordnung verlangen nicht nur Besatzungen, sondern auch geeignete Liegeplätze, technische Betreuung und Versorgung.
An der Nordseeküste verfügt die Marine bislang nur in Wilhelmshaven über einen Hafen. Dort sind die Fregatten und großen Versorgungsschiffe der Einsatzflottille 2 beheimatet. Ein weiterer Stützpunkt könnte Kapazitäten schaffen und die Abhängigkeit der Marine von ihrem einzigen Nordseehafen auflösen. Zudem können die zukünftigen Anforderungen an Liegeplätze, Pierlängen und Unterstützungskapazitäten für den Nordseeraum mit Anschluss an den Atlantik vom Stützpunkt in Wilhelmshaven allein nicht gedeckt werden.
Das ist besonders für die Landes- und Bündnisverteidigung relevant: Deutschland stellt zum Beispiel die U-Boot-Jagd-Fähigkeiten nicht mehr nur in Nord- und Ostsee, sondern auch im Nordatlantik bereit. Zwei Nordseestützpunkte bieten „mehr Sicherheit, mehr Flexibilität, mehr Agilität“ und würden die operativen Möglichkeiten erhöhen, so Pistorius. „Mit Emden können wir unseren wichtigen Stützpunkt in Wilhelmshaven ergänzen und entlasten.“
Der Nordatlantik verbindet Europa mit den nordamerikanischen Verbündeten. Freie Seewege, die Überwachung von Schifffahrtsrouten und der Schutz kritischer Unterwasserinfrastruktur sind dort gemeinsame Aufgaben der NATO. Daher baut Deutschland seine maritime Zusammenarbeit in der Region unter anderem mit Kanada, Norwegen und Dänemark aus.
Schon Ende September 2026 wurde ein neues maritimes Infrastrukturvorhaben konkretisiert: Die Bundeswehr will Bremerhaven zu einer Logistikdrehscheibe für eigene und verbündete Streitkräfte ausbauen. Über den „Deployment Hub Bremerhaven 2031“ sollen im Verteidigungs- oder Bündnisfall Personal und Material aufgenommen, versorgt und weitertransportiert werden.
Emden wird wieder mehr Bedeutung für die Marine erhalten. Die konkrete Ausgestaltung mit bis zu 2.000 Dienstposten, der Zeitplan und die Kosten können erst nach den detaillierten Untersuchungen und weiteren Planungen festgelegt werden. Dazu gehören auch die Überlegungen, welche seegehenden Einheiten dort stationiert werden.
von Florian Manthey