Merkel, Kramp-Karrenbauer und General Zorn stehen beim Zapfenstreich auf einem Podium. Ein Soldat grüßt militärisch.
© Bundeswehr/Sebastian Wilke
KategorieAktuelles

„Dankbarkeit und Demut“: Angela Merkel mit Großem Zapfenstreich verabschiedet

Am 2. Dezember verabschiedete die Bundeswehr Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einem Großen Zapfenstreich aus dem Kanzleramt. 16 Jahre lang, von November 2005 bis Dezember 2021, war sie die erste Frau in diesem Amt. Eingeladen waren alle Bundespräsidenten sowie alle Bundesministerinnen und -minister aus ihrer Regierungszeit.

Es war einer der letzten öffentlichen Auftritte der mächtigsten Frau Europas: Warm eingepackt in einen schwarzen Mantel betrat Angela Merkel bei Temperaturen um den Nullpunkt den vom Fackelschein erhellten Paradeplatz des Bendlerblockes im Verteidigungsministerium. Flankiert wurde sie von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und dem Generalinspekteur der Bundeswehr, General Eberhard Zorn.

Abschied mit roten Rosen

Auf einem mit roten Rosen geschmückten Rednerpodest bedankte sich die scheidende Kanzlerin bei allen Weggefährten ihrer beispiellosen Amtszeit sowie Mitarbeitern und Familie. „Wenn ich heute vor Ihnen stehe, empfinde ich vor allem Dankbarkeit und Demut“, begann Angela Merkel ihre sechsminütige Rede. Demut empfände sie vor dem Amt, dass sie 16 Jahre lang ausüben durfte, und Dankbarkeit für das Vertrauen, dass sie erfahren durfte.

Angela Merkel spricht in ein Mikrofon bei Dunkelheit.
Vertrauen ist das wichtigste Kapital in der Politik.
Angela Merkel Bundeswehr/Sebastian Wilke

In ihrer Rede dankte Merkel auch Kramp-Karrenbauer und der Bundeswehr für die Ausrichtung des Großen Zapfenstreiches sowie dem Stabsmusikkorps für die musikalische Begleitung. Zugleich, so die scheidende Bundeskanzlerin, denke sie auch an all diejenigen, die sich mit all ihrer Kraft der vierten Welle der Pandemie entgegenstemmten. Ihnen gebühre ihr größter Dank und höchste Anerkennung.

„Demokratie lebt vom steten Ausgleich der Interessen“

Ihre 16 Jahre als Bundeskanzlerin seien ereignisreiche und oft sehr herausfordernde Jahre gewesen, konstatierte Merkel. Ganz besonders die vergangenen zwei Jahre der Pandemie hätten wie in einem Brennglas gezeigt, von welch großer Bedeutung das Vertrauen in Politik, Wissenschaft und den gesellschaftlichen Diskurs sei, aber auch wie fragil.

Unsere Demokratie lebe von der Fähigkeit zur kritischen Auseinandersetzung und zur Selbstkorrektur sowie vom steten Ausgleich der Interessen und vom Respekt voreinander. Sie lebe aber auch vom Vertrauen in Fakten und davon, dass überall da Widerspruch laut werden müsse, wo wissenschaftliche Erkenntnis geleugnet, Verschwörungstheorien und Hetze verbreitet würden, so die Naturwissenschaftlerin weiter.

Soldaten mit Fackeln marschieren in Formation

Personell besteht der Große Zapfenstreich aus einem Musikkorps mit Spielmannszug, zwei Ehrenzügen in der Stärke von jeweils 31 Soldatinnen und Soldaten sowie 76 Fackelträgern.

© Bundeswehr/Sebastian Wilke

Klares Bekenntnis zum Multilateralismus

Nicht erst die Pandemie, sondern bereits die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 und die vielen zufluchtsuchenden Menschen 2015 hätten deutlich gemacht, wie sehr wir auf die Zusammenarbeit über nationale Grenzen hinweg angewiesen seien.

Internationale Institutionen seien ebenso unverzichtbar wie multilaterale Instrumente, um die großen Herausforderungen der Zeit bewältigen zu können: den Klimawandel, die Digitalisierung, Flucht und Migration. „Ich möchte dazu ermutigen, die Welt immer auch mit den Augen des anderen zu sehen“, so Merkel weiter. Auch die manchmal unbequemen und gegensätzlichen Perspektiven des Gegenübers müsse man wahrnehmen.

Ihrem designierten Nachfolger im Amt, Olaf Scholz, und der von ihm geführten Bundesregierung wünschte Merkel eine glückliche Hand und viel Erfolg. „Mit Fröhlichkeit im Herzen“ solle man sich an die Arbeit machen. So habe sie es in ihrem Leben in der DDR gehalten und erst recht unter den Bedingungen der Freiheit.

Angela Merkel spricht in ein Mikrofon bei Dunkelheit.
Es ist die Fröhlichkeit im Herzen, die ich uns allen und auch unserem Land für die Zukunft wünsche.
Angela Merkel Bundeswehr/Sebastian Wilke

Fröhlichkeit spiegelte auch Merkels Musikauswahl wider.  Die mit einem Zapfenstreich Geehrten können selbst drei Musikstücke auswählen, die zu ihrem Abschied gespielt werden. Als erstes ertönte die ostdeutsche Jugendhymne Nina Hagens „Du hast den Farbfilm vergessen„, gefolgt von der Hildegard-Knef-Ballade „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ und dem Choral „Großer Gott, wir loben dich“. Mit gewohnter Ruhe und einem feinen Lächeln genoss Merkel das Arrangement des Stabsmusikkorps. Bevor sie an der Seite ihres Ehemannes Joachim Sauer davonfuhr, nahm Merkel noch zwei Rosen aus der Dekoration, von denen sie eine an Kramp-Karrenbauer weiterreichte.

Merkel war viermal zur Bundeskanzlerin gewählt worden und bei der vergangenen Bundestagswahl nicht mehr angetreten. Die scheidende Bundeskanzlerin ist erst die dritte Person, die mit einem Großen Zapfenstreich aus dem Kanzleramt verabschiedet wird. Anders als für Bundespräsidenten wurde der Große Zapfenstreich für Bundeskanzler erst 1998 zum Abschied Helmut Kohls eingeführt.

Das höchste militärische Zeremoniell der Bundeswehr dauerte knapp 60 Minuten. Aufgrund der Coronalage fand der Große Zapfenstreich unter 2G-Plus-Bedingungen und ohne den sonst üblichen Empfang statt. Das ZDF übertrug die Zeremonie live.

von Barbara Gantenbein

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