Der litauische und der deutsche Verteidigungsminister sitzen an einem Pult, dahinter Flaggen
© Bundeswehr / Jana Neumann
KategorieSicherheitspolitik

Deutschland und Litauen: „Seite an Seite an der NATO-Ostflanke“

Auf der Berliner Sicherheitskonferenz 2026 wurde die Bedeutung der deutsch-litauischen Partnerschaft einmal mehr deutlich: Beim gemeinsamen Auftritt der Verteidigungsminister beider Länder – Boris Pistorius und Robertas Kaunas – standen die Stärkung der Abschreckung und die Fortschritte beim Aufbau der Brigade Litauen im Mittelpunkt.

„Sowohl in Vilnius als auch in Berlin weiß man: Ohne Sicherheit gibt es keine Freiheit.“ Das sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius am 4. November 2026 auf der Berliner Sicherheitskonferenz und betonte, dass die deutsch-litauische Partnerschaft auf gemeinsamen Interessen und Überzeugungen beruhe. Gemeinsam mit seinem litauischen Amtskollegen Kaunas setzte er ein deutliches Signal der Geschlossenheit innerhalb der NATO. Vor Vertretern aus Politik, Streitkräften, Wissenschaft und Industrie betonten die beiden Verteidigungsminister, dass die Sicherheit Europas untrennbar mit einer starken Bündnisverteidigung verbunden sei.

Verteidigungsminister Boris Pistorius stellt auf der Berliner Sicherheitskonferenz die Bedeutung der deutsch-litauischen Partnerschaft für die Abschreckungsfähigkeiten der Allianz heraus: „Wir stehen Seite an Seite an der NATO-Ostflanke.“

Im Fokus stand die Panzerbrigade 45 „Litauen“, eines der bedeutendsten sicherheitspolitischen Vorhaben Deutschlands. Mit ihr stationiert die Bundeswehr erstmals in ihrer Geschichte einen Großverband dauerhaft im Ausland. Die Brigade ist ein zentraler Beitrag zur Vorneverteidigung der Allianz und fügt sich in die regionalen Verteidigungspläne der NATO ein. Ziel ist es, die Verteidigungsfähigkeit des Bündnisses im Baltikum nachhaltig zu stärken und potenzielle Aggressoren von vornherein abzuschrecken.

Brigade Litauen erreicht wichtige Meilensteine

Seit der Unterzeichnung der deutsch-litauischen Roadmap zur Aufstellung der Brigade Ende 2023 wurden wesentliche Fortschritte erzielt. Nach dem Eintreffen des deutschen Vorkommandos im Jahr 2024 wurde die Panzerbrigade 45 im April 2025 offiziell in Dienst gestellt. Anfang 2026 wurden das Panzerbataillon 203 und das Panzergrenadierbataillon 122 der Brigade unterstellt. Zudem übernahm die Brigade das Kommando über die NATO Multinational Battlegroup Lithuania und integrierte damit den seit 2017 bestehenden multinationalen Kampfverband. Die Brigade Litauen soll rund 4.800 Soldatinnen und Soldaten sowie 200 zivilen Beschäftigte umfassen. Bis Ende 2027 solle die volle Einsatzbereitschaft erreicht werden, kündigte Pistorius an.

Bundesminister der Verteidigung Boris Pistorius schaut lächelnd für eine Portraitaufnahme in die Kamera.
Ein Angriff auf Litauen wäre ein Angriff auf uns alle.
Verteidigungsminister Boris Pistorius Bundeswehr/Norman Jankowski

Er dankte Litauen für die Errichtung der Infrastruktur – Kasernen, Übungsplätze, Schießbahnen sowie Schulen, Kindergärten und Wohnraum – und für die herzliche Aufnahme der deutschen Soldatinnen und Soldaten. „Deutschland hält sein Versprechen ein: Wir besetzen die Dienstposten, wir stellen das Material bereit, wir schaffen die Voraussetzungen für Ausbildung und Einsatz“, machte Pistorius deutlich und ergänzte: „Wir sind da, wir bleiben, wir verteidigen gemeinsam den Frieden in Europa.“

Wirksame Abschreckungsfähigkeiten aufbauen

Die Brigade sende eine „klare Botschaft der Abschreckung“ an Russland und ein Signal der Verlässlichkeit an die Verbündeten. Ein Angriff auf Litauen wäre ein Angriff auf alle, so Pistorius. Deutschland und Europa müssten ihre Verteidigung so stärken, dass ein Angriff für Moskau zu riskant wäre. Dazu brauche es auch eine starke transatlantische Partnerschaft. Die NATO müsse europäischer werden, um transatlantisch bleiben zu können, sagte Pistorius.

Boris Pistorius steht an einem Rednerpult auf der BSC Berlin

Die Brigade Litauen stehe für das Versprechen, gemeinsam den Frieden in Europa zu verteidigen, erklärte Minister Pistorius auf der BSC

© Bundeswehr / Jana Neumann

 

Auch Kaunas bekräftigte, dass Europa innerhalb der NATO mehr Verantwortung für Abschreckung und Verteidigung übernehmen müsse. Deutschland und Litauen würden diese Verantwortung gemeinsam in die Tat umsetzen. „Deutschland ist Litauens strategischer Schlüsselpartner“, sagte der Minister. Seine Botschaft an die deutschen Soldatinnen und Soldaten: „Ihr seid immer willkommen in Litauen.“

Pistorius und Kaunas unterzeichneten auf der Konferenz zudem eine Absichtserklärung zur vertieften strategischen Zusammenarbeit. Es geht um die Intensivierung der militärischen Kooperation und die Stärkung der Verteidigungsindustrien beider Länder.

Berliner Sicherheitskonferenz mit Partnerland Litauen

Die Berliner Sicherheitskonferenz zählt zu den größten europäischen Foren für Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Seit mehr als zwei Jahrzehnten bringt sie politische Entscheidungsträger, militärische Führungskräfte, internationale Organisationen und Vertreter der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie zusammen. In diesem Jahr fand die Konferenz bereits zum 25. Mal statt. Schwerpunkte waren die europäische Verteidigungsfähigkeit, die Unterstützung der Ukraine, die Abschreckung gegenüber Russland sowie die Anpassung der NATO an neue sicherheitspolitische Herausforderungen.

Dass Litauen in diesem Jahr Partnerland der Konferenz war, unterstreicht die herausragende Bedeutung des baltischen NATO-Verbündeten für die europäische Sicherheit. Bereits die Eröffnung durch den litauischen Präsidenten Gitanas Nausėda machte deutlich, wie eng die Sicherheit Litauens, Deutschlands und Europas miteinander verbunden sind.

von Florian Manthey

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