Präsentation bei Workshop
© Bundeswehr/Michael Gundelach
KategorieBundesministerium der Verteidigung

Bundeswehr soll ihre eigene Tradition stärker herausstellen

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat am 17. August die Reihe der Workshops zur Überarbeitung des Traditionserlasses von 1982 eröffnet. Unter der Überschrift „Die Tradition der Bundeswehr im Kontext von europäischer Verteidigungsidentität und transatlantischer Sicherheitspartnerschaft“ startete die Ministerin den ersten von vier geplanten Workshops an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg.

Reform nur im internationalen Kontext

Die Reform des Traditionserlasses könne nur im internationalen Kontext gelingen. Die Bundeswehr habe über die Jahre „immer größere Nähe“ zu ihren Partnern gewonnen. Sie stehe zu ihrer Verantwortung in den Bündnissen. Deshalb unterstrich die Ministerin vor 300 Gästen: „Ich freue mich besonders, unsere ausländischen Gäste begrüßen zu dürfen.“

Von der Leyen und Wieker im Publikum

Ministerin von der Leyen hat an der Führungsakademie in Hamburg den ersten Workshop eröffnet.

© Bundeswehr/Laura Clayborn

Führungsakademie der ideale Ort

Der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Konteradmiral Carsten Stawitzki, betonte, für den Start in diesen von vorn herein international angelegten Prozess sei diese Akademie der ideale Ort. Nur wenige Institutionen seien so konsequent international aufgestellt wie die Führungsakademie der Bundeswehr.

Geistige Orientierung, Vorbilder, Ethos

Die Frage nach ihrer Tradition hat die Bundeswehr in den vergangenen Monaten intensiv beschäftigt. Nach fast 62 Jahren Bundeswehr gilt es, sich der eigenen Tradition neu zu vergewissern. „Tradition soll immer wieder aufs Neue zur Selbstvergewisserung dienen“, betonte die Ministerin. Es gehe um „geistige Orientierung“, um „unsere Vorbilder“ und um unser „Ethos“. Dabei solle die Bundeswehr ihre „eigene, stolze Tradition“ viel stärker herausstellen. „Wer, wenn nicht wir, sollte es sonst tun“, sagte von der Leyen.

„Auch die Grautöne ertragen“

Von der Leyen warb für die Einbindung aller gesellschaftlich relevanten Gruppen, ähnlich wie im Prozess zum Weißbuch. Alle sollten mitgenommen werden, um auch kontrovers zu diskutieren. „Wir werden auch die Grautöne ertragen müssen“, sagte die Ministerin. Jeder Soldat und jede Soldatin sei aufgefordert, sich aktiv in die Debatte um Tradition einzubringen.

Soldaten bei Workshop

In vier verschiedenen Panels wurde das Thema Tradition erörtert.

© Bundeswehr/Tatjana Clayborn

Engagierte Diskussion

Das geschah in insgesamt vier Panels. Dort wurden besondere Aspekte rund um das Thema erörtert. „Ich finde, dass ein neuer Traditionserlass Freiräume lassen muss für die Auslegung durch die Offiziere in der Fläche“, meinte eine Teilnehmerin. Ein anderer Teilnehmer entgegnete: „Aber der Rahmen für diese Freiheit muss klar umrissen sein.“ Die Ergebnisse wurden zusammengefasst und im Plenum diskutiert.

Die Auseinandersetzung mit dem facettenreichen Themenkomplex sei allein schon ein Gewinn gewesen, sagte ein Teilnehmer. Ein anderer sagte: „Beim Thema Tradition ist nicht nur die Ratio angesprochen.“ Sie müsse unbedingt auch durch Emotion hinterlegt sein. Schließlich betonte ein weiterer Teilnehmer: Der Umfang des Themas mache sehr schnell klar, dass bei der Überarbeitung des Traditionserlasses von 1982 Gelassenheit ein guter Ratgeber sei.

Breiter Ansatz

Neben den militärischen und zivilen Angehörigen der Bundeswehr waren auch Soldaten der Partnernationen anwesend. Darüber hinaus brachten Fachleute aus Medien, Wissenschaft, Forschung, Politik und Gesellschaft ihre Expertise ein.

Erinnerungskultur muss lebendig sein

So etwa Loretana de Libero, Professorin an der Führungsakademie der Bundeswehr, die zum Thema „Nationale militärische Erinnerungskultur“ sprach. Sie hielt ein Plädoyer für eine „lebendige Erinnerungskultur“ der Bundeswehr. Die solle alles andere sein, als eine Pflichtübung. Tradition müsse greifbar sein. „Die Tradition der Bundeswehr kennt viele handfeste Beispiele.“ Sie erinnerte an die Flutkatastrophe in Hamburg von 1962. „Zur Erinnerungskultur gehört, Geschichten zu erzählen.“ Etwa die der Hubschrauberflieger der Bundeswehr, die beim Hochwasser in Hamburg als „rettende Engel“ in die Geschichte des Landes eingegangen seien. Eines der vielen traditionsstiftenden Beispiele für die Bundeswehr. Genauso wie ihre friedensschaffende Rolle während des Kalten Krieges, dann die Armee der Einheit, die Armee im Einsatz, die im internationalen Krisenmanagement aktiv sei. Und schließlich die Armee, in der mittlerweile auch Frauen dienten.

Menschen sprechen im Plenum

Die Ergebnisse der Panels wurden im Plenum präsentiert.

© Bundeswehr/Michael Gundelach

Tradition bedeutet Mut zur Veränderung

Für den niederländischen Generalleutnant a.D.außer Dienst Ton van Loon, der zum Thema „Internationale militärische Erinnerungskultur“ sprach, bedeutet Tradition vor allem der Mut zur Veränderung. „Es kann nicht so sein, dass Tradition ein Vorwand ist, nichts zu ändern.“ Und Tradition meine schließlich auch die Bereitschaft zur Differenzierung. Etwa beim Thema Tapferkeit: „Tapferkeit ist, auch manchmal nicht zu schießen.“

Differenziert und fundiert

Winfried Nachtwei, Mitglied des Beirates Innere Führung, sagte der Redaktion der Bundeswehr: „Die Tradition der Bundeswehr im Kontext von europäischer Verteidigungsidentität und transatlantischer Sicherheitspartnerschaft fand ich sehr differenziert entfaltet. Es war sehr fundiert.“

Nächster Workshop in Koblenz

Nach diesem ersten Traditionsworkshop in Hamburg wird im September der zweite am Zentrum für Innere Führung in Koblenz stattfinden. Er soll den Themenkomplex Tradition und Identität behandeln.

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