Jandan Spinghar (Geschäftsfüher der Stiftung für Freie und Gerechte Wahlen in Afghanistan)
Kabul, 18.05.2010.
Ich denke, dass die Deutschen aus einigen Gründen solange in Afghanistan bleiben werden, bis die Afghanen gänzlich in der Lage sein werden, auf eigenen Füssen zu stehen. Ich denke, dass gegenwärtig die Lage es nicht erlaubt, dass die Deutschen, die ja unsere historischen und langjährigen Freunde sind, ihre Verantwortung, welche sie ihren afghanischen Freunden gegenüber angenommen haben, einfach so [aufgeben], insbesondere in Bezug auf die Gewährleistung von Sicherheit. Deswegen müssen sie ein wenig in Afghanistan bleiben, bis die Afghanen auf eigenen Füssen stehen können, insbesondere im Sicherheitssektor.
Ein anderer Grund ist, dass die Deutschen enge und langjährige Beziehungen zu den Afghanen haben, und durch die Geschichte hindurch gute und freundschaftliche Beziehungen unterhalten haben. Wir haben als befreundete Nationen immer aufeinander zählen können. An diesem historischen und kritischen Zeitpunkt unserer Geschichte, wenn die Afghanen die Hilfe ihrer aufrichtigen Freunde wie zum Beispiel Deutschlands, im Bereiche der Sicherheit benötigen, ist es gut dass sie bleiben.
Die Deutschen selbst sind auf verschiedene Art und Weise ein Beispiel und Vorbild für die Europäische Union. Ein Abzug bevor die Probleme Afghanistan gelöst wurden, würde bedeuten, dass Europa seine Versprechen gegenüber der Region zurücknimmt. Aus diesen beiden Gründen - die Deutschen als unsere langjährigen Freunde und ihre Rolle als Vorbild für die Europäische Union - sollen sie solange bleiben, bis der Sicherheitssektor auf eigenen Füssen stehen kann.
Die Deutschen sind nicht nur im Bereich der Sicherheit, sondern auch den anderen Sparten, wie zum Beispiel im zivilen Bereich in Afghanistan sehr effektiv in Erscheinung getreten. Wo immer auch ihrer Rolle in diesen Bereichen gestärkt und aktiver gestaltet wird, können sie sich einer positiven Rolle rühmen. Natürlich wenn in einer wichtigen Sparte, also dem Sicherheitssektor. sie sich zurückziehen, dann wird ihre Präsenz in den anderen zivilen Sparten auch weniger wichtig angesehen. Diese Frage kann die freundschaftlichen Beziehungen beider Nationen beschädigen.
