Boris Pistorius und Katherina Reiche stehen nebeneinander und lächeln in die Kamera.
© Bundeswehr/Tom Twardy
KategorieAktuelles

Industrie im Dialog: Verteidigungsfähigkeit erfordert Vernetzung

Spitzenvertreter der deutschen Wirtschaft haben sich erneut am 19. März 2026 in Berlin getroffen. Verteidigungs- und Wirtschaftsministerium hatten das Treffen organisiert. Ziel ist es, sich besser zu vernetzen und einen besseren Austausch zwischen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie sowie weiterer Industriezweige zu fördern.

Verteidigungsminister Boris Pistorius und Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche haben das Format initiiert. Der Industriedialog soll die bisher oft parallel arbeitenden Bereiche der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie sowie relevante zivile Branchen systematisch zusammenführen, um Synergien zu bilden, Produktionskapazitäten zu erweitern und Lieferketten widerstandsfähiger zu machen. Schwerpunkte sind der Aufbau von Produktionskapazitäten, die Stärkung der Resilienz von Lieferketten und die stärkere Nutzung von Dual-Use-Potenzialen aus ziviler Technologie und Verteidigungstechnik.

Der Industriedialog ist somit kein reines Wirtschaftstreffen, sondern eher ein sicherheitspolitisches Instrument. Schließlich tragen auch die Unternehmen „zu einer effektiven Landes- und Bündnisverteidigung bei“, wie es in der Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsindustriestrategie der Bundesregierung heißt.

Im Fokus: Startups und Lieferkettenresilienz

Bei der Veranstaltung im Bundeswirtschaftsministerium wurden vor allem folgende Aspekte diskutiert:

Die über 100 Spitzenvertreterinnen und -vertreter aus Rüstungsunternehmen, Zulieferern, Verbänden wie dem BDIBundesverband der Deutschen Industrie und dem BDSVBundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie sowie Vertreter weiterer Industriezweige diskutierten gemeinsam mit dem Verteidigungsminister und der Wirtschaftsministerin Möglichkeiten, um seitens der Industrie die Beschaffung von Wehrmaterial zu beschleunigen und abzusichern sowie Innovationen voranzubringen.

Der rasant gestiegene Bedarf an militärischen Gütern, Dienstleistungen und Innovationen steht im Kontrast zur Friedensdividende der vergangenen Jahrzehnte. Die Herausforderung für die SVISicherheits- und Verteidigungsindustrie besteht nunmehr darin, die erforderlichen Kompetenzen und Kapazitäten aufzubauen.
Nationale Sicherheits- und Verteidigungsindustriestrategie

Die Rüstungsindustrie baue ihre Kapazitäten aus, aber nun gehe es darum, neue Areale zu erschließen, sagte Minister Pistorius nach dem Treffen. Neben der zivilen Industrie seien das insbesondere Startup-Unternehmen. Diese müssten befähigt, ermutigt und unterstützt werden bei ihren Vorhaben für den Verteidigungssektor. Dazu würden neue und schnelle Beschaffungsverfahren entwickelt oder weiterentwickelt und der Marktzugang müsse erleichtert werden. Als Beispiel für die Notwendigkeit verbesserter Prozesse nannte Pistorius die Innovationszyklen bei der Drohnentechnologie. Mit dem Innovationszentrum der Bundeswehr sei eine Einrichtung geschaffen worden, um Entwicklungen im Frühstadium zusammenzubringen. Und mit dem Gesetz zur beschleunigten Planung und Beschaffung für die Bundeswehr (BwPBBGPlanungs- und Beschaffungsbeschleunigungsgesetz) wurden die Voraussetzungen für ein effizienteres Beschaffungswesen geschaffen – von der Planung über die Vergabe- und Vertragsverhandlungen bis hin zur Auslieferung an die Truppe.

Weitere Treffen in Planung

Die Sicherheit der Lieferketten ist für den Minister eines der wichtigsten Themen, um handlungsfähig zu sein. Das gelte nicht nur für die Rüstungsindustrie, sondern für den gesamten Industriestandort Deutschland. „Wir müssen wegkommen von starken Abhängigkeiten von wenigen Lieferanten“, forderte der Minister. „Wir werden das Format fortsetzen“, kündigte Pistorius an. Zudem werde auch das ukrainische Verteidigungsministerium beteiligt, um weitere Möglichkeiten für Joint-Ventures mit der ukrainischen Verteidigungsindustrie zu beraten. Es sei ein SVISicherheits- und Verteidigungsindustrie -Roundtable mit dem ukrainischen Verteidigungsministerium geplant, um über Finanzierungsfragen für deutsch-ukrainische Rüstungskooperationen zu sprechen. „Wir sind wirklich sehr eng zusammengerückt“, erklärte der Minister anlässlich der bisherigen Treffen in diesem Format und der Zusammenarbeit mit dem Bundeswirtschaftsministerium sowie der Industrie.

Das hat auch Ministerin Reiche bestätigt: „Bund, Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft, die zivile Industrie aber auch unsere Startups ziehen an einem Strang.“ Im Zuge des Dialogs seien Kooperationsvereinbarungen geschlossen und die SVISicherheits- und Verteidigungsindustrie -Connect-Plattform auf den Weg gebracht worden, die gezielt Bedarfsträger mit strategischen Industriepartnern in der deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (SVISicherheits- und Verteidigungsindustrie ) verbindet. „Die Kooperation war nie so gut und intensiv“, betonte die Ministerin. „Da ist etwas gelungen“, unterstreicht BDIBundesverband der Deutschen Industrie-Präsident Peter Leibinger. Das Format hebe sich von den üblichen Diskussionen ab. Für die Industrie sei dieser Dialog ein klares Signal „für die gemeinsame Aufgabe“.

Eine Lieferkette (engl. Supply Chain) beschreibt den gesamten Prozessweg eines Produkts – von der Rohstoffgewinnung über die verschiedenen Verarbeitungsstufen und den Transport bis hin zum Endnutzer. In der Verteidigungsindustrie reicht diese Kette beispielsweise vom Abbau seltener Erden für Mikrochips über die Fertigung von Sensoren bis hin zur Endmontage eines Flugabwehrsystems.

Bei der Auftaktveranstaltung des Industriedialogs am 2. Dezember 2025 im Verteidigungsministerium hatte die ganze Bandbreite der Industrie erstmals in dieser Form zu diesen Themen beraten. Vereinbart wurde, dass das Format verstetigt werden soll, um künftig konkrete Maßnahmen zu entwickeln. Ohne eine leistungsfähige Wirtschaft, ohne starke industrielle Wertschöpfung, ohne Innovation gebe es keine glaubwürdige Verteidigungsfähigkeit, hatte Verteidigungsminister Pistorius schon bei diesem ersten Treffen betont.

Startsignal für ressortübergreifende Kooperation mit der Industrie

Mit dem Industriedialog können für die Bundeswehr eine bessere Einbindung kleinerer, innovativer Unternehmen, eine Beschleunigung von Beschaffungsprozessen und mehr technologische Souveränität erreicht werden. Für Unternehmen und Verbände eröffnet das Format Chancen zur Vernetzung untereinander und mit staatlichen Stellen sowie zur Teilnahme an Arbeitsgruppen. Zugleich eröffnen sich für die Firmen Möglichkeiten, die Sicherheit ihrer Produktionsprozesse und Lieferketten zu erörtern. Mit dem Industriedialog wurde ein Startsignal für eine engere, ressortübergreifende Zusammenarbeit zwischen Staat und Industrie gegeben.

 

von Florian Manthey

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