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Bundeswehr/Christoph KassettePistorius in Australien: Abkommen für mehr Sicherheit im Weltraum
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Deutschland und Australien blicken auf die Sicherheit im Weltraum: Es soll ein Frühwarnsystem für Satellitensabotage geben. Dafür braucht es weltweit Überwachungssensorik, um Aktivitäten im All frühzeitig erkennen zu können. Ein entsprechendes Abkommen zeichneten Pistorius und sein australischer Amtskollege Richard Marles in Canberra.
Australien ist für Deutschland der wichtigste Partner im südlichen Indo-Pazifik. Seit 2013 besteht die strategische Partnerschaft, die 2021 intensiviert wurde. Und zwar unter anderem durch einen gemeinsamen Arbeitsplan, wie die Zusammenarbeit noch besser umgesetzt werden kann.
Nun gehen die beiden Nationen einen weiteren gemeinsamen Schritt, um ihre militärischen Fähigkeiten auszubauen: Verteidigungsminister Boris Pistorius und Richard Marles, stellvertretender Premierminister und Verteidigungsminister Australiens, zeichneten in Canberra eine zukunftsweisende Absichtserklärung für ein weltweites Netzwerk an Weltraum-Überwachungssensorik. So können Satellitenmanipulation oder gar -zerstörung frühzeitig erkannt werden. „Ein Frühwarnsystem für den Weltraum“, fasste es Pistorius zusammen.
Schutz eigener Satellitensysteme
Der Weltraum ist schon längst eine weitere Dimension, die für die Streitkräfte immer wichtiger wird. Die Truppe ist auf satellitengestützte Lagebilder und Kommunikation angewiesen. Dafür ist es notwendig, dass die Satelliten funktionsfähig sind – und es bleiben. Satellitenbilder sind nicht nur entscheidend für die Streitkräfte, sondern auch das frühe Erkennen von Umweltkatastrophen wie Tsunamis ist wichtig für die Nationen – gerade im Indo-Pazifik. Deutschland werde in den kommenden Jahren mehr als 35 Milliarden Euro in Weltraumsysteme investieren, erläuterte Pistorius bei seinem Besuch in Australien.
Jedoch wird relevante Infrastruktur – wie es auch die satelitengestützten Systeme sind – Ziel von Angriffen. „Im Weltraum sind China und Russland unsere direkten Nachbarn. Sie haben ihre offensiven Fähigkeiten im Weltraum ausgebaut. Sie können Satelliten stören, blenden oder zerstören“, erklärte Pistorius im gemeinsamen Statement mit Richard Marles. Daher sei es wichtig, auch im Weltraum einen Überblick über die Geschehnisse zu haben. „Wir müssen wissen, was da oben passiert. Nur so können wir eigene Systeme schützen.“
Dazu soll nun das weltweite Netzwerk an Überwachungssensorik dienen. Die zwischen Australien und Deutschland gezeichnete Absichtserklärung beinhaltet darüber hinaus auch einen gegenseitigen Daten- und Informationsaustausch. „Damit stärken wir die Weltraumfähigkeit beider Nationen“, betonte der Verteidigungsminister.
Enge Kooperation in der Rüstung
Marles lobte die „weltweit bekannte deutsche Ingenieurskunst“ und begrüßt die Zusammenarbeit mit einem gleichgesinnten Land mit Blick auf die regelbasierte Ordnung ausdrücklich. Daher sei die Vereinbarung auch ein Zeichen der „tiefen Verbundenheit und Zusammenarbeit“, sagte Marles und betonte die Relevanz zukunftsgerichteter Kooperationen.
Dass sich Australien auch wappnet für die bestehenden und kommenden Herausforderungen, zeigte ein Besuch bei der Rüstungsfirma EOS in Canberra, die sich auf Laserwaffen spezialisiert hat. Dort ging es um die Systeme Apollo und Atlas. Mit Apollo könnten beispielsweise 20 bis 30 Drohnen pro Minute abgeschossen werden. Und Atlas könnte mit Hochleistungslasern beispielsweise Satelliten blenden oder auch zerstören.
Dass die Zusammenarbeit mit Partnern, die die gleichen Werte teilen, immer bedeutungsvoller werde, betonte Pistorius in Canberra. Das ist auch einer der Gründe für seine Indo-Pazifik-Reise. So soll der Zusammenhalt der geografisch weit entfernten, aber in den Überzeugungen eng verbundenen Partner gestärkt sowie ein Zeichen für den gemeinsamen Einsatz für Frieden gesetzt werden – innerhalb und außerhalb Europas.
Rede im National Press Club
Das bekräftigte Pistorius noch einmal in seiner Rede im National Press Club. Die 1963 gegründete Institution würdigt die Arbeit der Medien und verteidigt die Pressefreiheit. Der National Press Club ist Hauptforum für Debatten, Pressekonferenzen und öffentliche Reden in Australien. Auf Einladung des Clubs sprach Verteidigungsminister dort vor zahlreichen Vertretern und Vertreterinnen australischer Medien, der Politik und der Gesellschaft.
Hier machte er noch einmal deutlich, wie wichtig es ist, mit gleichgesinnten Partnern für die regelbasierte Ordnung einzustehen. Und diese Partner gebe es rund um den Globus – von Europa über Afrika bis in die Indo-Pazifik-Region. Und verlässliche Partner seien in der heutigen Zeit noch wichtiger als je zuvor. Denn die globalen Konflikte hätten Auswirkungen auf die ganze Welt, beispielsweise wirtschaftlich. Daher dürfe eine große geografische Distanz nicht mit Ignoranz verwechselt werden. Der Krieg im Iran betreffe Deutschland ebenso wie Australien.
Australien: größter Ukraine-Unterstützer außerhalb der Nato
In der Unterstützung der Ukraine sind Deutschland und das 16.000 Kilometer entfernte Australien ebenfalls enge Partner. „Denn die Folgen des russischen Krieges betreffen nicht nur Europa. Auch in der Indo-Pazifik-Region hat der Krieg Auswirkungen auf Machtbalance und Sicherheitsarchitektur“, sagte Pistorius. Daher ist Australien Teil der Ukraine-Kontaktgruppe, die von Deutschland und Großbritannien geführt wird, und größter militärischer Unterstützer der Ukraine außerhalb der NATONorth Atlantic Treaty Organization. So bildet Australien beispielsweise ukrainische Soldatinnen und Soldaten in Großbritannien aus. „Wir wissen euer Engagement sehr zu schätzen“, bedankte sich Pistorius bei Marles. Deutschland wird der Ukraine im Kampf gegen den russischen Aggressor in diesem Jahr 11,5 Milliarden Euro zur Verfügung stellen.
Die materielle und finanzielle Unterstützung der Ukraine ist nicht die einzige Maßnahme, die Australien nach dem russischen Angriffskrieg ergriffen hat: „Australien hat schon früh eigene Sanktionspakete beschlossen und somit unmissverständlich Haltung gezeigt“, erklärte der Minister und betonte, wie wichtig es ist, „dass die Sanktionen gegen Russland hart und ohne Ausnahme greifen“.
Dass die Nationen auf politischer und diplomatischer Ebene eng verbunden sind, zeigt sich auch durch die engen und stetig wachsenden Kooperationen wie die in der Rüstungsindustrie. Auch auf der praktischen Ebene in der Truppe wachsen die Länder zusammen. Daher sind die deutschen Streitkräfte im Zuge des Indo-Pazific Deployments regelmäßig in Australien und Nachbarstaaten zu Gast. Die Marine wird 2028 erneut an RIMPAC teilnehmen, der größten Marine-Übung im Pazifik. Das Heer ist bei Talisman Sabre vertreten. Und die Luftwaffe kommt Ende Juli 2026 mit neun Eurofightern, „so viele waren es noch nie“, und Tankflugzeugen zur Übung Pitch Black nach Australien.
Diese Zusammenarbeit stärkt die Interoperabilität. Um das noch weiter zu intensivieren, werden zudem deutsche Piloten in Australien ausgebildet: Tornado-Waffensystemoffiziere werden zu Jetpiloten ausgebildet. Im Gegenzug stellt die Bundeswehr einen Fluglehrer.
Somit zeigt die Verbindung zwischen Deutschland und Australien auf politischer und auf Truppen-Ebene, dass gemeinsame Ziele und Werte den Zusammenhalt auch von einem Ende zum anderen Ende der Welt stärken und für künftige Herausforderungen wappnen.
Nach Tokyo und Singapur ist Canberra die dritte Station der Indo-Pazifik-Reise des Ministers. Weitere Informationen dazu gibt es hier.
| Antrittsbesuch in Australien |
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| Es ist der erste Besuch in Australien für Verteidigungsminister Boris Pistorius. Damit war erstmals seit acht Jahren ein deutscher Verteidigungsminister auf dem 16.000 Kilometer entfernten Kontinent. Sein erster Gang führte Pistorius ins australische Parlament. Neben politischen und diplomatischen Entscheidungen geht es hier auch um den Respekt vor Australiens Geschichte und insbesondere der First Nations, denn das Parlament ist auf dem Land der First Nations errichtet. Daher nahm Pistorius an einem indigenen Ritual teil, um die Tradition der First Nations zu ehren: an der Willkommens- und Rauchzeremonie. Angehörige der First Nations entfachen ein Feuer in einer Schale und heißen den Gast willkommen. In den Flammen werden dann Eukalyptuszweige entzündet. Die Gäste stellen sich nah an das Feuer und lassen den Rauch über den Körper streichen. Dadurch sollen Geist, Körper und Seele gereinigt werden. Diese Rituale werden seit Tausenden von Jahren von den Ureinwohnern gepflegt. Durch die Teilnahme an einer solchen Zeremonie zollt man Respekt und Verständnis gegenüber den First Nations. |
von Amina Vieth