Bundeswehr plant Beendigung des Einsatzes Resolute Support in Afghanistan
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Nach fast 20 Jahren wird der Einsatz spätestens im September beendet werden. Ursprünglich hatte US-Präsident Biden den Abzugstermin 11. September genannt. Zurzeit gehen die Überlegungen im Hauptquartier von Resolute Support in Kabul in die Richtung, den Abzugszeitraum zu verkürzen. Auch der 4. Juli wird als Abzugsdatum erwogen.
Die an Resolute Support (RS) beteiligten Nationen prüfen zurzeit die daraus resultierenden Herausforderungen und Folgen. Die abschließende Entscheidung über das tatsächliche Abzugsdatum der am RS-Einsatz beteiligten internationalen Kräfte liegt unverändert bei der NATONorth Atlantic Treaty Organization.
Die Bundeswehr geht mit Stolz und gedenkt der Gefallenen und Verwundeten
Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte bereits in der letzten Woche betont: „Wir verlassen Afghanistan mit Stolz. Wir haben alle Aufträge erfüllt, die uns vom Parlament gegeben wurden.“ Die Bundeswehr sei gemeinsam mit ihren Partnern reingegangen und sie gehe gemeinsam raus. Der Einsatz in Afghanistan habe die Bundeswehr entscheidend bewegt und Generationen von Soldatinnen und Soldaten geprägt.
Insgesamt hätten seit 2002 rund 160.000 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr an den Einsätzen ISAFInternational Security Assistance Force und RS in Afghanistan teilgenommen. 59 kamen dabei ums Leben, 35 davon fielen durch Fremdeinwirkung. Auch habe die Bundeswehr viele an Körper und an Seele Verwundete zu beklagen. Es sei angezeigt, aus dem Einsatz Lehren für die Zukunft zu ziehen.
Verpflichtung auch gegenüber den Ortskräften
Die Ministerin hatte weiter deutlich gemacht, dass sich die Bundeswehr zum Ende des Afghanistaneinsatzes ihrer Fürsorgepflicht gegenüber den afghanischen Ortskräften bewusst sei. „Wir reden hier von Menschen, die zum Teil über Jahre hinweg auch unter Gefährdung ihrer eigenen Sicherheit an unserer Seite gearbeitet, auch mitgekämpft haben und ihren persönlichen Beitrag geleistet haben“, so Annegret Kramp-Karrenbauer.
Schutz für die Soldatinnen und Soldaten
Der geordnete Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan macht eine vorübergehende Verstärkung des Schutzes für die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr erforderlich. Die Ministerin hatte mehrmals deutlich gemacht: „Oberstes Ziel ist es, alle unsere Soldatinnen und Soldaten, zivilen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie internationalen Kameraden gesund und sicher in ihre Heimat zurückzubringen.“
Bundeswehr arbeitet unter Hochdruck am Abzug
In Afghanistan arbeitet die Bundeswehr unter Hochdruck und bringt erstes Material zurück nach Deutschland. Das Einsatzkontingent hat Material in einer Größenordnung von etwa 800 sogenannter Containeräquivalente identifiziert, welches nach Deutschland zurückgeführt werden soll. Darüber hinaus wurden bereits etwa 500 solcher Containeräquivalente schon nach Deutschland zurückgebracht. Besonders wichtig: der Ehrenhain aus Masar-i Scharif und die Kapelle von Camp Marmal.
Wichtige Aspekte zum geordneten Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan
Planungsschritte Im Hinblick auf das Einsatzende werden jetzt die erforderlichen Planungsschritte für das Einfliegen der sogenannten Rückverlegungs- und Verwerte-Organisation (RVO) eingeleitet. Die logistischen Transportkapazitäten wurden bereits im Vorfeld geprüft und werden nun beantragt. Das Material des deutschen Einsatzkontingents ist vollständig erfasst, priorisiert und planerisch für die Rückverlegung vorbereitet.
Logistischer Ablauf Das Material wird nach dem Maßstab seiner Entbehrlichkeit in dem vorgegebenen Zeitraum verpackt, dann der Rückverlegungs- und Verwerte-Organisation zugeführt, die als Schleuse dient, und dann nach Deutschland geflogen.
Vorbereitungen Rückverlegung Nun werden die Logistikexperten der Rückverlege- und Verwertungsorganisation erneut nach Afghanistan verlegt. Die Rückverlegungs- und Verwertungsorganisation hatte bereits in der Vergangenheit im Einsatz befindliches Material identifiziert, kategorisiert und deren Rückführung vorbereitet. Nicht genutztes Material wurde bereits verwertet, verkauft oder zurückgebracht. Außerdem wurde der Materialbestand – ausgerichtet an einer möglichst effizienten Erfüllung des Auftrages – bereits optimiert.
Verstärkungskräfte zur Sicherheit Im deutschen Verantwortungsbereich vom Train, Advise and Assist Command North (TAAC-N) zur Ausbildung, Beratung und Unterstützung sind ständig Sicherungskräfte präsent. Es werden zusätzlich weitere Geschützte Fahrzeuge noch im April nach Afghanistan verlegt.
Darüber hinaus werden in Deutschland bereitgehaltene Kräfte und Fähigkeiten zur Verstärkung aller im Camp Marmal befindlichen Truppen verlegt. Ein deutscher Mörserzug trifft in Kürze in Masar-i Scharif ein.
Das Lagebild des TAAC-N wird durch einen Mix aus boden- und luftgestützten Aufklärungsmitteln erstellt. Die Bundeswehr verfügt unter anderem über die Aufklärungssysteme Heron 1 und Aladin.
Außer dem Personal des deutschen Einsatzkontingentes stellen folgende Partnernationen eine größere Anzahl an Sicherungskräften im Camp Marmal zur Verfügung: unter anderem Georgien, Mongolei, Niederlande, Belgien. Bis Monatsende werden niederländische Verstärkungskräfte mit Mörsern und Infanterie eintreffen. Das deutsche Einsatzkontingent verfügt über Geschützte Fahrzeuge mit den dazugehörigen Waffensystemen, Aufklärungsmitteln sowie weitere Waffensysteme, Kampfmittel und Munition.
Material zur Rückverlegung Um eine Überschlagsrechnung und demnach eine Planung durchführen zu können, hat das Logistikkommando der Bundeswehr das im Einsatz befindliche Material – dazu gehören auch Fahrzeuge oder Hubschrauber – nach Gewicht und Volumen gemessen und in sogenannte Containeräquivalente umgerechnet. Das ist eine theoretische Berechnungsgrundlage, um den Transportraum für definiertes Material zu berechnen. Es handelt sich nicht um einen Container.
Das deutsche Einsatzkontingent hat derzeit Material in einer Größenordnung von etwa 800 Containeräquivalenten identifiziert, welches nach Deutschland zurückgeführt werden muss.
Material, das nicht zurückgebracht wird Ein Teil der nichtmilitärischen Gegenstände, die vor allem aus Kostengründen nicht zurückgeführt werden, wird vor Ort verkauft. Dabei handelt es sich um Verbrauchs- und Gebrauchsmaterialien wie etwa Druckerpatronen, Bürocontainer, Duschkabinen und Möbel.
Lufttransport Für die strategische Verlegung, Versorgung und Rückverlegung von und in die Einsatzgebiete stehen der Bundeswehr vertraglich zugesicherte Flüge eines gewerblichen Leistungserbringers im Rahmen des Vertrages SALIS (Strategic Airlift International Solution) für den strategischen Lufttransport zur Verfügung. Es können bis zu zehn Flüge pro Woche in das RS-Einsatzgebiet sichergestellt werden. Vorrangig sollen dazu Lufttransportflugzeuge vom Typ Antonow AN-124 genutzt werden.
Camp Marmal Das Camp Marmal wurde durch eine Überlassungsvereinbarung zwischen der afghanischen Regierung und der Bundesrepublik Deutschland der Bundeswehr zur Nutzung überlassen. In den Übergabeverhandlungen der Flächen wurde eine Rückgabe der Flächen „wie sie stehen und liegen“ durch die Bundeswehr vereinbart. Nicht verlegbare Bauten und Baugruppen einschließlich der von den NATONorth Atlantic Treaty Organization-Truppen gebauten Infrastruktur werden daher ebenfalls an Afghanistan übergeben.
Typen sowie Zahl der Fahrzeuge und Hubschrauber Bei dem geordneten Abzug der Bundeswehr werden 123 Fahrzeuge und sechs NHNATO Helicopter-90-Hubschrauber zurückgeführt. Ein weiterer Auszug der Typen: Gepanzerte Radfahrzeuge wie der Transportpanzer Fuchs, Geschützte Führungs- und Funktionsfahrzeuge wie der Dingo 2, der Eagle, das Geschützte Führungs- und Funktionsfahrzeug 1 Enok, weiterhin die G-Klasse von Mercedes-Benz sowie Fahrzeuge Toyota LC 200. Darüber hinaus Geschützte Sonderfahrzeuge wie das Berge- und Abschleppfahrzeug Bison sowie Kran- und Tankwagen. Des Weiteren Geschützte Transportfahrzeuge wie der Fünftonner-LkwLastkraftwagen 4x4 Zetros, der 15-Tonner-LkwLastkraftwagenund Feuerlöschfahrzeuge.
Ortskräfte Zurzeit beschäftigt das Deutsche Einsatzkontingent RS rund 300 afghanische Ortskräfte. Die Ministerin hat deutlich gemacht, dass sich die Bundeswehr ihrer Fürsorgepflicht gegenüber ihren afghanischen Mitarbeitern bewusst ist. Daher bietet die Bundesregierung jeder gefährdeten Ortskraft sowie ihrer Kernfamilie die Aufnahme in Deutschland an. In einer Einzelfallprüfung wird die individuelle Gefährdung der jeweiligen Ortskraft der Bundeswehr von einem Gremium der Bundeswehr geprüft und bewertet. Wird eine konkrete oder latente Gefährdung einer Ortskraft festgestellt, wird eine Empfehlung der Bundeswehr ausgesprochen, eine Aufnahmezusage durch das Bundesministerium des Innern (BMIBundesministerium des Innern) zu erteilen.
Seit Beginn des Ortskräfteverfahrens im Jahre 2013 wurden 781 Ortskräfte in Deutschland aufgenommen. Alle ehemaligen Ortskräfte haben unabhängig vom Ortskräfteverfahren die Möglichkeit, sich mit einem Aufnahmeersuchen über das weltweit übliche Verfahren zur Aufnahme von Ausländern im Bundesgebiet an die deutsche Auslandsvertretung in Afghanistan zu wenden. Hierbei wird die frühere Beschäftigung bei der Bundeswehr in Afghanistan berücksichtigt.