Grußwort des Staatssekretär Schmidt, anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Deutschen BundeswehrVerbandes am 20. September 2006 in Berlin
Berlin, 21.09.2006.
Es gilt das gesprochene Wort
Ganz besonders freue ich mich, dass so viele Ehemalige - und mit Herrn Pitzka und Herrn Schiller sogar zwei aus den ersten Stunden der Verbandsarbeit - heute anwesend sind. Sie können stolz darauf sein, den BundeswehrVerband auf den Weg gebracht und zu einem wirksamen Instrument geformt zu haben.
Damit haben erstmals in der deutschen Geschichte Soldaten eine demokratische Interessenorganisation geschaffen.
Später leistete der BundeswehrVerband auch auf europäischer Ebene Pionierarbeit. Denn er hat 1972 den EUROMIL-Verband mitbegründet, der Soldatenverbände in Europa bei ihrem Eintreten für Koalitionsfreiheit, Mitbestimmung und Beschwerderecht unterstützt.
Meine Damen und Herren!
Die 55 Gründungsmitglieder des BundeswehrVerbandes erkannten, dass auch die Soldaten der neuaufgestellten Bundeswehr als Armee in der Demokratie einer Interessenvertretung gegenüber der Politik bedurften.
Auslösendes Ereignis war die schlechte soziale Absicherung der Hinterbliebenen eines Kameraden, der einen tödlichen Unfall erlitten hatte.
Schnell wurde die Idee geboren, selbst etwas zu tun. Dazu gehörte nicht nur Eigeninitiative, sondern auch viel Mut; denn so manche Vorgesetzte standen einer solchen Selbsthilfeorganisation skeptisch gegenüber.
Spontan haben Soldaten sich dazu entschieden, an diesem Zukunftsprojekt teilzunehmen. Manche wurden, wie es ein Gründungsmitglied beschrieb, mit den Worten "Komm, wir gründen den BundeswehrVerband" einfach zur Gründungsversammlung mitgenommen.
Bei dieser Versammlung am 14. Juli 1956 in Munster waren Visionäre am Werk. Sie ahnten, dass dies ein großer Tag für die Bundeswehr werden würde. Mit viel Weitblick definierten sie die Aufgaben des neuen Verbandes. Ihre Leitmaxime gilt unverändert, nämlich dort spezifische Regelungen durchzusetzen, wo die besonderen Umstände des Soldatenberufs dies erfordern. Besonders anerkennenswert ist, dass schon damals die sozialen Belange der Familienangehörigen von Soldaten ausdrücklich in die Verbandsarbeit eingeschlossen wurden.
Meine Damen und Herren!
Es waren die Grundsätze der Inneren Führung, die den Soldaten Koalitionsfreiheit ermöglichten und sie ermutigten, ihre Interessen auch gegenüber Politik und Gesellschaft zu vertreten.
Der Deutsche BundeswehrVerband hat diese Möglichkeit beherzt ergriffen und durch sein Engagement vorgelebt, was es bedeutet, Armee in der Demokratie zu sein. Sein Erfolg ist daher eng mit der Inneren Führung verbunden. Aus diesem Grund hat der Deutsche Bundeswehrband mit seinem Bildungswerk, der Karl-Theodor-Molinari Stiftung, viel für ihre Weiterentwicklung getan.
In einer noch zu schreibenden Geschichte der Inneren Führung hätte der BundeswehrVerband einen festen Platz.
Wie wertvoll die Arbeit des Deutschen BundeswehrVerbandes für die Bundeswehr ist, hat sich vor allem in politischen Umbruchsituationen gezeigt. Ich denke dabei insbesondere an die Wiedervereinigung unseres Landes.
Der Deutsche BundeswehrVerband hat wesentliche Beiträge dafür geleistet, dass die Integration von Soldaten der ehemaligen Nationalen Volksarmee weitgehend reibungslos erfolgte und die Menschen in den neuen Bundesländern der Bundeswehr schnell Vertrauen schenkten.
Dafür hat der damalige Justitiar im Deutschen BundeswehrVerband, Bernhard Gertz, wichtige Grundlagen geschaffen.
Mit einem "Zwischenruf" im Verbandsmagazin hatte er eine hitzige Debatte über die Frage der Zusammenarbeit von Soldaten der Bundeswehr mit den Angehörigen der ehemaligen NVA ausgelöst. Ihre klaren Worte und fein geschliffenen Argumente, sehr geehrter Herr Gertz, haben damals dazu beigetragen, mehr auf die Gemeinsamkeiten als auf die Unterschiede zu achten und Ausgrenzungen zu vermeiden. Ihnen spreche ich dafür stellvertretend für alle Mitglieder und Mandatsträger des BundeswehrVerbandes meine persönliche Anerkennung aus.
Meine Damen und Herren!
Beteiligung ist ein wichtiger Bestandteil des Berufs- und Selbstverständnisses der Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr.
Die unterschiedlichen Beteiligungsformen in der Bundeswehr haben sich bewährt und sind unverzichtbar für die Gestaltung der Anpassungsprozesse, die der Bundeswehr heute im Zuge ihrer Transformation abverlangt werden.
Nur durch Beteiligung wird es uns gelingen, das große Ideen- und Innovationspotential unserer Mitarbeiter zu gewinnen, um die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr kontinuierlich zu verbessern.
Dass Transformation immer auch die sozialen und rechtlichen Rahmenbedingungen des soldatischen Dienstes umfassen muss, darauf hat der Deutsche BundeswehrVerband zu Recht eindringlich hingewiesen.
Denn wenn die Menschen die in Transformationsprozessen unvermeidbaren Belastungen in konstruktiver Weise akzeptieren sollen, dann müssen ihnen Sorgen an anderer Stelle abgenommen werden.
Auch aufgrund des demographischen Wandels wird die Bundeswehr künftig noch mehr Wert darauf legen müssen, die Attraktivität des Arbeitsplatzes Bundeswehr zu erhalten. Zur Attraktivität gehört, dass die Soldaten mit dem Deutschen BundeswehrVerband ein Sprachrohr haben, um Mängel und Ungerechtigkeiten nicht nur innerhalb der Bundeswehr, sondern auch gegenüber Politik und Gesellschaft zu artikulieren.
Wir suchen gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten. So geben wir den Streitkräften ein menschliches Gesicht und tragen zur Attraktivität des soldatischen Dienstes bei. Dies ist ein wichtiges Stück Zukunftsvorsorge!
Sehr geehrte Damen und Herren, Mandatsträger, Mitarbeiter und Freunde des Deutschen BundeswehrVerbandes, lieber Herr Gertz!
Ich begrüße die enge Zusammenarbeit, die Bundeswehr und Deutscher BundeswehrVerband pflegen und die auf eine nunmehr 50 Jahre lange Tradition zurückblicken kann.
Zum Selbstverständnis des Verbandes gehört es, Politiker und Offiziere bzw. Beamte in hohen ministeriellen Verwendungen nicht als Gegner, sondern als Partner für eine gemeinsame Problemlösung zu sehen.
Das schließt mahnende und kritische Worte, ja gelegentlich auch Konflikte nicht aus. Häufig resultieren unterschiedliche Positionen jedoch daraus, dass durchaus legitime Forderungen des Verbandes angesichts knapper Haushaltsmittel nicht erfüllbar sind. Dies hat aber der stets guten und vertrauensvollen Zusammenarbeit keinen Abbruch getan.
Der BundeswehrVerband hat in 50 Jahren viel erreicht. Bleiben Sie ein kritischer und konstruktiver Begleiter und verlieren Sie nie aus den Augen, worum es geht: um das Wohl und die Interessen des Einzelnen und um unsere Bundeswehr als Instrument der deutschen Sicherheits- und Verteidigungspolitik als Ganzes.
Ich selbst werde weiterhin aktiv das offene und klare Gespräch vor allem mit Ihnen, lieber Herr Gertz, suchen und freue mich auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit.
Vielen Dank.








