Original-Objekte zum militärischen Widerstand erstmals zu sehen
Berlin, 21.08.2009.
Auf den ersten Blick sind es nur ein paar Worte, die mit Bleistift auf einen Notizzettel geschrieben wurden. Doch es ist das Originaldokument eines Widerstandskämpfers vom 20. Juli 1944 : Der Abschiedsbrief von Wessel Baron Freytag von Loringhoven – einem Freund von Claus Schenk Graf von Stauffenberg – der den Sprengstoff für das Attentat auf Adolf Hitler besorgte. Ein Objekt von mehr als einem Dutzend, das anlässlich des Tags der offenen Tür im Verteidigungsministerium am 22. und 23. August erstmals zu sehen ist.

In der Vitrine im Besucherdienst des Verteidigungsministeriums reihen sich an diesem Wochenende eine größere Anzahl von Objekten zum militärischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus aneinander. Neben dem Abschiedsbrief, der noch die Blutspuren des Barons trägt, finden sich Fotos, Dokumente, Bücher und Orden von Generalsmajor Hans Oster, von Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben oder Generaloberst Ludwig Beck. Auch persönliche Dokumente von Generalmajor Henning von Tresckow sind erstmals zu sehen.
In akribischer Kleinarbeit hat sich die Historikerin am Militärhistorischen Museum (MHM) der Bundeswehr in Dresden, Linda von Keyserlingk, drei Jahre lang auf die Suche begeben und die Nachkommen der Widerstandskämpfer ausfindig gemacht. „Nach und nach öffneten sich Türen und Schubladen und wahre Schätze kamen zum Vorschein
“, weiß Jan Kindler, Medienhistoriker im MHM zu berichten, der an diesem Wochenende zusammen mit seiner Kollegin die Präsentation betreut.

Präsentation ein Appetithappen auf Gesamtangebot des Museums
Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr ist in diesem Jahr das erste Mal beim Tag der offenen Tür im Verteidigungsministerium zugegen. Und gleich zwei Botschaften möchten die Verantwortlichen den interessierten Besuchern mit auf den Weg geben.
„Viele kennen uns und unser breites Angebot bisher noch gar nicht. Wir sind hier, um uns einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu mache
“, so Kindler. Es sei eine sehr gute Gelegenheit, um Leute zu erreichen, die sich für die Bundeswehr interessieren.
Der Ansatz vom MHM ist jedoch nicht allein auf die Militärgeschichte eingeschränkt, sondern allgemein historisch und eng mit gesellschaftlichen Entwicklungen und Kulturgeschichte verknüpft. Die Präsentation rund um den 20. Juli 1944 ist ein Appetithappen auf noch viel mehr, was den Besucher in Dresden erwarten wird, wenn das Museum Ende 2010 nach der inhaltlichen und architektonischen Umgestaltung fertig gestellt sein wird.
Dr. Gorch Pieken, der wissenschaftliche Leiter der Neukonzeption, wird die neuen Pläne den Besuchern ausführlich vorstellen.

Netzwerk des 20. Juli
Aufgrund der Nähe zur Gedenkstätte Deutscher Widerstand entschloss sich das Museums-Team aus Dresden, zusätzlich diese Sachzeugen der zentralen Persönlichkeiten des 20. Juli zu zeigen. Dabei geht es um keine unkritische Heldenverehrung, sondern um einen individuellen Zugang zu verschiedenen Biografien des Widerstandes, erläutert Kindler.
Während die benachbarte Gedenkstätte mit der Aura des historischen Ortes arbeitet, setzen der Medienhistoriker und sein Team darauf, Geschichte auch anhand von Originalobjekten zu erzählen. „Neuere Forschungsergebnisse beweisen, dass nicht nur wenige Leute in den Widerstand involviert waren, sondern dass es ein richtiges Netzwerk des 20. Juli gab
“, hebt Kindler hervor.
Am 22. August von 10 bis 19 Uhr und am 23. August von 10 bis 18 Uhr besteht für interessierte Besucher die Möglichkeit, sich zum einen die Exponate anzuschauen und sich gleichzeitig über das MHM zu informieren. Treffpunkt ist im Besucherdienst – dort, wo auch die Führungen durch den Bendlerblock angeboten werden. Rund eine halbe Stunde dauert die Präsentation.


