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Briten trauern um Soldatin

Berlin, 11.07.2008.
Die sich verschärfende Sicherheitslage in Afghanistan – mit Sarah Bryant bekommt sie für die Briten ein weiteres, ein weibliches Gesicht. Die Soldatin wurde vor drei Wochen bei einem Anschlag in der Provinz Helmand getötet. Die britische Öffentlichkeit nimmt großen Anteil an ihrem Tod.

Hochzeitsfoto von Sarah Bryant und ihrem Ehemann
Hochzeit vor zweieinhalb Jahren: der Ehemann ist auch Soldat (Quelle: BRITISH MINISTRY OF DEFENCE/AFP/Getty Images)Größere Abbildung anzeigen

Das Foto zeigt sie in einem eleganten weißen Hochzeitskleid mit Schleier und Krönchen, ihr Mann trägt Uniform, sie stehen Arm in Arm vor der Kirche, haben sich gerade das Ja-Wort gegeben. Dieses Hochzeitsfoto von Corporal Sarah Bryant und ihrem Ehemann Carl, ebenfalls Corporal, entstand vor zweieinhalb Jahren für das Familienalbum. Vor wenigen Wochen wurde es auf vielen Titelseiten britischer Zeitungen veröffentlicht. Corporal Sarah Bryant starb am 17. Juni 2008 als erste britische Soldatin während ihres Einsatzes in Afghanistan.

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Mediale Aufarbeitung ihrer Lebensgeschichte

Die 26-Jährige wurde bei einer Explosion in der Provinz Helmand im Süden des Landes getötet. Das Militärfahrzeug, in dem sie zusammen mit vier weiteren Soldaten saß, fuhr auf eine Mine. Drei Insassen starben mit ihr, der vierte wurde verletzt. Die britische Öffentlichkeit nimmt großen Anteil an dem Tod von Sarah Bryant, ausgelöst durch eine breite mediale Aufarbeitung ihrer Lebensgeschichte. „Meine Frau starb als Heldin“, wird ihr Ehemann zitiert. Er sei so unglaublich stolz auf sie. Lustig sei sie gewesen, aufrichtig, sie werde immer in seinem Herzen sein, betont der Soldat, der im gleichen Regiment dient. Sie habe ihre Aufgabe als Soldatin über alles geliebt, sagen ihre Eltern. Sarah habe um die Gefahren gewusst, sie war aber dort, wo sie sein wollte und musste. Verlässlich, hoch qualifiziert und professionell sei sie gewesen, das bescheinigen ihr auch ihre Vorgesetzten. Nicht umsonst habe sie kurz vor einer Beförderung zum Sergeant gestanden.

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Porträt von Sarah Bryant
Stolz: Sarah Bryant war Soldatin aus Überzeugung. (Quelle: BRITISH MINISTRY OF DEFENCE/AFP/Getty Images)Größere Abbildung anzeigen

Anschlag weiterer Negativ-Höhepunkt

Seit dem 21. Januar 2002 war die in Liverpool Geborene in der Armee als Angehörige des „Intelligence Corps“ (Nachrichtengewinnung), dort eingesetzt in der psychologischen Kriegsführung. Zwischenzeitlich war sie während ihrer Ausbildung auch in Herford stationiert gewesen. Einen Einsatz im Irak hatte sie bereits absolviert, bevor sie am 15. März nach Afghanistan kam, eine von insgesamt 700 Soldatinnen unter rund 8.000 britischen Soldaten. Hier setzte die Soldatin ihre Kenntnisse in Pashtu ein. Dieser Anschlag markiert einen weiteren Negativ-Höhepunkt im Juni, insbesondere für Großbritannien: Neun britische Soldaten wurden innerhalb von zehn Tagen in der Gegend von Helmand, im Süden Afghanistans, getötet. Die Zahl der Opfer, die die Nato zu beklagen hat, erreicht damit das höchste Niveau seit dem Sturz der radikalislamischen Taliban Ende 2001. Im Mai hatte die Zahl der Opfer im Land am Hindukusch erstmals die im Irak überschritten.

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Aufbau der afghanischen Armee – eine Erfolgsgeschichte

Zwei Tage vor diesem tödlichen Anschlag hatte der britische Verteidigungsminister Des Browne angekündigt, mehr als 8.000 Soldaten ab dem Frühjahr 2009 in Afghanistan einsetzen zu wollen. Diese Entscheidung sei Teil eines Plans, das Augenmerk der britischen Anstrengungen zurück auf den Wiederaufbau und das Training der afghanischen Streitkräfte und Polizei zu richten, schrieb die Times online. 230 zusätzliche Soldaten von der Insel insgesamt, das bedeute zwar keine signifikante Erhöhung und auch keine Ausweitung des britischen Engagements, so Browne. „It means we are taking the steps necessary to take our mission forward as effectively as we can“ („Das bedeutet, dass wir die nötigen Schritte einleiten, um unseren Auftrag so effektiv wie möglich zu erledigen“). Als „Erfolgsgeschichte“ bezeichnete der Politiker den Aufbau der afghanischen Armee. Der Aufbau einer effektiven Polizei dagegen sei eine noch schwierigere Aufgabe. Die zusätzlichen Kräfte sollen nicht zuletzt auch für mehr Sicherheit für die britische Armee insgesamt sorgen.

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Trauergäste auf der Beerdigung von Sarah Bryant
Beiseitzung in der Holy Trinity Church in Wetheral (Quelle: Getty Images/Furlong)Größere Abbildung anzeigen

Hunderte Trauernde geben Soldatin letztes Geleit

Die sich verschärfende Sicherheitslage in Afghanistan – mit Sarah Bryant bekommt sie für die Briten ein weiteres, ein weibliches Gesicht. Die Öffentlichkeit nimmt auch an der Trauerzeremonie großen Anteil. Im Anschluss an die familieninterne Trauerfeier in einer Kirche am Militärstützpunkt Lyneham in Wiltshire setzt sich der Trauerzug durch die kleine Stadt Wootton Bassett in Bewegung. Rechts und links der Straße geben hunderte Trauernde den getöteten Soldaten das letzte Geleit. „To an English rose and her comrades. Rest in peace“ („Für eine englische Rose und ihre Kameraden. Ruht in Frieden“), so steht es auf der Schleife eines Trauerkranzes am Ehrenmal der Stadt. Die englische Rose – Assoziationen und Erinnerungen an Lady Diana werden hier geweckt. Alle sollen sie so in Erinnerung behalten, wie sie gewesen ist, wünscht sich Maureen Feely, die Mutter von Sarah Bryant. Und ihr Vater, Des Feely, zitiert in seinem großen Leid Winston Churchill: „Never have so many owed so much to so few.“ („Nie haben so viele so wenigen etwas geschuldet“). Von den rund 3.500 deutschen Soldaten, die in Afghanistan ihren Dienst tun, sind rund 170 weiblich.

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Bilder


Stand vom: 25.07.2008 | Autor:

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