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Kommunikation ist meine Aufgabe: Ein Jugendoffizier im Interview

Berlin, 10.07.2008.
Wenn Hauptmann Thomas Erken eine typische Handbewegung machen sollte, dann hielte er sicher einen Telefonhörer am Ohr. Vermitteln und organisieren sind sein Tagesgeschäft. Erken ist 29 Jahre alt und seit April 2007 Jugendoffizier in Freiburg. Im Interview erzählt er aus seinem Alltag als Öffentlichkeitsarbeiter der Bundeswehr.

Hauptmann Thomas Erken
Jugendoffizier Hauptmann Thomas Erken (Quelle: Bundeswehr/Honerlage)Größere Abbildung anzeigen

Herr Erken, Sie waren gerade eine Woche mit Schülern unterwegs und haben dabei Stationen wie Bundeskanzleramt, Auswärtiges Amt und Verteidigungsministerium besucht. Wie lief’s?

Die Schüler waren recht frei in ihrem Auftreten. Das freut mich, denn je höher die Kontakte sind, die wir besuchen, desto größer ist oft die Scheu der Schülerinnen und Schüler, Fragen zu stellen. Nichts ist schlimmer für einen Jugendoffizier, als wenn keine Fragen kommen.

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Die Initiative zu dem Thema kam von der Lehrerin der Klasse. Was konnten Sie dazu beisteuern?

Dadurch, dass es eine recht kurzfristige Anfrage gewesen ist, konnte ich nicht mehr alle Punkte unterbringen, die ich gern umgesetzt hätte. Aber ich denke, dass ich eine gute Lösung für die Schüler gefunden habe: einen Mittelweg zwischen Vorträgen und Diskussionen, Kulturangebot und Berlintrip.

Neben dem Termin im Bundespresseamt und bei Innenminister Schäuble, die über die Lehrerin kamen, habe ich noch über Kontakte kurzfristig einen Termin im Bundeskanzleramt und im Bundesministerium der Verteidigung bekommen. Außerdem waren wir im Auswärtigen Amt, im Deutschen Bundestag und in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand.

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Ein klangvolles Programm. Worauf kommt es bei der Organisation einer solchen Fahrt an?

Die Herausforderung bei solchen Schülerfahrten ist auch, den Preis niedrig zu halten. Viele Schüler können sich nicht einmal ein Schulessen leisten. Gerade vor dem Hintergrund der Diskussion, die wir in Deutschland gerade führen, ist es wichtig, ein gutes und bezahlbares Angebot zu erstellen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir hier die goldene Mitte getroffen haben.

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Die Woche in Berlin ist üblicherweise ein Programm für Referendare. Haben Sie so etwas vorher schon mit Schülern gemacht?

Ja, aber das muss leider eine Ausnahme bleiben, da die Mittel der Öffentlichkeitsarbeit begrenzt sind. In Freiburg organisieren wir öfter Tagesfahrten zu einem bestimmten Thema, wie alte Kriege und neue Konflikte.

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Können Sie dazu ein Beispiel nennen?

Freiburg liegt im Dreiländereck Deutschland, Frankreich, Schweiz. Da finden mit der Beziehung zu Frankreich europäische Geschichte und europäische Gegenwart zusammen.

Zum Beispiel am Hartmannswiller Kopf, das ist eine Gelände, wo sich Deutsche und Franzosen im Ersten Weltkrieg blutige Gefechte um einen Höhenzug geliefert haben. Da fahren wir mit den Schülern hin.

Bei uns ist auch die Deutsch-Französische Brigade stationiert. Die haben wir bei einer Übung besucht, als diese die European Battlegroup übernommen hat, eine schnelle Eingreiftruppe der europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik.

In der Nähe liegt Verdun. So konnten wir Vergangenheit und Gegenwart gegenüberstellen: zwei große Nationalstaaten, die sich in einer ererbten Feindschaft gegenüberstanden, diese Feindschaft aber im Laufe der Zeit überwunden haben und sich jetzt gemeinsam für sicherheitspolitische Themen engagieren.

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Schülergruppe
Ein anspruchsvolles Publikum (Quelle: Bundeswehr/Honerlage)Größere Abbildung anzeigen

Was ist Ihr Patentrezept, um bei den Jugendlichen anzukommen?

Ich weiß gar nicht, ob ich ein Patentrezept habe. Ich muss mich auf jede Gruppe neu einstellen. Es ist immer auch eine Frage, was für eine Klasse ich habe: eine Haupt-, Realschul- oder eine Gymnasialklasse. Da sind meist die Interessensschwerpunkte ganz andere. Wenn ich aus einer Schulklasse hinausgehe, die vorher skeptisch war und am Ende sagt: ‚Mensch, das hat uns doch was gebracht‘, dann ist das ein Erfolgserlebnis.

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Haben Sie auch mit Vorurteilen zu kämpfen?

Bei den Schülern eher selten. Wenn ein Offizier der Bundeswehr kommt, wird schon vorher gefragt: „Was will denn der hier, will der mich werben?“ Aber das ist die Ausnahme. Wo ich gelegentlich auf Vorurteile stoße, ist bei den Lehrern. Wenn ein Lehrer einen Jugendoffizier einlädt, dann muss er sich im Kollegenkreis durchaus schon mal auf die ein oder andere kritische Bemerkung gefasst machen.

Ich lade aber jeden kritischen Lehrer dazu ein, dem Unterricht beizuwohnen, zuzuhören und am Ende auch Fragen zu stellen. Kommunikation ist meine Aufgabe.

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Wie sieht der Alltag eines Jugendoffiziers aus?

Bisher habe ich die Arbeit bei der Bundeswehr als einen der abwechslungsreichsten Berufe kennengelernt, die ich mir vorstellen kann. Jugendoffiziere sind jeden Tag in einem anderen Vortrag drin, organisieren oder planen.

In letzter Zeit beschäftige ich mich primär mit der Organisation von Seminaren. Ich hüpfe von Messen zu Schulvorträgen zu Seminaren und Seminarvorbereitungen und habe dabei ständig ein Telefon in der Hand. Aber das macht mir Spaß.

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Halten Sie das Konzept des Jugendoffiziers für erfolgreich?

Ja, auf jeden Fall. Sonst würden wir wahrscheinlich nicht schon 50 Jahre existieren (lacht). Jugendoffiziere sind einzigartig. Es gibt viele Institutionen in Deutschland, die sich mit sicherheitspolitischen Themen auseinandersetzen, aber kein anderes Ministerium vermittelt Sicherheitspolitik auf diese Art und Weise.

Wir haben 94 Jugendoffiziere, die ganz Deutschland abdecken. Wir gehen raus und stellen uns der Diskussion. Wir vermitteln eine Thematik, die bei vielen auf „Freundliches Desinteresse“ stößt, wie es der Bundespräsident Horst Köhler formulierte. Insbesondere bei Schülern.

Für viele ist der Jugendoffizier der einzige Ansprechpartner, wenn es um die Bundeswehr geht. Oder der erste Kontakt, den sie zur Bundeswehr haben.

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Wie muss der Prototyp eines Jugendoffiziers aussehen?

Er muss kommunikativ sein. Er muss aber auch zuhören können. Er muss schwierige Themen einfach wiedergeben können, denn Sicherheitspolitik ist ein schwieriges Thema. Außerdem muss er umdenken können, rauskommen aus seinem militärischen Denken.

Lehrern und Schülern kann ich nichts befehlen, da muss ich Kompromisse eingehen. Trotzdem muss ich meine Linie durchziehen, sonst mache ich mich unglaubwürdig. Aber der Kopf ist rund, damit die Gedanken auch mal die Richtung wechseln können.

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Stand vom: 22.12.2008 | Autor: Simone Honerlage

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