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Einen Moment der Stille erleben

Berlin, 29.05.2009.
Den Bauschutzhelm hat er unter dem Arm eingeklemmt, als Professor Andreas Meck zum Gespräch erscheint. Der Architekt des Ehrenmals der Bundeswehr kommt gerade von der Baustelle, auf der er sich persönlich ein Bild vom Stand der Arbeiten gemacht hat.

Professor Andreas Meck im Porträt
Im Gespräch mit dem Architekten (Quelle: Bundeswehr/Bienert)Größere Abbildung anzeigen

Die Arbeiten laufen sehr präzise ab und sind sehr schön ausgeführt worden“, resümiert der Münchner gleich zu Beginn. „Wir sind voll im Zeitplan.“ Regelmäßig kontrolliert Meck selbst die Baufortschritte am Bendlerblock und ist mit der Qualität bisher rundherum zufrieden.

Allerdings plagt ihn ein dicker Wermutstropfen. „Was enttäuschend für mich ist, sind die Bäume an der Hildebrandtstraße, die aus der Sicht des von außen kommenden Besuchers die Ansicht auf das Ehrenmal sehr stark verdecken“, erklärt der Architekt, der seit nunmehr zwanzig Jahren sein eigenes Büro hat.

Ich hatte die Vorstellung, dass die Bäume an dieser Stelle fehlen. Dass sich der Blick von der Straße weitet und das Ehrenmal präsenter vom Straßenraum wird.“ Da gilt es aus seiner Sicht noch nachzusteuern. Es handle sich dabei schließlich nicht nur um ein ästhetisches Problem, sondern dies könnte auch sicherheitsrelevant sein. „Die Äste könnten gegen die Fassade schlagen und damit die Alarmeinrichtungen auslösen“, befürchtet er.

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Bauwerk von nationaler Bedeutung

Wie man sich fühle, ein Bauwerk von nationalem Interesse zu konzipieren? „Es löst natürlich Adrenalinschübe aus, wenn man weiß, dass das Projekt nicht irgendwo im Hinterhof steht, sondern öffentlich zugänglich ist und öffentlich diskutiert wird“, so Meck, der auch Professor für Entwerfen und Baukonstruktion an der Hochschule in München ist.

Die nationale Bedeutung generiere sich schon allein aus der Aufgabe selbst heraus, ein Ehrenmal für die Bundeswehr zu bauen. „Es ist wichtig, dass dies in Berlin, in der Hauptstadt, steht“, betont er.

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Andreas Meck kontrolliert die Abstände der Paneelen des Bronzekleides
Meck macht sich regelmäßig ein Bild vor Ort (Quelle: Bundeswehr/Bienert)Größere Abbildung anzeigen

Kleinere Bauprojekte genauso wichtig wie große

Das Ehrenmal sei selbstverständlich etwas Besonderes in der Reihe seiner Projekte. „Ich habe mir aber vorgenommen, alle Projekte, die ich mache, gleichermaßen ernst zu nehmen. Die kleinen Bauaufgaben genauso wie die großen. Dies betrachte ich einfach als meine Berufsehre.“

Dennoch sei es ein ganz eigener Prozess, der in Gang gesetzt wird, wenn man Dinge macht, die im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen. Er genieße es allerdings, wenn der Rummel um seine Person in der Planungs- und Realisierungsphase nachlässt. „Das finde ich sehr angenehm. Das brauch ich auch, um in Ruhe kreativ zu sein“, unterstreicht er.

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Stimmung von Räumen einfangen

Grundsätzlich neu sei die Aufgabe für ihn nicht gewesen. „Ich beschäftige mich seit einigen Jahren mit der Thematik, die Stimmung von Räumen einzufangen.“ Dieser Gedanke ziehe sich durch viele seiner Projekte wie ein roter Faden.

So hat er im Jahr 2000 beispielsweise eine Aussegnungshalle in München-Riem fertiggestellt, verschiedene kirchliche Projekte in Süddeutschland realisiert, genauso wie sachgerechte Lösungen zur Kombination von Wohnen und Arbeiten gefunden. Immer ging es dabei um Raumkonzeptionen und Raumkultur.

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Andreas Meck auf der Baustelle
Genaue Absprachen bis ins kleinste Detail (Quelle: Bundeswehr/Bienert)Größere Abbildung anzeigen

Ergebnis eines jahrelangen Prozesses

Die verschiedenen Ideen, die sich in der Konzeption des Ehrenmals widerspiegeln – wie zum Beispiel die Verwendung der halben Erkennungsmarke – resultieren dabei nicht aus einem einzigen Kreativitätsschub. Dabei handelt es sich eher um einzelne Ergebnisse jahrelanger Prozesse, die in dieses spezielle Projekt mit einfließen.

Ein klassisches Element, mit dem ein Architekt arbeitet, ist die Konzeption eines Ortes, erklärt Meck. Der Architekt beginnt die Arbeit an einem architektonischen Gerüst und orientiert sich an diesem. „Wenn man sich in den einzelnen Aspekten mit der Aufgabe auseinandersetzt, dann kommt die Inspiration sozusagen ganz von alleine“, so Meck.

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Fruchtbare Diskussion

Die Diskussion über seinen Ehrenmal-Entwurf erlebt er als sehr fruchtbar. „Wenn man seinen Beruf ernst nimmt, dann ist das bei jedem Bauwerk so. Jede Architektur, die Sie irgendwo hinstellen, ist ein Bestandteil der Stadt, eines Ortes. Erzeugt neue Zusammenhänge. Regt manchmal Leute auf, regt manchmal Leute an. Wenn Sie zum Beispiel eine Kirche bauen, ist es ähnlich – sie dominiert schließlich den Ort. Viele Leute gehen da hin, es ist ein öffentlicher Ort.

Ein öffentlicher Ort – Das soll auch das Ehrenmal der Bundeswehr sein. Es soll öffentliches Erinnern erlauben und zugleich individuelles Trauern und Gedenken ermöglichen, sagte der Architekt bei der Grundsteinlegung im November 2008. „Wir haben dafür eigens ein Konzept entworfen, und zwar das der verschiebbaren Wand. Es sieht vor, das Ehrenmal die meiste Zeit des Jahres öffentlich von der Straße aus zugänglich zu machen. Eine große Schiebewand wird die Seite zum Paradeplatz hin abschließen.“

Die Schiebewand könne genauso zur Straße hin verschoben werden, sodass das Ehrenmal offen ist zum Paradeplatz hin. „Man kann beide Arten von Öffentlichkeit erzeugen, ohne dass das Ehrenmal Schaden nimmt“, resümiert der Münchner.

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Andreas Meck auf der Baustelle
Rundgang auf der Baustelle (Quelle: Bundeswehr/Bienert)Größere Abbildung anzeigen

Die Namen leuchten wie aus dem Nichts auf

Ein Element der individuellen Trauer ist die Nennung der Namen derjenigen, die in Folge der Ausübung ihrer Dienstpflichten für die Bundesrepublik Deutschland ihr Leben verloren haben. „Diese Namen scheinen auf – und zwar in einer Art, bei der Sie als Besucher nicht erkennen können, wie das technisch gelöst worden ist“, so Meck.

Dafür wird eigens ein sogenannter transluzenter Beton verwendet, der hinterleuchtet wird. Im Beton sind dabei Glasfasern aus der Medizintechnik „verlegt“, die natürliches Licht – ebenso wie Kunstlicht – nahezu verlustfrei durch den ansonsten blickdichten Werkstoff leiten, so erklärt es die Firma aus Heinsberg, die dieses Material liefert.

Licht, Schattenwürfe und Farben sind durch den Beton zu sehen. „Die Namen leuchten sozusagen aus dem Nichts auf dem Beton auf: Das Licht nimmt in einer kurzen Phase zu und dann steht dieser Name einige Sekunden, bevor er wieder ausgeblendet wird und ins Nichts zurückgeht.

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Selbstverständlich den Zweck erfüllen

Sieht er sich denn eigentlich vom Selbstverständnis eher als Architekt oder als Künstler? Einhundertprozentig gelöst sei das aus seiner Sicht nicht. „Die Architektur ist ja ohnehin etwas, was auf der einen Seite Kunst ist. Auf der anderen Seite muss man aber auch den Pragmatismus mitbringen, um das Ganze auch umsetzen zu können.

Er wünsche dem Ehrenmal jedenfalls, dass es auf selbstverständliche Weise seinen Zweck erfüllt, wofür es gebaut beziehungsweise konzipiert worden ist. „Wenn man in eine Kirche kommt und beim Betreten des Raumes kurz still wird, sozusagen einen Augenblick der inneren Andacht entwickeln kann, das ist der Moment, in dem man kurz von der Welt entrückt ist. Wenn das auch beim Ehrenmal so funktioniert, dann ist für mich der Erfolg eingetreten.

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Stand vom: 04.09.2009 | Autor:

http://www.bmvg.de/portal/a/bmvg/ministerium/ehrenmalderbundeswehr/der_architekt