Zeremonie am Bendlerblock
Berlin, 27.11.2008.
Verteidigungsminister Dr. Franz Josef Jung hat mit einer feierlichen Zeremonie den Grundstein zum Ehrenmal der Bundeswehr gelegt. Es entsteht auf dem Gelände des Bendlerblocks am Sitz des Verteidigungsministeriums.

„Dieses Ehrenmal wird all denen gewidmet, die als Angehörige der Bundeswehr in Folge der Ausübung ihrer Dienstpflichten für die Bundesrepublik Deutschland ihr Leben verloren haben“,
sagte Minister Jung. „Wir schaffen hier einen zentralen Ort des Gedenkens; einen Ort der öffentlichen wie auch der privaten Erinnerung und Trauer.“
Kränze, Blumen und Erinnerungsstücke könnten dort abgelegt werden.
Die Grundsteinlegung wurde von vielen hochrangigen Gästen aus den Streitkräften und der Wehrverwaltung sowie aus Politik und Gesellschaft begleitet. Darunter waren der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Wolfgang Schneiderhan, der Präsident des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, Florian Mausbach, die Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch und viele Abgeordnete des Bundestages.
Symbolkraft für den soldatischen Dienst
Die Architektur des Ehrenmals stelle einen unmittelbaren Bezug zwischen Bundeswehr und Gesellschaft her. Es versinnbildliche das Besondere des soldatischen Dienstes, sagte Jung, „den Einsatz von Leib und Leben.“
Seit Gründung der Bundeswehr 1955 sind mehr als 2.900 Bundeswehrangehörige im Dienst ums Leben gekommen. Die Pflicht zum treuen Dienen schließe auch die Bereitschaft ein, das eigene Leben einzusetzen. „In den vergangenen Monaten haben wir mehrmals auf schmerzliche Weise die Konsequenzen dieser Forderung erfahren müssen“, sagte Minister Jung. Staat und Gesellschaft verlangten einen schwierigen und oft gefährlichen Auftrag von ihren Soldaten. „Deshalb ist es unsere Aufgabe, alle in ehrender Form in Erinnerung zu behalten.“
Der Verteidigungsminister selbst hatte im Jahr 2005 die Initiative zum Bau des Ehrenmals der Bundeswehr ergriffen. Auch der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Wolfgang Schneiderhan, unterstützte das Projekt. In enger Abstimmung mit weiteren an der Planung beteiligten Ministerien und Behörden entschied eine Findungskommission schließlich im Mai 2007 für den Entwurf von Professor Andreas Meck.

Schnittstelle zur Öffentlichkeit
„Mit dem Berliner Dienstsitz des Bundesministeriums der Verteidigung haben wir einen geeigneten Standort für das Ehrenmal der Bundeswehr gefunden“,
sagte Jung. In Berlin würden die grundlegenden Entscheidungen von Regierung und Parlament getroffen. „Und im Berliner Dienstsitz des Bundesministeriums der Verteidigung, dem Bendlerblock, werden diese Entscheidungen für die Bundeswehr umgesetzt.“
Architekt Professor Andreas Meck nannte den Ort „eine Schnittstelle zwischen Bundeswehr und öffentlichem Raum“. „Wir haben das Ehrenmal ganz an die Grundstücksgrenze des Bendlerblocks gerückt und damit direkt an den öffentlichen Raum angebunden.“
Ein verschiebbares Wandelement erlaube zudem zwei unterschiedliche Zugangssituationen: Der einzelne Bürger betritt das Ehrenmal von der Hildebrandstraße aus durch eine niedrige Öffnung. „Sie entspricht in ihrer Dimension dem Maßstab des Einzelnen, der hier seiner Angehörigen und der Toten gedenken kann.“
Werde die Schiebewand dagegen zur Straßenseite verschoben, öffne sich die Anlage mit einer großen Geste zum Bendlerblock: „Dieses Szenario tritt ein bei offiziellen Gedenkfeiern auf dem Paradeplatz des Bundesverteidigungsministeriums.“

Starke Symbolkraft
Die Oberfläche des Ehrenmals ist ein „Bronzekleid“, das aus eingestanzten, halbierten Erkennungsmarken besteht. Begründung: Jeder Angehörige der Bundeswehr trägt beim Einsatz eine Erkennungsmarke; die halbierte Marke steht für den Tod. „Jeder Tote, der hier geehrt werden wird, wird namentlich genannt“,
erklärt Architekt Meck. Die Namen werden auf eine Fläche projiziert und bleiben dort einige Sekunden stehen. „Das geschieht in einem für den Betrachter ruhigen Rhythmus.“
Insgesamt bilden Formen, Strukturen und Material des Ehrenmals die Dimension des Todes ab. Das Innere ist schwarz. „Die realen Raumgrenzen verschwimmen, dem Betrachter eröffnet sich ein entmaterialisierter Raum“,
sagt Meck und ergänzt: „So wie im Tod das Leben aus den Fugen gerät, erfährt hier die strenge Ordnung und tektonische Schichtung eine Irritation.“
Einweihung 2009 geplant
Wer sein Leben für den aktiven Schutz unserer Werte verloren hat, darf nicht vergessen werden, fasste Minister Jung die Bedeutung des Ehrenmals zusammen. Dieses Bekenntnis drückt sich auch in der Widmung des Ministers aus: „Den Toten unserer Bundeswehr. Für Frieden, Recht und Freiheit“
Bis Mitte kommenden Jahres soll das Ehrenmal fertiggestellt und eingeweiht werden. „Ich freue mich, dass mit dieser Grundsteinlegung nun in die Phase des Bauens beginnt“,
sagte Jung und dankte allen, die an dem Prozess von der Planung bis zum Entstehen des Ehrenmals mitgewirkt haben.




