Innere Führung: noch nie war sie so wertvoll wie heute
Berlin, 17.01.2008.
Namensartikel von Verteidigungsminister Dr. Franz Josef Jung zur Neufassung der ZDv 10/1 Innere Führung.
Was Innere Führung in der Praxis heißt, habe ich vor fast 40 Jahren zum ersten Mal erlebt. Damals in der Grundausbildung bei den Flusspionieren wurden wir in ganz unterschiedlichen Situationen, im lebenskundlichen Unterricht, aber auch draußen, bei den Natomanövern und den Durchschlageübungen, auf das Besondere des Dienstes in der Bundeswehr hingewiesen: die Bindung des Dienstes an die Werte und Normen des Grundgesetzes, nicht Kadavergehorsam, sondern die Auseinandersetzung mit den drängenden Fragen von Streitkräften und Demokratie, den Staatsbürgern in Uniform, die Rolle der Vertrauensmänner, das Führen durch Vorbild.
Seitdem hat sich viel geändert. Die Innere Führung ist geblieben, sie hat sich nicht nur bewährt, sie ist gewissermaßen ein Exportschlager und findet überall auf der Welt Nachahmer. Es sind die Grundsätze der Inneren Führung, die unseren Soldatinnen und Soldaten bei ihrer schwierigen und auch gefährlichen Aufgabe das innere Rüstzeug geben und ihre Arbeit erleichtern. Unsere Streitkräfte sind heute fest in der Gesellschaft verankert, sie verfügen über hohes Ansehen, zu Hause und bei unseren Partnern und Freunden. Grund genug, dankbar zu sein, und auch ein wenig stolz.Worin liegt das Geheimnis dieses Erfolges? Innere Führung gibt keine fertigen Rezepte vor, sondern liefert Grundsätze und Orientierungen. Sie ist eine dynamische Konzeption, dies ergibt sich aus ihrem Wesen. Sie versucht den politisch vermittelten Auftrag der Streitkräfte und die Werteordnung des Grundgesetzes als die beiden Bezugspunkte soldatischen Seins in Einklang zu bringen. Wenn sich in der Auftragsformulierung aufgrund sicherheitspolitischer Rahmenbedingungen etwas ändert, dann sind Anpassungen der Inneren Führung notwendig. Sie ist damit wesentlicher Teil der Transformation, weit bevor dieser Begriff geprägt worden ist. Gerade eben haben wir nach einer breiten Diskussion im Verteidigungsausschuss und mit dem Beirat für Innere Führung diese zentrale Dienstvorschrift nach 1972 und 1993 ein weiteres Mal an die Erfordernisse von heute angepasst. Das Ergebnis wird demnächst der Truppe übergeben.
Vier Bereiche sind dabei zentral:
· Festigung des politischen und moralischen Urteilsvermögens durch ein ethisches Regelwerk;
· Stärkung des Führungsverhaltens der Vorgesetzten;
· Bedeutung von Traditionspflege und historischer Bildung als Grundlage für Innere Führung;
· Orientierung des Dienstes in der Bundeswehr an die Vereinbarkeit von Familie und Dienst.
Innere Führung beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Bundeswehr, denn Sicherheit geht uns alle an. Es ist die Innere Führung, die uns an diesen elementaren Zusammenhang erinnert. Gerade die Bundeswehr als Armee im Einsatz für den Frieden braucht den Rückhalt bei den Menschen. Innere Führung ist nur dann erfolgreich, wenn sie von allen gelebt wird.










