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Pressestatement zum Selbstmordanschlag (Sprechertext)

Zu Guttenberg: „Meine Damen und Herren, guten Morgen, wir trauern zutiefst um einen gefallenen, jungen Soldaten und wir beklagen Verwundete. Sie wurden Opfer eines furchtbaren, eines hinterhältigen Selbstmordanschlages in der Provinz Baghlan. Diese Nachrichten erschüttern uns immer, wir sind in Gedanken und in Gebeten bei dem Gefallenen, bei seiner Familie und in Gedanken bei den Verwundeten und wünschen ihnen bald beste Genesung.

Die Zahl der Verwundeten hat sich über Nacht, nach Meldungen, die wir bekommen haben, noch einmal auf vierzehn erhöht. Dazu wird General Glatz noch ausführen, es handelt sich hier gottlob um kleinere Verwundungen und keiner der Soldaten schwebt in Lebensgefahr. Ich glaube, das ist auch wichtig zu wissen.

Dieser Einsatz, mit all seinen Inhalten und Auswirkungen, meine Damen und Herren, darf niemals zur Routine werden und es ist richtigerweise auch an diesem Tage einmal darauf verwiesen worden, dass es kein Ritual der Betroffenheit geben darf. Es erschüttert uns immer wieder aufs Neue und bei den Soldaten und in diesem Ministerium und in der Bundesregierung ist es von größter, größter Bedeutung, dass wir diesen Blick und uns auch diese Einstellung bewahren.

Es gibt keine Routine, wenn wir auf Afghanistan als solches blicken. Meine Damen und Herren, der Einsatz in Afghanistan ist und bleibt höchst gefährlich. Und ich habe wiederholt darauf verwiesen, dass es in Afghanistan weiter Verwundete und Gefallene geben kann und so bedrückend diese Aussage ist, so wichtig ist weiterhin, hier in aller Offenheit darauf hinzuweisen.

Wir bemühen uns nach Kräften weiterhin besten Schutz und um die notwendige Ausbildung für unsere Soldatinnen und Soldaten und es wird immer wieder auch Fälle geben, die man wahrscheinlich sogar mit dem besten, dem optimalen Schutz und der allerbesten Ausbildung kaum verhindern wird können.

Unsere Soldaten leisten einen ungemein tapferen, einen entbehrungsreichen Dienst und wir sind ihnen von Herzen dankbar dafür. Es ist ein Dienst, der unter anderem dazu beiträgt, dass die Gefahr vergleichbarer Anschläge in unseren Landen auch entsprechend niedrig gehalten wird.

Was Afghanistan anbelangt, meine Damen und Herren, müssen wir dafür sorgen, dass wir ein erträgliches Maß an Sicherheit in Afghanistan erreichen, damit die Gefährdung der internationalen Sicherheit von dort ausgehend so gering wie nur irgend möglich ist. Wir brauchen ein erreichbares Maß an Entwicklung, auch an anderen Aspekten unseren Standards an Menschenrechten und Ähnliches.

Aber es kann nicht darum gehen Luftschlössern hinterher zu eilen und Illusionen zu bedienen, sondern die Ziele müssen erreichbar sein. Und deswegen ist es auch wichtig, dass im nächsten Jahr bereits nach unserer Einschätzung mit dem Transitionsprozess begonnen wird, mit der Übergabe in Verantwortung. Ein Prozess, der dann entsprechend auch eine Abzugsperspektive für unsere Soldatinnen und Soldaten nach sich ziehen kann.

Ich danke Ihnen und General Glatz, was die Einzelheiten des gestrigen Vorfalls anbelangt, würde ich bitten, die militärische Einschätzung noch zu geben.“

General Glatz: „Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich möchte natürlich auch an dieser Stelle für die Soldaten, für die ich Verantwortung trage, meine Betroffenheit und meine Anteilnahme, insbesondere für die Familien, für die Freunde, aber auch für die Kameraden im Einsatz, die heute im gleichen Einsatzgebiet wieder im Einsatz sind, zum Ausdruck bringen.

Sie wissen, dass gestern eine deutsche Patrouille des Ausbildungs- und Schutzbataillons in Kunduz den Auftrag hatte, über den Baghlanfluss, circa sechs Kilometer nordwestlich des PRT Pol-e Khomri, eine Brücke zu überwachen. Bei dieser Brücke handelt es sich um eine Panzerschnellbrücke Biber, die dort zum Einsatz gebracht worden ist im Zusammenhang mit dem Wahltag am 18.09..

Gegen 13.50 Uhr wurde diese Patrouille, die abgesessen war, in ihrem Sicherungsauftrag durch einen Selbstmordattentäter angegriffen. Und es ist richtig, wie es heute in einigen Medien dargestellt wurde. Es gab in der Nähe dieses Brückenübergangs eine Gruppe von Bauern auf einem Feld. Einer dieser Bauern hat sich der Soldaten angenähert, es wurde nach einem Sprachmittler gerufen und bevor der Sprachmittler an den Ort des Geschehens eilen konnte, wurde die Sprengweste gezündet.

Die Sprengweste muss eine enorme Sprengkraft gehabt haben. Sie war gefüllt mit Stahlkugeln und diese Stahlkugeln haben bei zwei Dingofahrzeugen, die in der Nähe standen, die Türen und die Scheiben durchschlagen. Rettungsmaßnahmen wurden sofort eingeleitet, denn bei diesem Anschlag ist einer unserer Kameraden gefallen und sechs weitere wurden verwundet. Der Anschlagsort wurde durch deutsche ISAF-Kräfte gesichert. die Soldaten wurden anschließend mit Handfeuerwaffen und Mörsern angegriffen und standen circa bis 18.00 Uhr, also dem Einbruch der Dunkelheit in Afghanistan; im Feuergefecht.


Durch diesen Sprengstoffanschlag und die anschließenden Kampfhandlungen - ich komme darauf noch zu sprechen - ist, wie gesagt, ein Soldat gefallen, und, wie der Herr Minister das eben gesagt hat, mit dem Stand von heute wurden vierzehn weitere Kameraden verwundet. Sie werden sich fragen, warum gestern sechs, heute vierzehn.

Nach Abschluss der Kampfhandlungen haben die Soldaten die Stellungen verlassen, sind in den ihnen bekannten OP North gegangen. Einige waren mit dem Minister an diesem OP North. Und dort haben sich Soldaten gemeldet, die leichte Verwundungen hatten, die sie vorher nicht gemeldet haben.

Ich würde das mal einordnen, und das bitte ich nicht falsch zu verstehen, als Kratzer. Einige hatten Ohrensausen, das ist die Masse. Wir müssen davon ausgehen, dass sie einen Tinnitus haben. Sie sind alle nach Mazar-e Sharif verbracht worden, werden dort zur Zeit sanitätsdienstlich versorgt, das heißt sie bekommen Infusionen.

Alle Soldaten, die verletzt worden sind, auch derjenige, der gestern noch als schwerverletzt eingeordnet wurde, müssen heute als leichtverletzt nach der Behandlung in Masar-e Sharif eingestuft werden. Und nach einem Gespräch, das ich heute morgen noch mit General Fritz, mit dem ich seit gestern ständig in Verbindung stand, geführt habe, wollen diejenigen, die gestern als schwer oder mittelschwer verwundet nach Mazar-e Sharif gebracht wurden, zum jetzigen Zeitpunkt nicht repatriiert werden.

Darüber hinaus haben dann Aufständische den Kontrollposten Shahabuddin, vier Kilometer nordwestlich des Anschlagsortes, angegriffen. Durch den Einsatz von Luftnahunterstützung konnte hier der Gegner zum Ausweichen gezwungen werden. Gegen eine Mörserstellung der Aufständischen wurde im Rahmen der Luftnahunterstützung eine Bombe eingesetzt. Es kamen auch Apache-Hubschrauber mit Hellfire zum Einsatz.

Nach dem jetzigen Stand und nach einem Gespräch mit General Fritz von heute morgen, auf das ich hinwies, hat es keine zivilen Opfer gegeben. Die deutschen Einsatzkräfte befinden sich, wie ich eingangs sagte, weiterhin im Einsatzraum, erfüllen ihren Überwachungsauftrag.

Alle Angehörigen der gefallenen und verwundeten Soldaten konnten zeitnah informiert werden. Das Kontingent plant für den morgigen Tag um 09.30 Uhr eine zentrale Trauerfeier im PRT Kunduz. Die wird durchgeführt werden durch den Generalmajor Fritz. Im Anschluss wird der Leichnam des Gefallenen über Termez/Usbekistan nach Deutschland verbracht.“

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Stand vom: 03.12.13


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