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Flug nach Afghanistan

Strausberg, 16.04.2008.
Schnallt euch an“, sagt Hauptmann Alexander Voigt zu 21 Schülern, „wir fliegen jetzt nach Afghanistan“. Voigt ist angehender Jugendoffizier der Bundeswehr und berichtet den Schülern der Oberschule Ehm Welk von seinem zurückliegenden Afghanistan-Einsatz. Die Schüler aus Angermünde wurden in die Akademie der Bundeswehr für Information und Kommunikation (AIK) in Strausberg eingeladen.

Portrait von Fregattenkapitän Georg Twardon, Lehrgangsleiter an der AIK

Praxisnahe Ausbildung (Quelle: Bundeswehr/Struckhof)Größere Abbildung anzeigen

Wir machen das, damit die künftigen Jugendoffiziere, die wir bei uns ausbilden, mit der Zielgruppe praktisch üben können“, sagt Fregattenkapitän Georg Twardon. Er ist der verantwortliche Lehrgangsleiter des dreiwöchigen Grundlehrgangs für nebenamtliche Jugendoffiziere.

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Auf die Reise mitgenommen

Voigt nimmt die 21 Schülerinnen und Schüler in seinem 15-minütigen Vortrag tatsächlich mit nach Afghanistan. Es gelingt dem Offizier, den Brandenburgischen Jugendlichen ein Bild vom Land am Hindukusch zu vermitteln. Er war 2005 als Betreuungsoffizier in Afghanistan und zeigt Bilder von sich und Peter Maffay. „Wir haben für die Soldaten im Auslandseinsatz ein Open-Air-Konzert organisiert. Ihr könnt Euch vielleicht vorstellen, dass das eine willkommene Abwechslung für die Soldaten im Auslandseinsatz war. Vier von fünf Soldaten kommen in den vier bis sechs Monaten, die sie in Afghanistan sind, nicht aus dem Feldlager heraus. Das Konzert hob noch viele Tage danach die Stimmung der Truppe“, so Alexander Voigt.

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Kommunikation ist Schwerpunkt der Ausbildung

Twardon ist mit dem Vortrag von Voigt sehr zufrieden. „Das haben Sie sehr gut gemacht“, sagt er in einer Abschlussbesprechung, nachdem die Schüler die AIK verlassen haben. Zu den Grundzielen der Ausbildung sagt er: „In dem dreiwöchigen Grundlehrgang geht es in erster Linie um die Kommunikation. Wie spreche ich Jugendliche an? Wie kann ich Begriffe des Alltags der Bundeswehr übersetzen für jugendliche Zivilisten?

Twardon gibt praktische Tipps: „Nehmen wir mal als banales Beispiel den Begriff eines Bataillons. Es hat in der Regel eine Personalstärke von rund 800 Soldaten. Und das lässt sich in etwa mit der Größe einer Schule vergleichen. Ein Bataillon gliedert sich in Kompanien. Das ist vergleichbar mit einer Jahrgangstufe. Und der Zug lässt sich dann in etwa mit einer Klasse erklären.

Von solchen praktischen Beispielen zehren die 13 Teilnehmer des Lehrgangs, der in dieser Woche zu Ende geht. Und damit möglichst viel Praxis in die Ausbildung einfließen kann, ist Hauptmann Holger Gottesmann aus Düsseldorf angereist. Er ist hauptamtlicher Jugendoffizier und während des Lehrgangs sogenannter Lehrgangsbegleiter und unterstützt Twardon bei der Ausbildung.

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Hauptmann Holger Gottesmann, Lehrgangsbegleiter an der AIK

Herausforderung Jugendoffizier (Quelle: Bundeswehr/Struckhof)Größere Abbildung anzeigen

Selbstständiges Arbeiten

In der Bundeswehr gibt es rund 300 nebenamtliche Jugendoffiziere. In jeder Einheit ab der Bataillons-Ebene soll ein nebenamtlicher Jugendoffizier und eventuell ein nebenamtlicher Jugendfeldwebel eingesetzt werden. Sie unterstützen die 94 hauptamtlichen Jugendoffiziere, die über die ganze Bundesrepublik verteilt sind.

Hauptamtliche Jugendoffiziere arbeiten selbstständig und verwalten ein eigenes Budget“, sagt der 31-jährige Gottesmann. Es gibt sogar einen Jugendoffizier-Förderverein. Gottesmann ist seit November 2007 der amtierende Vorsitzende. „Wir haben zurzeit 187 Mitglieder. Das sind alle hauptamtlichen Jugendoffiziere und viele Ehemalige. Grundgedanke unseres im Jahr 2004 gegründeten Vereins ist die Netzwerkbildung und die gegenseitige praktische Unterstützung bei der täglichen Arbeit.

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Viel Eigeninitiative

Die 13 Lehrgangsteilnehmer sind motiviert. Sie sind im Range eines Leutnants, Oberleutnants oder Hauptmanns beziehungsweise Kapitänleutnants. Sie wollen vom Lehrgang möglichst viel für ihre künftige nebenamtliche Aufgabe mitnehmen.

Deshalb arbeiten sie in Teams zusammen und erstellen eigene Unterlagen. So erhält jeder Lehrgangsteilnehmer erste Arbeitshilfen für die künftige nebenamtliche Tätigkeit. Vieles wird in Abend- und Nachtarbeit erstellt. Für eine tägliche Presseschau müssen immer zwei Lehrgangsteilnehmer früher aufstehen, um die Kameraden und Ausbilder über das sicherheitspolitische Geschehen zu informieren. „Wir fordern viel Eigeninitiative – auch nach offiziellem Dienstschluss“, sagt Twardon.

Lehrgangsteilnehmer Kapitänleutnant Andreas Mückusch sagt: „Das Spannendste an dem Lehrgang ist mit Sicherheit das Kommunikationstraining. Dort müssen wir vor einer Kamera bestimmte Statements abgeben. Diese Statements werden von den Ausbildern entsprechend bewertet. Wir bekommen sofort ein Feedback und jeder kann sich selbst im Fernsehen sehen und so noch einmal Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung übereinanderlegen.“ Der 30-Jährige ist Besatzungsmitglied der Fregatte Schleswig-Holstein aus Wilhelmshaven.

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Hürde Grundlehrgang

Die Lehrgangsteilnehmer erhalten nach Abschluss des Grundlehrgangs ein Teilnahmezeugnis. Einigen Teilnehmern wird von der dreiköpfigen Lehrgangsleitung, zu der auch eine zivile Kommunikationstrainerin gehört, eine Eignung zum hauptamtlichen Jugendoffizier bescheinigt.

Eine solche Empfehlung ist Voraussetzung, um ab dem Dienstgrad Hauptmann hauptamtlicher Jugendoffizier werden zu können. Diese Soldaten haben dann eine reelle Chance, wenn sie das grundsätzliche Höchsteintrittsalter für Jugendoffiziere von 35 Jahren nicht überschritten haben“, sagt Fregattenkapitän Twardon.

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Die Jugendoffiziere beim POL&IS spielen, einem Strategiespiel für sicherheitspolitische Bildung

POL&IS - Sicherheitspolitik spielerisch erfassen (Quelle: Bundeswehr/Struckhof)Größere Abbildung anzeigen

Zukünftige POL&IS-Spielleiter

Pro Jahr werden an der AIK acht Grundlehrgänge mit maximal 16 Teilnehmern und zwei dreiwöchige Aufbaulehrgänge für hauptamtliche Jugendoffiziere angeboten. Hinzu kommen zwei Jugendfeldwebellehrgänge, die zwei Wochen dauern und ein Lehrgang für POL&IS-Spielleiter.

POL&IS (Politik und Internationale Sicherheit) ist ein Plan- und Rollenspiel in Seminarform, das Jugendoffiziere der Bundeswehr für Oberstufenschüler und junge Erwachsene im Rahmen der politischen Bildung anbieten.

Den Lehrgangsteilnehmern des Grundlehrgangs wird das Spiel in Grundzügen von Hauptmann Holger Gottesmann erklärt. „Im Monat Januar spielte ich POL&IS insgesamt viermal. Das ist eine der Hauptaufgaben eines Jugendoffiziers“, so Gottesmann.

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Bundeswehr ist für Schüler immer interessant

Eine weitere Aufgabe eines Jungendoffiziers können die Lehrgangsteilnehmer kurz vorm Mittagessen sehen. Die Angermünder Schüler fahren mit einem Bus zum vierten Bataillon des Luftwaffenausbildungsregiments, um sich dort die Grundausbildung anzusehen.

Begleitet werden sie von einem Jugendoffizier der Bundeswehr. Hauptmann Rüdiger Fischer aus Strausberg nimmt sie in Empfang und wird sie einen Nachmittag lang betreuen. Die 21 Schülerinnen und Schüler sind von dem Vormittag an der AIK angetan. „Das macht den Schülern Spaß“, sagt Politiklehrerin Kerstin Petzold.

Seit sechs Jahren habe ihre Oberschule bereits Kontakt zur Bundeswehr-Bildungsstätte in Strausberg. „Für unsere Schüler ist die Bundeswehr immer interessant. Auch als möglicher Arbeitgeber, denn bei uns ist die allgemeine Arbeitsplatzsituation nicht besonders gut.

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Stand vom: 03.12.13 | Autor: 


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