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Generalleutnant Norbert Finster: Vieles wird sich verändern

Bonn, 04.08.2011, Bundeswehr aktuell.
Die Neuausrichtung der Bundeswehr wird derzeit in elf Projekten erarbeitet. Eines davon befasst sich mit der „Neuordnung der Streitkräfte“. Im Interview spricht Projektleiter Generalleutnant Norbert Finster über Ziele und Herausforderungen seines Projektes.

Finster im Porträt

Generalleutnant Norbert Finster (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

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Herr General, was ist das Ziel des Projektes?

Ziel ist es, die Streitkräfte, das heißt den Teil der Bundeswehr, der dem Generalinspekteur zukünftig direkt unterstellt ist, besser für die erkennbaren und wahrscheinlicheren sicherheitspolitischen Herausforderungen von heute und morgen auszurichten.

Die neuen Verteidigungspolitischen Richtlinien (VPR) beschreiben hierzu den strategischen Rahmen für den Auftrag und die Aufgaben der Bundeswehr sowie die nationale Zielvorgabe für unsere Streitkräfte. Bei unseren Planungen müssen wir aber auch die einschränkenden Faktoren Demografie und Finanzen berücksichtigen.

Der Auftrag ist überaus komplex und steht in intensiver Wechselwirkung zu fast jedem der weiteren zehn Projekte. Denn in diesem Projekt werden ja die Streitkräfte der Zukunft entlang der bekannten Parameter geplant, wie beispielsweise ein Gesamtumfang von bis zu 185.000 Soldaten in fünf eng aufeinander abgestimmten Teilstreitkräften beziehungsweise Militärischen Organisationsbereichen.

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Und welche Chancen bietet das Projekt für die Zukunft?

Chancen sehe ich vor allem darin, mit dem jetzt avisierten umfassenden Neuansatz dazu beizutragen, dass die Lücke zwischen Auftrag und Mitteln nicht zu groß wird und wir wieder Handlungsspielraum zurückgewinnen.

Wir wollen Defizite korrigieren, Erfahrungen besser nutzen, Flexibilität und Kreativität fördern, Verfahren vereinfachen und Verantwortung bündeln. Ganz sicher wird dieser komplexe Prozess der Neuausrichtung aufgrund seiner vielfältigen gegenseitigen Abhängigkeiten nicht immer einfach zu bewältigen sein und es wird auch einiger Zeit bedürfen, bis wir am Ziel sind. Ich bin aber überzeugt, dass die Reform in dieser Form notwendig und sinnvoll ist.

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Auf welche Veränderungen müssen sich die Mitarbeiter dabei einstellen?

Die Neuordnung der Streitkräfte wird in vielen Bereichen Folgen für fast alle Bundeswehrangehörigen und zum Teil auch für deren Familien haben. Vieles, was bisher bekannt und gewohnt war, wird sich verändern. Es wird erforderlich sein, Organisationselemente aufzulösen, andere umzugliedern und auch neue aufzustellen.

Wir werden aber auch gezwungen sein, Verbände zu verlegen und Standorte ganz aufzugeben. Für nicht wenige Soldaten und zivile Mitarbeiter wird es zudem erforderlich werden, sich neuen Aufgaben zu stellen, da ihr bisheriger Aufgabenbereich zukünftig weniger Personal erfordert oder anders wahrgenommen wird.

Einer sehr grundlegenden Veränderung müssen wir uns bereits stellen: Seit dem 1. Juli ist die Bundeswehr eine Freiwilligenarmee. Die sich daraus ergebenen Konsequenzen haben manche noch gar nicht richtig erfasst.

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Wie ist der weitere zeitliche Ablauf?

Die erforderlichen politischen Entscheidungen zu Umfang und Fähigkeiten sind grundsätzlich getroffen. Sie folgen der sicherheitspolitischen Ableitung, die in den VPR vorgenommen ist. Wichtig ist es nun, die weiteren Schritte detailliert zu planen und mit der Arbeit in den anderen zehn Projekten abzustimmen.

Nach grundsätzlichen Entscheidungen der Leitung erfolgt die detaillierte Feinausplanung der Streitkräfte, danach die Erarbeitung der Personalstruktur und als Letztes wird im Oktober das Ressortkonzept Stationierung veröffentlicht.

Der Zeitraum Ende 2011 stellt sicher eine Art Kristallisationspunkt dar, an dem wir dann viele Fragen, die unsere Soldaten persönlich betreffen, wohl klarer beantworten können als noch heute. Ab 2012 sollen dann im „Top-down-Ansatz“, beginnend mit der Umgliederung des Verteidigungsministeriums (BMVg), schrittweise die neuen Strukturen eingenommen werden.

Für Heer, Luftwaffe, Marine, Streitkräftebasis und Zentraler Sanitätsdienst gilt es dann, ihre Führungskommandos aufzubauen und die weiteren Reformschritte in ihren jeweiligen nachgeordneten Bereichen nach und nach – zum Teil auch überlappend – einzuleiten. Dieser Prozess wird mindestens bis Ende 2015 dauern. Für die Bereiche, die auf den Zulauf neuer Waffensysteme angewiesen sind, zum Teil auch länger.

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Was ist derzeit die größte Herausforderung im Projekt?

Zunächst einmal steht unsere Arbeit unter einem hohen Zeit- und Erwartungsdruck. Dies trifft aber auf alle Projekte zu. Die Angehörigen der Bundeswehr erwarten zu Recht, dass es nach der Amtsübernahme des Ministers und der notwendigerweise erfolgten Bestandsaufnahme im Zeitraum März bis Mai dieses Jahres jetzt zügig und zielgerichtet weitergeht.

In meinem Projekt stehen wir aktuell vor der Herausforderung, bereits mit Hochdruck die aus Sicht der militärischen Führung notwendigen Analysen und Planungsschritte durchzuführen beziehungsweise einzuleiten und uns mit den anderen Projekten abzustimmen, während gleichzeitig die neuen Abteilungen im BMVg überhaupt erst konzipiert werden.

Im Augenblick gilt es, viele Fäden zur gleichen Zeit zu spinnen, sich laufend mit den anderen Projektleitern abzustimmen, aber auch kurzfristig zu improvisieren. Auch aus meiner bisherigen Funktion als Stellvertreter des Inspekteurs der Luftwaffe – aus einer perfekt funktionierenden Führungsorganisation kommend – empfinde ich dies als spannend und innovativ.

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Wer arbeitet an dem Projekt mit, wer ist beteiligt?

Dieses Projekt hat Schnittstellen zu nahezu allen anderen Projekten. Für die Arbeit greife ich vor allem auf die Expertise des Führungsstabes der Streitkräfte, aber auch auf die der anderen Führungsstäbe und Abteilungen des BMVg zurück. Des Weiteren werden wir begleitet durch Mitarbeiter des Arbeitsstabes Strukturreform sowie der g.e.b.b.

Die Fragen stellte Matthias Mantey.

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Stand vom: 03.12.13 | Autor: Matthias Mantey


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