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Eagle Jump 2016: Der NATO-Speerspitze den Weg abstecken

Stettin, 22.02.2016.
Das Hauptquartier des Multinationalen Korps Nordost in Stettin hat die Verfahren zur Aufnahme, Bereitstellung und Weiterverlegung der NATO-Speerspitze VJTF nach Polen geprobt und erstmals die neuen Aufnahmestützpunkte (NFIUs) der NATO einbezogen. Mehr als 100 Teilnehmer und Beobachter aus verschiedenen NATO-Organisationen nahmen an der Übung Eagle Jump 2016 teil, die vom 15. bis 19. Februar in den Baltic Barracks (Ostsee-Kaserne) stattfand.

Eine Karte mit Pappschildern

Wichtige Voraussetzung für die Verlegung der VJTF ist die logistische Aufnahme, Bereitstellung und Weiterleitung. (Quelle: Karol Sito)Größere Abbildung anzeigen

Die Gründung der Very High Readiness Joint Task Force war Teil des Aktionsplans der NATO für eine erhöhte Einsatzbereitschaft, um die kollektive Verteidigung zu stärken. Mit der Speerspitze kann die NATO nun noch schneller und flexibler auf sicherheitspolitische Entwicklungen, zum Beispiel in Osteuropa, reagieren. In einfachen Worten: Die VJTF ist schon in Aktion, bevor weitere Truppen nachrücken.

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RSOM: Fit fürs Operationsgebiet

Wichtige Voraussetzung ist die schnelle Verlegung – ein anspruchsvoller und technologieabhängiger Prozess, der auf verschiedenen Ebenen koordiniert werden muss. Hier geht es um Aufnahme, Bereitstellung und Weiterverlegung – im NATO-Englisch „Reception, Staging, Onward Movement“ (RSOM) genannt.

Um mit RSOM erfolgreich zu sein, ist viel Planung, Synchronisierung und Genauigkeit erforderlich. Bei dieser Aufgabe geht es sowohl um Personal als auch Material: „Dies umfasst alles, was getan werden muss, um die VJTF-Kräfte – in den Häfen, an den Flughäfen usw. – aufzunehmen und sicherzustellen, dass deren Ausrüstung emfangen wird, dass die Fahrzeuge ihre Fahrer haben, dass genug Kraftstoff vorhanden ist, um sie in das Operationsgebiet zu transportieren. Es gibt eine Menge Einzelheiten, die zusammenkommen müssen“, erklärt Oberst Henrik S. Fischer von den dänischen Streitkräften, der Übungsdirektor.

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Logistische Netzwerke, Transportwege, Infrastruktur

Da RSOM auf jede spezifische Operation zugeschnitten sein sollte, konzentrierte sich das Übungsszenario auf das Territorium von Polen und den baltischen Verbündeten. Zum Aufbau eines besseren Verständnisses der RSOM-Anforderungen mit Blick auf das sich schnell verändernde Sicherheitsumfeld an der östlichen Grenze der NATO, wurde die Ausbildung zusammen mit vielen externen Stellen durchgeführt, einschließlich der Schwester-Hauptquartiere des Multinationalen Korps Nordost sowie der NATO-Truppenintegrationseinheiten (NFIU).

Bei den NFIUs handelt es sich um multinationale Aufnahmestützpunkte, die sich in Polen, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien und Bulgarien sowie bald auch in der Slovakei und Ungarn befinden. Sie unterstehen dem Stettiner Korps. Das Personal der NFIUs arbeitet mit dem jeweiligen Stützpunktstaat zur Identifizierung logistischer Netzwerke, Transportwege und unterstützender Infrastruktur zusammen. Für die schnelle und reibungslose Verlegung der Speerspitze sind die Vorbereitungen der entsprechenden Aufnahmestützpunkte entscheidend. Bis zum NATO-Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs im Sommer 2016 in Warschau sollen alle NFIUs ihre Einsatzbereitschaft erlangt haben.

Internationale Streitkräfte sitzen vor einem Computer

Gemeinsame neue Wege gehen. (Quelle: Karol Sito)Größere Abbildung anzeigen

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Für den Krisenfall üben

„Zum ersten Mal in der Geschichte der NATO wird der RSOM-Prozess zusammen mit den NFIUs geübt. Daher gibt es ein großes Interesse unserer Partner-Hauptquartiere auf gleicher und höherer Ebene“, betont Brigadegeneral Rolf Wagner, Deputy Chief of Staff Support. „Unter anderem das SHAPE ist hier und die beiden streitkräftegemeinsamen Führungskommandos in Brunssum und Neapel. Wir haben das spanische, italienische und deutsch-niederländische Korps bei uns. Mit dieser Übung beschreiten wir einen neuen Weg. Wir sind hier, um ihn abzustecken“, ergänzt er.

Der Schwerpunkt von Eagle Jump 2016 wurde auf die Koordinierung der Maßnahmen der Bündnispartner gelegt sowie auf die Entwicklung und Überprüfung der Verfahren, die im Fall einer an der nordöstlichen Grenze des Bündnisses entstehenden Krise greifen sollen. „Dies ist eine ausgezeichnete Gelegenheit, um die Verbindungswege zu erproben. Wir haben an einigen gemeinsamen Punkten gearbeitet. Die Übung hat uns einige gute Beiträge zu unseren ständigen Dienstanweisungen aufgezeigt“, erklärt Major Inese Seskena (Lettische Streitkräfte) von der NFIU aus Lettland.

Was das HQ MNC NE betrifft, war Eagle Jump 2016 ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Erreichung der vollen Einsatzfähigkeit und der Zertifizierung als Hauptquartier mit hoher Einsatzbereitschaft (High Readiness Force Headquarters) im Jahr 2017.

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Stand vom: 23.02.16 | Autor: Marta Karpinska


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