Schutz und Ausbildung: Schwerpunkte in Afghanistan
Berlin, 09.08.2010, Presse- und Informationsstab BMVg.
„Übergabe in Verantwortung“ – das ist das Leitmotiv der deutschen Afghanistanpolitik. Das Land soll Schritt für Schritt in die Lage versetzt werden, selbst für seine Sicherheit zu sorgen.

Entsprechend hat das Parlament seinen „Auftrag“ an die Bundeswehr – das aktuelle Bundestagsmandat – formuliert: Der Schutz der afghanischen Bevölkerung und die Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte stehen im Vordergrund. Die Bundeswehr trägt dem durch eine Neuausrichtung ihres Einsatzkontingents Rechnung.
Ausbildungs- und Schutzbataillone
Im Aufgabenverbund der ISAF ist die Bundeswehr für den Norden Afghanistans, das Regional Command North (RCN), verantwortlich. Dort, in Kunduz und in Mazar-e Sharif, stellt sie je ein Ausbildungs- und Schutzbataillon auf. Die Herstellung der vollen Einsatzbereitschaft des Ausbildungs- und Schutzbataillons in Kunduz erfolgt bis Ende August, in Mazar-e Sharif bis Ende Oktober diesen Jahres.
Diese Bataillone sollen gemeinsam mit den afghanischen Streitkräften schrittweise die Kontrolle über Schlüsseldistrikte gewinnen, um sie anschließend in die Verantwortung der afghanischen Polizei zu übergeben. Ein „Sicherheitsvakuum“ soll so gar nicht erst entstehen können.
Shape – Clear – Hold – Build
Die Operationen laufen in vier Phasen ab, die durchaus fließend ineinander übergehen können: Shape (Nachrichtengewinnung und Aufklärung), Clear (Nehmen des Raumes), Hold (Halten des Raumes) und Build (Gewährleistung der Sicherheit durch afghanische Kräfte und ziviler Aufbau).
Entsprechend robust sind die Ausbildungs- und Schutzbataillone ausgestattet: Jedes umfasst rund 1.200 Soldaten, gegliedert in zwei Infanteriekompanien, eine Pionierkompanie und eine Aufklärungskompanie. Zur Bewaffnung gehören auch Schützenpanzer Marder. Außerdem können die Bataillone auf die Feuerkraft der drei Panzerhaubitzen 2000 im Feldlager Kunduz und auf Mörser zurückgreifen.
Regionale Wiederaufbauteams
Die Ausbildungs- und Schutzbataillone ermöglichen es, dass sich die beiden schon bestehenden Regionalen Wiederaufbauteams (Provincial Reconstruction Teams, PRT) in Kunduz und Feyzabad wieder mehr auf den Wiederaufbau und die nachhaltige Stabilisierung in ihrem Verantwortungsbereich konzentrieren.
Geführt von einer „Doppelspitze“ – ein Offizier der Bundeswehr und ein Beamter des Auswärtigen Amtes – verfügen sie trotzdem über zahlreiche militärische Komponenten von Sicherungskräften bis zu Kampfmittelräumern und medizinischem Fachpersonal. Dem PRT Kunduz sind außerdem drei Panzerhaubitzen 2000 und Lenkraketen des Typs TOW auf Wiesel-Luftlandepanzern unterstellt.
Weitere Ausbildungsunterstützung

Neben den Ausbildungs- und Schutzbataillonen sind die Operational Mentor und Liason Teams (OMLT) eine weitere Säule der Ausbildung der afghanischen Armee. Bis Ende 2010 beteiligt sich die Bundeswehr mit rund 200 Soldaten an acht OMLT für das 209. Afghanische Korps. Je ein Mentoren- und Verbindungsteam ist dabei einem afghanischen Verband zugeordnet und geht auch mit ihm in den Einsatz.
Hinzu kommen rund 120 Bundeswehrsoldaten an Truppenschulen, in der Polizeiausbildung und an anderen afghanischen Einrichtung.
Zusammen mit den Ausbildungs- und Schutzbataillonen leistet die Bundeswehr also mit mehr als 1.500 Soldaten ihren Beitrag zum Aufbau der afghanischen Sicherheitskräfte. Dabei steht das sogenannte „Partnering“ im Vordergrund: Die Soldaten der Bundeswehr sind für ihre afghanischen Kameraden zugleich Berater als auch Partner im Einsatz.

