„Wir müssen diese Chance nutzen
“ – Stimmen aus Afghanistan

Für die Menschen auf den Straßen Afghanistans ist der Einsatz ausländischer Truppen von großer Bedeutung für die zukünftige Sicherheitslage des Landes (Quelle: isafmedia/Rafoss)
Berlin/Kabul, 18.05.2010.
Sanjar Sohail, afghanischer Journalist und Chefredakteur der Tageszeitung Hasht-e Sobh („Acht Uhr Morgens“), hat im April in Kabul Stimmen gesammelt, um sich ein Bild von der Meinung der afghanischen Bevölkerung zur Präsenz der internationalen und insbesondere der deutschen Truppen zu machen.
Seiner Ansicht nach geben westlichen Medien oftmals ein falsches Bild von der Stimmung der afghanischen Bevölkerung wieder, indem diese mehrheitlich als kritisch gegenüber der Präsenz der internationalen Truppen dargestellt wird. Bei seinen Gesprächen mit Taxifahrern, Studenten, Ladenbesitzern und Professoren konnte der Journalist keine negativen Reaktionen, sondern viele gut begründete Argumente für das Bleiben der ISAF-Soldaten sammeln. Die Stimmen wurden aus der Orginalsprache Dari ins Deutsche übersetzt.
Wenn die ausländischen Truppen das Land verlassen, wird es mehr Ärger geben. Die Lage ist doch so, dass keine Notwendigkeit besteht, dass die Ausländer gehen. Der Grund dafür, dass es heute ein wenig Sicherheit in Afghanistan gibt, sind doch die Ausländer.
Meiner Meinung nach ist der Zeitpunkt für einen Abzug bis heute nicht gekommen, nämlich dann wenn wir Afghanen bereit sind, dass unsere Armee und Polizei unser Vaterland verteidigen kann.
Erstens ist weder die Sicherheitslage noch die wirtschaftliche Situation so, dass wir selbst unsere Sicherheit garantieren, oder unsere Kinder in die Schule schicken könnten. Deswegen ist es erforderlich, dass die deutschen Truppen solange bleiben, bis wir in der Lage sind, unsere eigene Wirtschaft und Sicherheit selbst gewährleisten zu können.
Manche politische Debatten innerhalb Deutschlands zeigen, dass es eine Anzahl von Fürsprechern eines Stopps des deutschen Truppeneinsatzes in Afghanistan gibt. Ich denke, dass es in der gegenwärtigen Lage sehr nötig ist, dass die deutschen Truppen in Afghanistan präsent bleiben.
Unter keinerlei Umständen sollten jetzt die ausländischen Truppen so schnell Afghanistan verlassen. Wenn das passiert, können wir mit Sicherheit vorhersagen, dass - Gott behüte uns davor - die Situation in Afghanistan schlimmer als vor zehn Jahren wird.
Die Deutschen selbst sind auf verschiedene Art und Weise ein Beispiel und Vorbild für die Europäische Union. Ein Abzug bevor die Probleme Afghanistan gelöst wurden, würde bedeuten, dass Europa seine Versprechen gegenüber der Region zurücknimmt.