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Rolle der Frau im internationalen Terrorismus

Porträt von Dr. Katharina von Knop Größere Abbildung anzeigen

Befasst sich wissenschaftlich mit Fragen des internationalen Terrorismus (Quelle Bundeswehr/Bienert)

Berlin, 29.05.2008.
Die Rolle der Frau im Geflecht des internationalen Terrorismusnetzwerkes habe sich in den vergangenen Jahren immer mehr verändert, sagt Dr. Katharina von Knop von der Universität der Bundeswehr München. Ihre von radikalislamischen Vereinigungen zugedachte Rolle, Mann und Kinder im familiären Umfeld zu unterstützen, habe sich ausgeweitet. Die Frau trete immer häufiger auf operativer Ebene in Erscheinung. Frauen stellen eine sicherheitspolitische Herausforderung dar, sagt die Terrorismusforscherin.

Zwölf Menschen sind bei einem Selbstmordanschlag auf die Polizei in der südwestafghanischen Provinz Farah Mitte Mai getötet und weitere 26 verletzt worden. Der Angriff sei von einer Frau in einer Burka ausgeführt worden, so wurde ein Polizeichef später in den Nachrichtentickern zitiert.

Die Taliban, die sich zu dem Anschlag bekannten, teilten stattdessen mit, der Attentäter sei ein Mann gewesen, der sich als Frau verkleidet hat. Dies stellte sich nach den Untersuchungen letztendlich auch als Fakt heraus. Egal, welche der beiden Quellen die exakten Informationen transportiert hat, ist in diesem Fall gar nicht entscheidend.

Fakt ist jedoch, dass die Rolle der Frau in der Al Qaida-Bewegung eine sehr vielschichtige ist, betont Dr. Katharina von Knop, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Politikwissenschaft der Universität der Bundeswehr in München.

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Motivation der Frauen ist politisch

Frauen im Al Qaida-Netzwerk sind zunehmend in Selbstmordattentate involviert, so von Knop weiter. Untersuchungen beweisen, dass eine deutlich höhere Aktivität auf der operativen Ebene von Frauen festzustellen ist. „Die Motivation der Frauen ist dabei politisch.“ Ihr Wirken sei der Ausdruck eines Wunsches, ihren direkten politischen Willen zu artikulieren. „Was wir in der westlichen Welt begreifen müssen ist, dass auch Frauen eine sicherheitspolitische Herausforderung darstellen“, sagt sie.

Eine Frau, die ein Selbstmordattentat verübt, generiert ein viel größeres Medieninteresse, betont die Wissenschaftlerin. Die Frau werde prinzipiell als Person wahrgenommen, die Leben bringt und kein Leben zerstört. Grundsätzlich verlangt die Ideologie Al Qaida, dass eine Frau da sei, um ihren Mann und ihre Kinder zu unterstützen. Frauen sind für die Erziehung zuständig, können im jungen Lebensalter beeinflussen, welche Entwicklung die ihr anvertrauten Kinder nehmen.

Ideologische Unterstützung bekommen sie auch über das Internet. Seiten wie http://www.mojahdat.jeeran.com beispielsweise geben muslimischen Frauen konkrete Tipps und Hinweise, was sie beachten müssen, um ihre Kinder zu potenziellen Kämpfern zu erziehen, etwa welche Bücher sie ihnen vorlesen sollten. Hier zu intervenieren sei ein schwieriges Unterfangen, denn Einfluss von außen sei in diesen geschlossenen Familienstrukturen so gut wie unmöglich, sagt von Knop.

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Rose

Die Rose: Ein Symbol des weiblichen Dschihad (Quelle: Bundeswehr/Bucurescu)Größere Abbildung anzeigen

Verstärkte Entsendung von Frauen nach Afghanistan

Gesamtgesellschaftliche Ansätze brauche es, um strategische Ziele zu erreichen, die langfristig auf fruchtbaren Boden fallen. Dazu gehöre beispielsweise auch eine verstärkte Entsendung von Frauen nach Afghanistan, die sich in Non-Governmental Organizations (NGO), also in nicht-staatlichen Organisationen, engagieren.

Ihre Aufgabe müsste darin bestehen, sich noch viele intensiver um spezielle Frauen- und Kinderprojekte zu kümmern. Nicht umsonst seien verstärkt Mädchenschulen in der unmittelbaren Vergangenheit seitens der Taliban ins Visier genommen worden. Man weiß offensichtlich um die Bedeutung dieses Betätigungsfeldes. Umso wichtiger sei es auch, den Kindern generell eine Bildung zukommen zu lassen, die kulturverträglich ist, sagt von Knop, und die Traditionen in dem islamisch geprägten Land respektiert.

Was den sozialen Hintergrund der politisch aktiven Frauen betrifft, so sei der ganz unterschiedlich. Als Beispiel nennt von Knop die Belagerung der Roten Moschee in Pakistan Mitte des vergangenen Jahres. In den medialen Blickpunkt rückten damals Bilder von Studentinnen und Frauen, die in Burkas verhüllt mit Schlagstöcken auf die Sicherheitskräfte losgingen. Das seien oft hochqualifizierte Frauen, mit einem Schulabschluss und manchmal sogar mit einem Universitätsabschluss. Mangelnde Bildung, oftmals als eine wesentliche Ursache für Terrorismus angeführt, lässt sie nicht gelten.

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Porträt von Katharina von Knop

Katharina von Knop (Quelle: Bundeswehr/Bienert)Größere Abbildung anzeigen

In Übersetzung und Design der Websites eingebunden

Oftmals gut ausgebildet, muss die Frau nicht zwangsläufig als Selbstmordattentäterin auftreten. So fanden niederländische Untersuchungen heraus, dass Frauen Verantwortung übernehmen, etwa bei der Übersetzung und dem Design von Internetseiten.

Rund 5.000 verschiedene Internetseiten werden der Al Qaida-Bewegung zugeordnet, viele davon mit einer sehr professionellen Aufmachung. Selbstverständlich gebe es hier einflussreichere und weniger bedeutende Auftritte.

Grundintention sei eine jeweils zielgruppenorientierte Aufmachung. So sollen vorrangig Jugendliche angesprochen werden. Das Internet ist für radikale Islamisten nicht nur eine wichtige Plattform, um ihre politischen Positionen zu verbreiten, sondern auch, um die eigene Ideologie zu verbreiten und neue Anhänger zu gewinnen.

Ohne das Internet hätte es diese globale Ideologie, wie wir sie heute erleben, nicht gegeben“, schlussfolgert von Knop. Das Internet habe es Al Qaida erst ermöglicht, zu einer globalen Bewegung zu werden und demzufolge auch für Frauen ein ganz neues Betätigungs- und Profilierungsfeld zu bereiten. Das Medium eröffne eine simple, vernetzte Kommunikationsmöglichkeit, die preiswert Propaganda in der zielgruppenorientierten Form in die ganze Welt transportiert.

Auch die Frauen untereinander können so bequem kommunizieren. Zahlreiche Chaträume sind für diesen Zweck eingerichtet worden.

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Verzahnung aller Bereiche

Einen simplen und kurzfristig zu realisierenden Lösungsansatz, das international agierende Terrornetzwerk zu zerschlagen, hat auch die Terrorismusforscherin nicht parat. Mehrere Zahnräder müssten letztlich so ineinandergreifen, dass das Uhrwerk funktioniert, erklärt von Knop.

Das könne nur durch einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz erreicht werden. Militärische Präsenz ist dabei zwar ein wichtiges, aber nicht das einzige Instrument. Es gehe um eine Verzahnung aller gesellschaftlichen Bereiche, um Schulen, Bildung, Polizei und um spezielle Programme für die entsprechende Zielgruppe. „Man darf nicht in Legislaturperioden denken. Ich denke da eher in Jahrzehnten“, so das Resümee der Wissenschaftlerin.

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Stand vom: 03.12.13 | Autor: 


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